Kreis Bad Duerkheim Vor lauter Leidenschaft reißen sogar die Saiten

In diesem Jahr ist der Badehaiselverein einer der Gastgeber des deutsch-russischen Kulturaustauschprojekts Quattrologe 20plus. So kamen die Wachenheimer am Freitagabend in der Ludwigskapelle in den Genuss, mit dem Rachmaninov Quartett aus Sochi Kammermusik russischer Komponisten zu erleben.
Das Quartett ist in wechselnder Besetzung seit Jahren in Europa unterwegs und war schon in vielen berühmten Konzerthäusern zu Gast. Alle sind herausragende Künstler, die in der Tradition der russischen Schule spielen, aber ihr Repertoire modern interpretieren. In Wachenheim gastierte das Quartett mit Misha Tisarevsky (erste Violine), Alexey Petrovsky (zweite Violine), Sergey Tsedrik (Viola) und Vladimir Shokhov (Cello). Für den Beginn hatten die Musiker Tschaikowskys drittes Streichquartett es-Moll op. 30 ausgewählt, das 1876 entstand und das der Komponist unter dem Eindruck des Todes seines Freunds, des Geigers Ferdinand Laub, schrieb. Schmerz, Trauer und Wehmut kommen darin deutlich zum Ausdruck. Im dritten Satz steigert sich die Musik zu einem wahren Trauermarsch, der im Finale von einem Sonatensatz-Rondo abgelöst wurde. Dabei strich Mischa Tisarevsky die Geige so leidenschaftlich, dass eine Saite riss. Der Defekt wurde rasch behoben und der Vortrag nahtlos fortgesetzt. Ein Vorfall, der sich im Laufe des Konzerts noch zweimal wiederholen sollte, auf den das Publikum jedoch verständnisvoll reagierte. Schon Kinder kennen den Namen Sergej Prokofjew als Komponist des musikalischen Märchens „Peter und der Wolf“, doch an diesem Abend stellte das Quartett den russischen Komponisten als Klassiker der Moderne vor. Sein Streichquartett Nr. 2 F-Dur op. 92 von 1941 über karbadinische Themen ist ein fremdartig klingendes Werk. In einigen Passagen werden volkstümliche kaukasische Saiteninstrumente durch Klangeffekte imitiert und die Schlaginstrumente durch trocken klopfende Pizzicati dargestellt. Prokofjews „moderne Linie“ zeigt mitunter eine gewagte Harmonik, Dissonanzen und ungewohnte Akkordkombinationen. In seinen jungen Jahren komponierte Sergei Rachmaninov ein Streichquartett, das mit zwei Sätzen unvollendet blieb. Hier kommt phasenweise die Melancholie zum Vorschein. Im „Romance“ betitelten ersten Satz des Quartetts Nr. 1 wird dies besonders deutlich. Rachmaninov ist vor allem für seine Klavierkonzerte berühmt, die zu den bekanntesten der Romantik zählen, denn er war einer der letzten, der nicht nur komponierte, sondern gleichzeitig auch ein bedeutender Klaviervirtuose war. Alexander Borodin wurde als Komponist für seine von russischer Volksmusik geprägten Werke bekannt. Er war zugleich Wissenschaftler und lernte bei seiner weiteren Ausbildung nach der Promotion in Medizin in Heidelberg seine Frau kennen, die eine große Musikliebhaberin war. Ihr widmete er das 2. Streichquartett, in dem die russische Melodik bestimmend ist. Dazu trägt das Cello bei, das Borodin selbst ausgezeichnet spielte. Das ausdrucksstarke Notturno wurde so zum beliebtesten Satz des Werkes und fand auch in Wachenheim beim Publikum großen Anklang. |dox