Wachenheim: RHEINPFALZ Plus Artikel Wachenheim: Debatte um „Lindenbrunnen-Carré“

An die Stelle der Halle sollen Wohn- und Geschäftshäuser kommen.
An die Stelle der Halle sollen Wohn- und Geschäftshäuser kommen.

Am Donnerstag steht ein für Wachenheim großes Bauprojekt auf der Tagesordnung des Stadtrates. Es geht um die Errichtung von vier Wohn- und Geschäftshäusern am Königswingert. Wo jetzt noch die Halle der ehemaligen Firma Scharfenberger steht, sollen Arztpraxen und mehr entstehen. Kritik kommt von Anwohnern. Sie finden den Bau zu massig. Und dann ist noch ein Bebauungsplan aufgetaucht.

„Als das Ehepaar Wagner Ende 2018 in einer Bauvoranfrage das Bauprojekt auf dem ehemaligen Gelände der Firma Scharfenberger im Stadtrat vorgestellt hat, war ich sofort begeistert und habe als Ratsmitglied dafür gestimmt“, berichtet Volker Eckl und weist darauf hin, dass Wachenheim dringend Wohnungen benötigen würde. Mittlerweile hat der Immobilienökonom mit dem Projektentwickler Helmut Knopf und dem Betriebswirt Marcus Nachbauer im vergangenen Herbst das Areal selbst erworben. Nur das „Bella-Bici-Gebäude“, für das es bereits eine Baugenehmigung gibt, um Erweiterungen und eine Aufstockung vorzunehmen, ist noch im Besitz des Ehepaars Wagner.

Als Projektgesellschaft Wachenheim wollen die drei Investoren das Bauprojekt, das den Namen „Lindenbrunnen-Carré“ bekommen hat, nun selbst realisieren. Auf dem Areal werden in vier Wohn- und Geschäftshäusern, die bis zur Dachkante eine Höhe von 11,40 Metern aufweisen, 18 oder 19 Eigentumswohnungen mit Wohnflächen zwischen 70 und 140 Quadratmetern, wahrscheinlich drei Arztpraxen und das neue Domizil der Wachenheimer Filiale der Sparkasse Rhein-Haardt werden hier Platz finden. Ob in eines der Gebäude noch ein Café integriert werde, könne im Moment noch nicht endgültig zugesagt werden. Die Gebäude würden dreigeschossig errichtet. Parkraum, der nur von den Eigentümern und Mietern genutzt werden könne, steht nach Ansicht der Investoren ausreichend zur Verfügung, zumal auch eine Tiefgarage mit 37 Stellplätzen vorgesehen sei.

Für das gesamte Projekt rechnen die Investoren mit Kosten von etwa neun Millionen Euro. Nachdem der Bauausschuss im Februar für das Projekt grünes Licht gegeben hat, gehen die Bauherren davon aus, dass in der Stadtratssitzung am Donnerstag, 20 Uhr, Rathaus, dem Vorhaben zugestimmt wird.

Wenn die Kreisverwaltung Bad Dürkheim anschließend die Baugenehmigung erteilt und es zur Baufreigabe kommt, könnte im September mit den Abrissarbeiten der alten Scharfenberger Halle begonnen werden. „Wir gehen von einer Bauzeit von 18 bis 20 Monaten aus“, rechnet Helmut Knopf vor und ergänzt, dass er davon ausgehe, das Projekt im Frühjahr, spätestens im Sommer 2022 fertiggestellt zu haben.

Kritik kommt von den Anwohnern

Das Bauvorhaben wird von einigen Anwohnern kritisch gesehen. Elfriede Schaaf-Rüffel, die eine unmittelbare Anliegerin ist, hat sogar 200 Unterschriften gesammelt. Viele Wachenheimer sähen das Projekt kritisch, sagt Schaaf-Rüffel. Sie sei nicht gegen das Projekt, betont sie. Aber sie störe sich am „Maß der Bebauung“. Spreche man doch von dreistöckigen Gebäuden mit einer Firsthöhe von über elf Metern. Noch dazu bei abfallendem Gelände, das sei einfach zu hoch.

Seit sie bei der Kreisverwaltung Bad Dürkheim nach einem Bebauungsplan gefragt hat, stört sie sich auch an dem Vorgehen der Verwaltung. Denn die Nachfrage hat ergeben, dass es für das Gebiet einen Bebauungsplan gibt. Bisher ist in der Sache aber nach Paragraf 34 des Baugesetzbuchs entschieden worden. Dieser wird angewendet, wenn es um Bauten in Gebieten geht, für die es keinen Bebauungsplan gibt. Demnach sind Gebäude in Ordnung, die sich in die Umgebung einfügen. Für Schaaf-Rüffel ist unter falschen Prämissen beraten und abgestimmt worden. Der Bebauungsplan lag in einer Bauausschusssitzung Anfang Februar, als letztmals beraten wurde, noch nicht vor. Auch für Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU) war er neu. Seit mindestens 25 Jahren sei man in der Stadt davon ausgegangenen, dass es für diesen Bereich gar keinen gibt. So seien in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Gebäude entstanden, die nach dem alten Bebauungsplan nicht zulässig seien, sagt Bechtel. Der Plan, der nun wieder da ist, ist rechtskräftig. Die Verwaltung sei aber der Meinung, dass er funktionslos sei. Für Bechtel wäre es sinnvoll, bei der Sitzung am Donnerstag ein Einvernehmen für den Bau zu erteilen.

Andere haben signalisiert, den Punkt lieber vertagen zu wollen. Für Jürgen Rohr (SPD) ist das Gebäude zu massiv. Grundsätzlich begrüße man, dass Ärzte kämen, die Sparkasse neue Räumlichkeiten bekommen und dass Wohnraum geschaffen werden würde. „Ich möchte nicht, dass die Sache explodiert, aber man hätte im Vorfeld alles mit den Fraktionsvorsitzenden der im Stadtrat vertretenen Parteien in Ruhe besprechen müssen“, sagt Rohr.

Erstmals war das Projekt vor zwei Jahren Thema im Bauausschuss und im Stadtrat. Als Bauvoranfrage war damals das Projekt vorstellt worden.

Was passiert im Stadtrat?

„Wir stellen am Donnerstag unsere Planungen im Rat vor und können uns nicht vorstellen, dass es irgendwelche Probleme gibt“, zeigt sich Investor Eckl optimistisch. Die Investoren wollen wegen der Kritik den Anwohnern entgegenkommen. Ein umlaufender Balkon an zwei Gebäuden, der zwar die Nutzfläche verkleinere und ein bis zwei Wohnungen kosten werde, solle für mehr Sonneneinfall bei den Anliegern sorgen.

„Mit diesem Kompromiss ist es uns immer noch möglich, für Wachenheim eine gewinnbringende Lösung zu finden, denn wir schaffen Wohnraum und optimieren auch noch die medizinische Versorgung“, berichtet Knopf.

Schaaf-Rüffel will auch zur Stadtratssitzung kommen. „Wir werden uns angucken wie das aussieht, und ob wir damit leben können“, sagt sie zu dem vorgeschlagenen Kompromiss. Bei ihr und anderen bestünden außerdem Bedenken gegen die Parksituation.

Eine Vertagung des Punktes strebt Bechtel nicht an. Die endgültige Entscheidung liege sowieso bei einer übergeordneten Stelle. „Die Baugenehmigung kommt von der Kreisverwaltung und nicht von Herrn Bechtel“, sagt der Bürgermeister.

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