Dahn / Trippstadt / St. Martin RHEINPFALZ Plus Artikel Vordpfälzer auf Spendenmarsch: Brunnen für den Kongo

Brunnenszene: Die Frauen im Kongo müssen weite Strecken zurücklegen, um an frisches Wasser zu kommen. Auch daran soll der Marsch
Brunnenszene: Die Frauen im Kongo müssen weite Strecken zurücklegen, um an frisches Wasser zu kommen. Auch daran soll der Marsch erinnern. Schwere Wasserbehälter tragen die beiden Pfälzer Wanderer dabei aber nicht auf dem Kopf.

Die Vorderpfälzer Michael Gies und Torsten Braun vom Verein Keep Smiling starten heute einen sechstägigen Marsch durch die Pfalz – 200 Kilometer lang, vorbei an 50 natürlichen Brunnen. Sie nennen ihn „Wasser marsch!“ und sammeln Geld für ein Brunnenbohrprojekt im Kongo. Von Jürgen Mathäß

Pfarrer Constantin Panu aus Landau breitet die Arme aus, sagt „Keep Smiling wird der Retter sein“, und lacht. Das ist ein bisschen spaßig gemeint, aber längst nicht nur. Vor zwei Wochen gab die einzige Trinkwasserpumpe des Vereins Budikadidi in seiner Heimat, dem Kongo, den Geist auf. Anderes gutes Trinkwasser gibt es nur weit weg. Die Frauen aus den umliegenden Hütten seien verzweifelt, sagt Panu.

Sauberes Wasser verhindert Krankheiten. Gäbe es mehrere Brunnen, könnte so ein Ausfall auch mal verschmerzt werden. Außerdem müssten Zigtausende Menschen mit gutem Wasser versorgt werden. Viele Brunnen müssen her. Der kleine Pfälzer Verein Keep Smiling will das anpacken. Ab Sonntag laufen zwei seiner Mitglieder in sechs Wanderetappen 200 Kilometer durch den Pfälzerwald, um ihr Projekt bekannt zu machen.

Der Großfischlinger Torsten Braun und einige Freunde gründeten 2013 den gemeinnützigen Verein Keep Smiling. Nach einer ersten Hilfsaktion für die Opfer des Taifuns Haiyan auf den Philippinen begegnete Braun zufällig bei der Taufe seiner Nichte dem Landauer Pfarrer Panu. Der erzählte ihm von seiner Heimat, der Demokratischen Republik Kongo, und vom Verein Budikadidi, den er und befreundete Priester als Privatinitiative in der 500.000-Einwohner-Stadt Tshikapa gegründet haben.

Es fehlt am Nötigsten

Der Verein führt mehrere Schulen, eine Drogerie, eine zwölf Hektar große Agrarkooperative und hat erreicht, dass ein erster Trinkwasserbrunnen gebohrt wurde. „Als das erste Wasser lief, haben die Menschen getanzt. Es war ein Fest“, erzählt Panu. „Das Bohrgerät hat für die 250 Kilometer zu uns fast einen Monat gebraucht.“ Jetzt ist es natürlich wieder weg.

Nicht nur die Verkehrsinfrastruktur des afrikanischen Staates liegt im Argen. Kongo mit über 87 Millionen Einwohnern ist eines der ärmsten Länder der Erde. Das in Kaufkraftparität umgerechnete Bruttoinlandsprodukt, ein Wohlstandsmaßstab, beträgt im Jahr kaum 1000 Dollar pro Kopf – in Deutschland sind es 54.000 Dollar. Es fehlt der bitterarmen Bevölkerung am Nötigsten: Transportwege, Wasserversorgung und Gesundheitswesen sind desolat, die Korruption auf allen Ebenen gravierend.

Pfarrer Panu hat es selbst erlebt: Sogar in den staatlichen Schulen erhält gute Noten, wer den Lehrern etwas zustecken oder andere Gunst bieten kann. Zukunftspläne zur Verbesserung der persönlichen Situation können die meisten Familien kaum entwickeln, weil sie mit dem täglichen Überleben beschäftigt sind.

