Kreis Bad Duerkheim Virtuoser Meisterdieb

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Er ist ein exzellenter Taschendieb und praktiziert sein Handwerk fast jeden Tag, aber ein Krimineller ist er nicht. Kenny Quinn (51), Däne, steht noch bis Sonntag jeden Tag zweimal in der Manege des Landauer Weihnachtscircusses und nimmt aus dem Publikum ins Rampenlicht geholten Zuschauern Geldbeutel und Brieftaschen, Armbanduhren und Hosengürtel, Schlipse und Brillen weg, ohne dass sie es merken.

Kenny Quinn, der zum zweiten Mal in Landau gastiert, hat die Kunst des Taschendiebstahls zur Virtuosität entwickelt – mit dem für die Bestohlenen entscheidenden Vorteil, dass er seine Beute zurückgibt. Auf der Welt gibt es, wie er selbst sagt, nur ein halbes Dutzend Kollegen, die ähnlich arbeiten. Der „Grandseigneur der ehrlichen Taschendiebe“, wie er von vielen respektvoll bezeichnet wird, verdient seit mittlerweile gut 30 Jahren sein Geld mit dem „Klauen“: egal ob in Zirkuszelten oder auf Varieté-Bühnen in ganz Europa. Da drängt sich geradezu die Frage auf, ob er nicht schon längst ein reicher Mann wäre, wenn er seine Beute nicht auf Heller und Pfennig an seine Opfer zurückgeben würde. „Ich wäre in diesem Fall Millionär“, sagt Quinn und lacht. Wie er überhaupt zum Zaubern gekommen ist? Wahrscheinlich so, wie viele andere auch. Denn bei Quinn weckt ein Zauberkasten in jungen Jahren das Interesse für die Kunst der Illusion. Als er 17 Jahre alt ist, lernt er den Taschendieb „Gentleman Jack“ kennen, der ihn in sein Metier einführt und ihm in zwei Jahren alle gut gehüteten Geheimnisse der Illusion offenbart. Mitte der 80er-Jahre tritt Quinn dann erstmals auf. Seitdem tingelt er durch die Welt und ist auch immer wieder im Fernsehen zu sehen. Und sein Geheimnis? Frechheit, Fingerfertigkeit und Redegewandtheit. Das seien die entscheidenden Qualitäten für einen tüchtigen Taschendieb, erklärt Quinn. Die Ablenkung des Opfers ist dabei besonders wichtig. Dann braucht er nur zehn bis 15 Sekunden, um ihm das Portemonnaie zu entwenden. Einmal hat der Meisterdieb einem Mann ein kleines Etui aus der Jacke geklaut, in dem sich Schmucksteine von hohem Wert befanden. Ein anderes Mal nahm er einem Sicherheitsbeamten unbemerkt die Waffe weg. Was nimmt er in der Manege oder auf der Bühne so an sich? „Alles, was bei meinem Gegenüber lose am Leib ist.“ Zugegeben, jede Vorstellung sei für ihn eine Art Premiere. Auf jedes Gegenüber, jedes neue Opfer, müsse er sich erneut einstellen. Wenn Quinn nicht vor Publikum steht, schult er Polizei- und Sicherheitsbeamte sowie Detektive. Da er alle Tricks kennt, gibt er sein Wissen gerne weiter, „damit meinen kriminellen Kollegen auf den Straßen und Gassen das Handwerk erschwert wird“. Im Gegensatz zu den Profis ohne weiße Weste muss er mit dem Handicap arbeiten, „dass alle Beteiligten im Voraus wissen, was ich im Schilde führe und besonders wachsam sind“. Dass Quinn trotzdem immer erfolgreich ist, spricht für ihn. In Landau hat Kenny Quinn seine Frau Joan, die ihn in der Manege als Assistentin unterstützt, und seinen zehnjährigen Sohn Jack dabei. Gemeinsam reisen sie nach ihrem Gastspiel weiter in ein Varieté in Vorarlberg, bevor in Kopenhagen etwas ausgespannt wird. Info Landauer Weihnachtscircus jeweils 15 und 19 Uhr bis 8. Januar, Karten täglich von 10 bis 15 Uhr unter Tel. 0174/ 8098080

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