Nachgeschenkt RHEINPFALZ Plus Artikel Von einem Wachenheimer Koch und einem Kallstadter Zaun

Sein Leben lang blieb Seppl Bindert „der Olympiakoch“.
Sein Leben lang blieb Seppl Bindert »der Olympiakoch«.

Wachenheimer kocht für Weltspitze

Die Olympischen Spiele in Tokio sind gestartet – jemand aus dem Verbreitungsgebiet der Dürkheimer RHEINPFALZ-Ausgabe ist nicht dabei. Ganz anders sah das bei den Sommerspielen 1964 in Tokio aus. Damals guckten die Menschen aus Dürkheim und Umgebung mit einem besonderen Blick nach Japan. Denn einer von ihnen war dabei: Josef Bindert aus Wachenheim. Der stämmig gebaute Mittvierziger war kein Leichtathlet, Schwimmer oder Ruderer. Er kämpfte nicht auf der Matte oder mit dem Degen. Seine Fähigkeit dürfte aber am Olympia-Erfolg ihren Anteil gehabt haben– immerhin gab’s 50 Medaillen für die damals gesamtdeutsche Mannschaft. Bindert, genannt Seppl, hat die 337 Athleten (plus Betreuer) nämlich bekocht.

Damit nicht genug: Der Wirt der Hausgaststätte der Winzergenossenschaft Wachtenburg-Luginsland war auch 1958 und 1962 Chefkoch der deutschen Fußballnationalmannschaft bei den Weltmeisterschaften in Schweden und Chile. Bei Olympia war er nicht nur 1964 in Tokio, sondern auch 1968 in Mexiko, 1972 in München und Sapporo sowie 1976 in Montreal fürs Essen verantwortlich.

In einem entzückenden Interview von 1964, das in der ARD-Mediathek zu finden ist, ist der Koch in seinem Gasthaus „Luginsland“ zu sehen, wie er vor seiner aufregenden Reise nach Tokio (geflogen wird über den Nordpol) von seinen Vorbereitungen erzählt. „Hänn Sie a für en astännige Ersatz gesorgt?“, wird er von einem Stammgast besorgt gefragt. Bindert bejaht. Ein ehemaliger Lehrbub werde für das leibliche Wohl der Wachenheimer sorgen, während er sich kümmert, dass es den Deutschen in Japan schmeckt. Er werde die Speisen „so bereiten, dass sie für uns bekömmlich sind“, sagt der gebürtige Mannheimer, der vom DFB an das Nationale Olympische Komitee empfohlen wurde und fürs Fernsehen auch mal das Tranchiermesser wetzt – eine Szenerie wie aus einem Wirtschaftswunderfilm mit Heinz Erhard.

Herrliche Anekdoten erzählte Bindert RHEINPFALZ-Sportreporter Heinrich Breyer 1968 nach seinem „schwersten Tag“ der Mexiko-Spiele. Da waren ihm gerade einige Hilfskräfte weggelaufen, außerdem hatte ihm eine verbliebene Kraft mit kochendem Wasser den linken Handrücken verbrannt. Unwägbarkeiten, die der Koch ja noch irgendwie hätte ertragen können, erzählt der Gebeutelte am Abend dem Reporter. Dass aber sein Kochhut nicht gestärkt worden sei. Dass dieser nicht aufrecht stehe, sondern schlapp an den Ohren herunterhinge. „Das ist doch entsetzlich“, erzählt der Olympiakoch.

„Unser Olympiakoch“ blieb er bis zu seinem Tod 1988, keine Erwähnung seines Namens ohne diesen Ehrenzusatz, den er seit 1964 trug. Seit den Olympischen Spielen in Tokio.

Rot vor Zorn wegen grünem Zaun

Ein etwa 1,50 Meter hoher, grüner Stahlstabgitterzaun hat Mitgliedern des Gemeinderats Kallstadt diese Woche die Zornesröte ins Gesicht getrieben. Der Besitzer des Stahlgitterstabzauns hatte mit Umbauten den Unmut der Räte auf sich gezogen. Als Ausgleich dafür hatte der Kreis angeordnet, dass der Kallstadter eine „terrassierte Streuobstwiese mit 17 alten lokalen Obstbäumen“ anlegen muss.

Um diese Wiese hat der Besitzer im vergangenen Jahr den Zaun errichtet, ohne zu fragen, ob er das darf. Darf er nicht, denn dieser steht im Außenbereich, so der Rat, als nachträglich eine Genehmigung beantragt wurde. Da die Räte schon einmal dabei waren, haben sie Bäume gezählt. Statt 17 konnten sie nur sechs finden. Die Bäume müssen her, der Zaun muss weg, hieß es im Dezember 2020.

Im März stand der Zaun wieder auf der Tagesordnung. Der Kreis teilte mit, dass inzwischen ordentlich 17 Obstbäume auf dem Gelände stehen würden. Der Kallstadter argumentierte, er habe den Zaun errichtet, weil die Bäume Anziehungspunkte für Wildschweine seien, was den Pflanzen nicht gut bekomme. Die beim Kreis angesiedelte Untere Naturschutzbehörde hatte nichts gegen den Zaun. Das hätte für die Räte ein Signal sein können, ihren Frieden zu machen. Doch die blieben bei Nein. Und waren ziemlich sauer, als der Zaun wieder auf der Tagesordnung stand. Der Kreis hatte als Kompromiss vorgeschlagen, dass der Zaun fünf Jahre stehen bleiben darf, damit die jungen Bäume gegen Wildverbiss geschützt sind. Bis auf einen blieben alle beim Nein.

Das Thema Zaun ist damit nicht beendet. Der Kreis prüft nun, ob er die Zustimmung der Gemeinde ersetzen und die Genehmigung erteilen kann. Wenn er das tut, kann Kallstadt Widerspruch einlegen und wenn der keinen Erfolg hat, klagen. Wenn es keine Baugenehmigung für den Zaun gibt, kann der Besitzer Widerspruch einlegen und gegebenenfalls klagen. Vielleicht muss sich irgendwann das Oberverwaltungsgericht mit dem grünen Stahlstabgitterzaun beschäftigen. Der darf jedenfalls stehen bleiben, bis endgültig über sein Schicksal entschieden ist.

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