Hilfe zur Selbsthilfe

Als sich Panu und Braun begegneten, hatte ein Unwetter zwei Schulen schwer beschädigt. Damit war das zweite Keep-Smiling-Projekt geboren: Ausbau einer Schule. Braun kann stundenlang erzählen, wie er mit dem gesammelten Spendengeld in der Tasche vor drei Jahren auf eigene Kosten in den Kongo reiste und nach einem abenteuerlichen Transport über schier unzugängliche Straßen in Tshikapa ankam.

Dort half er eigenhändig beim Bau. Dabei bestätigte sich, dass Budikadidi und Keep Smiling ähnliche Vorstellungen von Entwicklung haben: Hilfe kann nicht bedeuten, den Menschen fertige Waren in ihr Wohnviertel zu stellen. Die Betroffenen müssen beteiligt werden. Sie sollen Möglichkeiten erhalten, ihre Zukunft selbst zu gestalten – Hilfe zur Selbsthilfe. Also wurde für das Schulprojekt möglichst alles direkt vor Ort hergestellt, von Backsteinen angefangen bis zu Schulbänken aus Holz.

Mit der Arbeit entsteht Selbstbewusstsein. Was man selbst herstellt, darauf passt man besser auf, ist eine weitere Erfahrung, die Budikadidi gemacht hat. Budikadidi heißt folgerichtig „Schule der Selbstständigkeit“. Es ist ein Entwicklungshilfekonzept, das Schule machen sollte, findet Braun, denn am Willen oder Können der Menschen vor Ort fehle es nicht: „Es gibt ganz tolle Handwerker. Für einen Traktoranhänger waren keine passenden Reifen zu bekommen. Da haben die Leute die Felgen so zurecht geschweißt, dass ganz andere Reifen darauf gepasst haben. Eine sagenhafte Leistung.“

Dramatische Trinkwassersituation

Vor Ort wurde Torsten Braun auch auf die dramatische Trinkwassersituation aufmerksam. Damit war das nächste Projekt anvisiert: nicht nur einen Brunnen bohren zu lassen, sondern Budikadidi ein komplettes Equipment zur Brunnenbohrung zur Verfügung zu stellen, das immer wieder verwendet werden kann und dessen Bohrungen sich selbst weiterfinanzieren.

Eine andere Erfahrung des Vereins Budikadidi ist nämlich, dass die Dinge – Schule, Drogeriewaren, Wasser – wertgeschätzt werden, wenn sie auch etwas kosten. Nicht viel, umgerechnet 5 Cent für 25 Liter Wasser. Aber eben doch so viel, dass das lebenswichtige Wasser nicht vergeudet wird. Mit den kleinen Einnahmen können nach und nach mehr Brunnen gebohrt werden, so die Idee.

Jetzt aber geht es um den Anfang, den Kauf der Geräte, die ersten Brunnen. Keep Smiling hat Bettelbriefe an Firmen verschickt, Spendendinner mit Versteigerungen für die Aktion veranstaltet und schon viele Pfälzer vom Nutzen des Projekts überzeugen können. Im Hintergrund wurde organisiert, geplant, wurden Angebote verglichen. Vom ursprünglichen Plan, eine gebrauchte Brunnenbohrmaschine nach Tshikapa zu bringen, hat ein großer deutscher Hersteller dringend abgeraten. Keep Smiling solle lieber ein in Afrika bewährtes, robustes, nicht zu finessenreiches Gerät anschaffen, das er selbst aber nicht anbieten könne.

Dadurch kam der Kontakt zu dem thailändischen Hersteller Pat-Drill zustande, dessen Brunnenbohrgeräte in vielen ostafrikanischen Ländern erfolgreich im Einsatz sind. Das Konzept steht. Der Verein hat ein konkretes Angebot für einen großen Container mit Brunnenbohrgerät, kompletter Ausrüstung und Ersatzmaterialien für circa 15 Brunnen (ohne Pumpen und Solartechnik). Da der Transport extrem teuer ist, ist es sinnvoll, so viel wie möglich in den Container zu packen, was aber die Startkosten erhöht.

40.000 Euro fehlen

Alles in allem kosten Anschaffungen und Transport 135.000 Euro. 95.000 Euro hat der Verein schon gesammelt. Fehlen also 40.000. Woher nehmen, wenn davon auszugehen ist, dass die bisherigen Spender nicht ohne Weiteres eine Schippe drauflegen?

