Kreis Bad Duerkheim
Vorräte gehen zur Neige
In solchen Zeiten sind Spenden mehr als eine schöne Geste. „Rührend, unglaublich, wie viel Zuspruch wir von extern bekommen haben“, freut sich Snezana Mosthof, Pflegedienstleiterin von „avendi mobil Vorderpfalz“. Dem ambulanten Pflegedienst fehlt es an Schutzkleidung, für Nachbestellungen wurden zum Teil Lieferzeiten von 16 Wochen genannt. Doch gibt es ringsum reichlich Spender, die das, was sie selbst zurzeit nicht unbedingt benötigen, an den Pflegedienst weitergeben.
Elf Spender aus den Bereichen Fußpflege, Bestattung, Tattoos, Bau und ein Weingut haben Handschuhe, Mundschutz, Desinfektionsmittel oder Schutzanzüge zur Verfügung gestellt. Sie ist begeistert, dass sie und ihre Mitarbeiter soviel Unterstützung von Firmen oder Einzelpersonen bekommen haben, mit denen sie eigentlich gar nichts zu tun haben. Pflegedienste und Altenheime werden nicht vorrangig beliefert wie Krankenhäuser oder Ärzte. Dabei brauchen sie ebenfalls Schutzausrüstung, denn die Kunden des Pflegedienstes gehören zu den Risikogruppen. Nun muss es eben manchmal auch der selbstgenähte Mundschutz sein.
Stippvisiten bei einsamen alten Menschen
Mittlerweile mache sich der Verzicht mancher Kunden auf kleinere oder weniger notwendige Hilfen aus Angst vor einer Ansteckung wirtschaftlich bemerkbar. Andere Kunden wiederum seien dankbar, dass der Pflegedienst sich jetzt besonders kümmert. „Wir machen immer mal wieder Stippvisiten“, erklärt Mosthof. Viele seien häufig recht einsam.
Auch bei der Christlichen Sozialstation läuft die Betreuung weiter wie gewünscht und notwendig. Hier werden ebenfalls die sogenannten niedrigschwelligen Angebote reduziert. Es sei allgemein eine große Verunsicherung zu spüren. „Es gibt auch am Telefon viel Gesprächsbedarf“, berichtet Pflegedienstleiter Detlev Schott. Mit Schutzkleidung sei die Sozialstation noch versorgt, allerdings schrumpfe der Vorrat. „Für die normale Prophylaxe reicht es noch eine Weile, aber wenn wir Corona-Fälle versorgen müssten, würde es schnell eng werden“, warnt er. Über eine Facebook-Sammelaktion hätten sie einige Handschuhe bekommen, die Bemühungen gingen weiter. Das Land habe versprochen zu helfen, aber noch habe es keine Zuteilung gegeben.
Ehrenamtliche nähen 300 Schutzmasken
Michaela Schmit und ihr Team vom Pflegedienst „sozialaktiv“ haben sich zwar frühzeitig mit Schutzmasken ausgerüstet, doch mittlerweile gehen auch hier die Vorräte langsam zur Neige. Da früh alle Mitarbeiter mit Mundschutz ausgerüstet wurden, sei bisher auch niemand ausgefallen, so Schmit. Eine Gruppe Ehrenamtlicher habe 300 Schutzmasken genäht, die sie jetzt an Pflegekräfte verteilen werden. Die Geschäftsführerin freut sich darüber sehr, schließlich würden diese Masken zumindest eine kleine, auch psychologische Hilfe sein. Ausreichende Schulungen und stets aktualisierte Anweisungen sollen auch den Mitarbeitern Sicherheit geben. Der Wegfall von vor allem hauswirtschaftlichen Leistungen macht sich auch bei „sozialaktiv“ bereits wirtschaftlich bemerkbar.
Der Pflegedienst von Monika Pauli in Gönnheim wartet sehnsüchtig auf die versprochene Lieferung der bestellten und schon bezahlten Schutzkleidung. „Noch ist ein bisschen Restbestand da, aber das reicht nicht mehr lange“, sagt Inhaberin Monika Pauli. Sie hätten einen eigenen Epidemieplan mit klaren Handlungsanweisungen für die Mitarbeiter erstellt, die Kunden wurden mit Merkblättern informiert. Weniger notwendige Arbeiten werden jetzt nach Möglichkeit von Angehörigen übernommen, wirtschaftliche Auswirkungen sind bei Pauli noch nicht zu spüren.
Hilfskräfte aus Osteuropa: Erste Probleme entstehen
Bereits am 24. März hatten Pflegeverbände auf den drohenden Engpass in der häuslichen Versorgung durch fehlende osteuropäische Betreuungskräfte hingewiesen. „Pflege Persönlich“ aus Freinsheim vermittelt solche häusliche Betreuung an knapp 50 Kunden in Rheinland-Pfalz. Alle Kunden seien noch in guten Händen, erklärt Inhaber Georg Leder. Noch sei keine Betreuungskraft früher nach Hause gereist. „Bis nach Ostern sind alle Pflegestellen sicher“, betont er. Was danach sei, könne er allerdings nicht sagen, das hänge auch davon ab, wie sich die Lage entwickelt. Sorgen macht ihm vor allem die sichere An-und Abreise der osteuropäischen Betreuungskräfte. „Auch die müssen heil und gesund hergebracht werden, schließlich sind unsere Kunden alles Risikopatienten“, erläutert Leder. Die großen Buslinien, mit denen die Hilfskräfte normalerweise kommen, fahren nicht mehr. Zwar gäbe es noch kleinere Busse, aber da immer ein Sitzplatz frei bleiben muss, würden die Kosten steigen. „Halbe Besatzung, doppelter Preis!“
Auch manche Kunden der ambulanten Dienste werden von einer solchen Betreuungskraft versorgt. Pflegedienstleiter Detlev Schott erzählt, dass alle Hilfsbedürftigen, deren Betreuerinnen abgereist sind, in der Kurzzeitpflege untergekommen sind. Mosthof weiß von Fällen, in denen die Betreuungskräfte jetzt länger bleiben, um die Kunden nicht alleine zu lassen. Und Michaela Schmit berichtet von einem Fall, bei dem die Betreuungskraft „von heute auf morgen getürmt ist“. Drei bis viermal am Tag sei dann eine Mitarbeiterin dort vorbeigefahren, mittlerweile habe jemand aus der Familie die Pflege übernommen.