Garagengold RHEINPFALZ Plus Artikel Volvo Amazon, Bj. 1965: „Oma“ mit hohem Sympathiefaktor

Der Amazon von Harald Schade war der letzte Volvo mit Ponton-Karosserie. Die folgenden Baureihen orientierten sich am sogenannte
Der Amazon von Harald Schade war der letzte Volvo mit Ponton-Karosserie. Die folgenden Baureihen orientierten sich am sogenannten »Boxiness«-Design.

Wenn Harald Schade mit seiner „Frida“ unterwegs ist, zaubert das Duo vielen Passanten ein Lächeln ins Gesicht. Die alte Dame mit dem hohen Sympathiefaktor hätte einst nach einem winterlichen Ausflug in den Straßengraben fast als Ersatzteillager geendet – heute erfreut sie sich wieder bester Gesundheit. Und empfiehlt sich als Einstiegsmodell für Oldtimerfreunde.

„Frida“ ist ein Volvo und hat ihren Namen von einer der beiden Sängerinnen des schwedischen Pop-Quartetts Abba. Ausgeschrieben heißt sie allerdings P 122 S , und allgemein bekannt ist sie unter dem Namen Amazon. Und das keineswegs, weil man sie in ihrem Geburtsjahr 1965 auf dem gleichnamigen Portal im Internet hätte bestellen können – das harrte seinerzeit noch seiner Geburt, obwohl Jeff Bezos da zumindest theoretisch schon krabbeln konnte.

Dass der Amazon außerhalb Schwedens als Baureihe 120/130 vermarktet wurde, hatte vielmehr namensrechtliche Gründe. Der deutsche Zweiradhersteller Kreidler vertrieb seinerzeit ein Moped namens „Amazone“ . Volvo ruderte im Hinblick auf die Bezeichnung zurück, setzte mit der Mittelklasse aber trotzdem technische Maßstäbe und legte mit dem Amazon – der Spitzname setzte sich nämlich trotzdem auch außerhalb Skandinaviens durch – den Grundstein für seinen Ruf als Hersteller besonders sicherer Automobile.

Von 1961 bis 1970 produziert

Die selbsttragende Karosserie war eine Neukonstruktion und sollte sich gegen die damals noch üblichen Leiterrahmen durchsetzen und der Wagen war als erstes Auto überhaupt serienmäßig mit Dreipunkt-Sicherheitsgurten ausgestattet. Produziert wurde der Amazon von 1961 bis 1970 immerhin über 650.000 Mal, mit einem Exportanteil von rund 60 Prozent erschloss er für den schwedischen Hersteller nicht nur die wichtigen europäischen Märkte, sondern auch die USA.

Unter der mächtigen Haube von „Frida“ werkelt ein Vierzylinder mit 1,8 Liter Hubraum und Doppelvergaser. 80 PS leistet der laut Schade „schnellste Traktormotor der Welt“, der mit einem Leergewicht von knapp über einer Tonne zurechtkommen muss. Zwar hat der Volvo schon Scheibenbremsen vorne, allerdings im Gegensatz zu späteren Fahrzeugen noch ein Einkreisbremssystem. Das bedeutet, dass es keinen zweiten Bremskreis für den Notfall gibt. „Wenn man einschlägt, schlägt man ein“, sagt Schade. Spendiert hat er einer Frida allerdings einen Bremskraftverstärker – trotzdem erfordert die schwedische Oma insgesamt beherztes Zupacken bei der Probefahrt entlang des Haardtrands.

Die Servolenkung vermisst man nicht

Wenn sie allerdings erst einmal rollt, vermisst man keine Servolenkung, erfreut sich anstelle einer Stereoanlage am satten Klang des Auspuffs und vergisst angesichts neu aufgepolsterter Sessel das Stichwort „Seitenhalt“: Der Vierzylinder sorgt dank satten Drehmoments für zügiges Fortkommen, richtige Querbeschleunigung mag man der alten Dame aber nicht mehr zumuten.

Schade hat Frida auf der Suche nach einem anderen Volvo entdeckt. Eigentlich wollte er einen P1800 – den zweiten Versuch der Schweden, auf dem Sportwagenmarkt zu reüssieren – als ein Bekannter ihn 1992 auf den Amazon aufmerksam machte. Dessen Vorbesitzer hatte ihn komplett zerlegt und neu aufgebaut, war dann aber bei Glatteis in den Graben gerutscht, was eine reichlich zerbeulte Beifahrerseite zur Folge hatte. „Teile kann man immer brauchen“, dachte sich Schade angesichts des gut erhaltenen Rests, kam dann ein Jahr später an Original-Frontschürze und Kotflügel und gönnte dem Wagen dann 1995 eine neue Lackierung.

Mangels Zeit stand der Volvo dann trotzdem bis 2017 in einer Halle, bevor Schade Motor und Vorderachse komplett überholte und 2018 die H-Kennzeichen an den Wagen schraubte. Umgerüstet auf den Betrieb mit bleifreiem Sprit hat er seitdem etwa 5000 Kilometer mit dem Amazon abgespult, ist begeistert von der Alltagstauglichkeit des Autos. „Die Ersatzteillage ist gut, und wenn es wirklich mal hakt, kann man ja noch bei Bekannten nachfragen“, sagt er zu dem Netzwerk der Oldtimerfreunde im Automobilclub Maikammer, wo er sich regelmäßig mit Gleichgesinnten trifft.

Robuste Technik, kaum Elektronik

Dank der robusten Technik und dem fast kompletten Verzicht auf elektronische Bauteile – gerade mal vier Sicherungen im Sicherungskasten – reiche es in der Regel, sich reinzusetzen und den Zündschlüssel zu drehen, um etwas Spaß zu haben. Damit der nicht von einer leeren Batterie getrübt wird, hat Schade einen Trennschalter am Minuspol montiert, den er bei Ausflügen mit Übernachtung einfach abschraubt und damit auch als günstige Diebstahlsicherung nutzen kann.

Zwischen zehn und elf Liter Super plus lässt sich Frida auf 100 Kilometer schmecken, und wenn es etwas zu transportieren gibt, staunt man ob des sich unter dem hübsch gewölbten Deckel auftuenden Gewölbes, das der Beifahrerin die Mitnahme von weitaus mehr als nur der 100 Paar Lieblingsschuhe ermöglicht.

Dass der TÜV Schade dereinst von seinem Amazon trennt, befürchtet er nicht: „Das ist robuste Technik, da passiert nix“, ist er sicher.

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Die Serie

Auch wenn Individualmobilität immer mehr in den Ruch des Teufelswerks gerät – noch immer lassen Autos so manches Herz höherschlagen. Jenen Jugendträumen, die sich noch heute im Straßenbild finden, ist diese Serie gewidmet. Sie weckt Erinnerungen an Zeiten, in denen man noch ohne Navi ans Ziel kommen musste – und zumeist auch kam.

Nardi-Holzlenkrad ist zwar nicht original, passt aber gut zum Stil des Wagens. Eingetragen ist es auch.
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Der Doppelvergaser entlockt der 1,8-Liter-Maschine 80 PS.
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