Der Einfall, den Torsten Braun und Michael Gies bei einer Flasche Wein hatten, mag ein bisschen verrückt sein, hat aber Symbolcharakter. Wie wäre es, wenn man mit einem Wassermarsch in der Pfalz auf das fehlende Wasser im Kongo aufmerksam machen würde? Nach einer weiteren Flasche – sagen wir: an einem anderen Tag – war der Plan für „Wasser marsch!“ fertig.

Die beiden Smileys werden an sechs Tagen, von heute bis Freitag, insgesamt 200 Kilometer durch die Pfalz marschieren. Dabei werden sie sich nur an den 50 natürlichen Brunnen mit Trinkwasser bedienen, an denen sie vorbeikommen. Sie werden privat oder manchmal draußen übernachten. Die beachtliche Strecke von mehr als 30 Kilometern pro Tag soll auch daran erinnern, dass die Menschen im Kongo weite Strecken laufen müssen, um an Wasser zu kommen.

Mehr Geld heißt mehr Brunnen

200 Kilometer für 40.000 Euro. Das lässt sich gut teilen. Pro Kilometer 200 Euro. Wer helfen will, damit das fehlende Geld zusammenkommt, kann eine beliebige Strecke spenden: einen halben Kilometer (100 Euro), zwei ganze (400 Euro), 100 Meter (40 Euro) oder irgendetwas dazwischen.

Wer verfolgen will, was die Marschierer unterwegs alles erleben, kann dies im Nachrichtenblog auf der Keep-Smiling-Webseite nachlesen. Dort wird auch täglich mitgeteilt, wie viele Kilometer bereits finanziert sind, sprich: wie viel noch fehlt, bis die benötigten 40.000 Euro erreicht sind.

Was passiert, wenn mehr Geld eingeht? Ganz einfach: Dann werden mehr Brunnen gebaut. Denn eines ist klar: Die Macher und Helfer von Keep Smiling arbeiten ehrenamtlich. Sie erhalten keinen einzigen Euro. Es werden keinerlei Verwaltungskosten abgerechnet. Die Einnahmen gehen zu 100 Prozent direkt in das Projekt vor Ort.

Torsten Braun und Michael Gies sind jedenfalls gespannt, ob sich ihr „Wasser marsch!“ lohnt. Am Montag früh werfen sie erstmals einen Blick auf das Spendenkonto.

Die Route

Der „Wasser marsch!“ beginnt am Sonntag, 20. Juni, im elsässischen Wissembourg und endet am Freitag, 25. Juni, in Sankt Martin. Er führt an 50 natürlichen Brunnen vorbei. Die Wanderer Torsten Braun und Michael Gies haben feste Zeiten eingeplant, zu denen sie angetroffen werden können:

Sonntag: Start in Wissembourg

14.30 Uhr Brunnen Erlenbach

16.30 Uhr Brunnen Busenberg

Montag: Wanderung ab Reichenbach (Dahn)

13.30 Uhr Forsthaus Beckenhof

18 Uhr Rodalben, Hauptstraße 114

Dienstag: Wanderung ab Rodalben

17.30 Uhr Haus der Nachhaltigkeit

Mittwoch: Wanderung ab Johanniskreuz

13.30 Uhr Schopp Radrennbahn

17 Uhr Krickenbach, Rathaus

Donnerstag: Wanderung ab Krickenbach

14 Uhr Waldleiningen, Wildschweinbrunnen

18 Uhr Esthal, Gemeindeplatz

Freitag: Wanderung ab Esthal

14 Uhr Neustadt, Marktplatz

19 Uhr St. Martin, Weingut Altes Schlößchen

Der Verein

Torsten Braun und Michael Gies führen während der Wanderung einen Blog auf www.keep-smiling.org. Die Spendenkonto-Nummer des Vereins lautet: DE16 5489 1300 0052 1500 00.

Rucksäcke packen: Torsten Braun (links oben) und Michael Gies bereiten sich auf den Gewaltmarsch vor.
Rucksäcke packen: Torsten Braun (links oben) und Michael Gies bereiten sich auf den Gewaltmarsch vor.
Engagiert: Der Landauer Pfarrer Constantin Panu stammt aus dem Kongo, wo er den Verein Budikadidi mitgegründet hat. Der soll bal
Engagiert: Der Landauer Pfarrer Constantin Panu stammt aus dem Kongo, wo er den Verein Budikadidi mitgegründet hat. Der soll bald Brunnen bohren können.
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