Kreis Bad Duerkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wachenheim: Bürklin-Wolf in zwei Weinführern in der Weltklasse

Bürklin-Wolf orientierte sich bei der Neueinteilung an der königlich-bayrischen Lagenklassifikation.
Bürklin-Wolf orientierte sich bei der Neueinteilung an der königlich-bayrischen Lagenklassifikation. Foto: Bürklin-Wolf

In den neuen Ausgaben der beiden großen Weinführer Gault Millau und Vinum wird das Weingut Dr. Bürklin-Wolf in der Kategorie Weltklasse geführt. Und es gibt noch einen anderen Grund zu feiern für die Wachenheimer.

Wachenheim. Durch die Verleihung der fünften Traube gehört Bürklin-Wolf für den Gault Millau zu den 27 besten Weingütern Deutschlands. Noch enger ist die Weltklasse beim Vinum-Weinführer gefasst: Laut dessen neuen Ausgabe zählt Bürklin-Wolf zu den besten zwölf Betrieben in Deutschland.

Eine Säule der Weinphilosophie von Bettina Bürklin-von Guradze und ihrem Team feiert 2019 25. Jubiläum: die Klassifikation der Lagen und damit der Weine in Anlehnung an das burgundische Vorbild. Die Qualitätspyramide des Weinguts sieht vier Stufen vor: Gutswein, Ortswein, Erste Lage (Premier Cru) und Grand Cru. „Als ich mit meinem damaligen Mann 1990 das Weingut übernommen habe, war der Markt nicht offen für deutsche Weine, das Image war am Boden. Es bedurfte einer Neuorientierung“, erinnert sich Bettina Bürklin-von Guradze bei einer Verkostung für Fachjournalisten.

Vorbild Burgund

In den Folgejahren setzte das Weingut konsequent auf trockenen Riesling – und auf Qualität: die Erträge wurden reduziert, die Anbaufläche von 120 Hektar (1990) auf 85 Hektar verringert. Die Rieslinge wurden nach dem Vorbild Burgund klassifiziert. Für die Chefin des Weinguts ein naheliegender Schritt, denn die französische Region sei der Pfalz sowohl klimatisch als auch landschaftlich nicht unähnlich.

Doch vor allem produzieren die Winzer dort Weine von Weltruf – dieses Ziel verfolgte das Wachenheimer Weingut fortan mit seinen Rieslingen ebenfalls. Bei der Klassifizierung habe man sich auf eine Katasterkarte aus dem Jahr 1828 gestützt, erzählt Bettina Bürklin-von Guradze. Für die besten Lagen erhoben die königlich-bayrischen Behörden die höchsten Steuern. 1994 wurde der erste Grand Cru gefüllt – aus der Lage Ruppertsberger Reiterpfad. Die weiteren Mittelhaardter Spitzenlagen folgten. Mit der Umstellung auf Biodynamie, die 2005 begonnen und 2008 abgeschlossen wurde, fußt die Philosophie des Weinguts auf einer weiteren Säule. „Für uns ist der biodynamische Weinbau ein Gesichtspunkt der Qualität. Wir haben viel Anerkennung bekommen und werden auch in Zukunft keinen Funken von unserer Qualitätsphilosophie abrücken“, sagt Bürklin-von Guradze. Selbst wenn das bedeutet, dass es jahrgangsbedingt einmal keine Spitzengewächse geben sollte.

Bekenntnis zu reifem Riesling

Ein weiterer Baustein der Philosophie ist das Bekenntnis zu gereiften Rieslingen. „Es ist nicht selbstverständlich, dass wir hier Weine produzieren dürfen, die reifen sollen, die nicht sofort da, kein Blockbuster sind“, sagt Kellermeister Nicola Libelli, der 2012 in die Fußstapfen des plötzlich verstorbenen Kellermeister Fritz Knorr trat. Das Reifepotenzial der Spitzengewächse zeigte sich bei der Verkostung von sechs Weinen der Jahrgänge 1994 bis 2016 aus dem Ruppertsberger Reiterpfad: „So eine Vertikalverkostung ist wie eine Zeitreise“, sagt die Weinguts-Chefin. Mit dem Lesegut des Jahrgangs 2019 sei sie „total glücklich“. Kellermeister Libelli zeigte sich vor allem von der reifen Säure des Mosts angetan, die ihn an den Jahrgang 2008 erinnere.

Bettina Bürklin- von Guradze
Bettina Bürklin- von Guradze Foto: Franck
x