Kreis Bad Duerkheim Virtuose Kammermusik
Kammermusik für Flöte und Streicher ist beim Adventskonzert der „Wachenheimer Serenade“ in der protestantischen Kirche Wachenheim erklungen. Mochte da vielleicht manch Zuhörer einen feierlichen Trompetenschall und besinnlichen Gesang als unabdingbar weihnachtlich vermissen, so war es doch ein der Adventszeit würdiges Konzert. Denn das Ardinghello-Ensemble spielte vor allem Werke der Wiener Klassik und sorgte für lauter schöne, heiter-entspannte, so recht auf das Fest des Friedens einstimmende Töne.
Den Namen „Ardinghello“ hat sich das vierköpfige Ensemble nach einem Romanhelden gegeben, genauer gesagt der Titelfigur des gleichnamigen Romans des deutschen Dichters Wilhelm Heinse. Ardinghello ist ein Künstler, der sich mit der Betonung einer ungebundenen und ganz dem Gefühl hingegebenen Lebensweise von dem auf Zucht und Maß bedachten klassischen Ideal abwendet und dadurch quasi zum ersten Romantiker wird. Und so fühlt sich auch das Ardinghello-Ensemble ganz der Romantik verpflichtet, widmet sich der weithin nur wenig bekannten Kammermusik für Flöte und Streicher dieser Epoche, um sie so wieder lebendig werden zu lassen. In Wachenheim griff das Quartett jedoch ganz auf die Musik der Klassik zurück, aber auch das beherrschen die vier hervorragend: Warm, ausdrucksvoll und harmonisch musizieren die Streicher Annette Rehberger (Violine), Sebastian Wohlfahrt (Viola), und Ursula Kaiser (Violoncello), allen voran steht jedoch der Flötist Karl Kaiser, der hier die Traversflöte spielt, also die Vorgängerin der klassischen Querflöte. Kaiser ist ausgewiesener Spezialist auf diesem Instrument, hat dafür zwei Professuren an den Musikhochschulen Frankfurt und Freiburg. Und so spielt er nicht nur sehr virtuos, sondern produziert auch durchweg klangschöne, mal silbrige, mal bronzen glänzende Töne und ergänzt sich bestens mit seinen Mitstreitern. Das wurde schon beim ersten Stück des Abends deutlich, Wolfgang Amadeus Mozarts ursprünglich mit Oboe als Soloinstrument konzipiertem Quartett G-Dur KV 370. Eine durchaus gewichtige Komposition, bei der in der Wiedergabe der „Ardinghellos“ das kammermusikalische Geflecht der Stimmen stets mustergültig durchhörbar war. Mozart bildete auch den Abschluss des Konzerts, sein in Mannheim entstandenes (originales) Flötenquartett D-Dur KV 285, das sich leichter und spielerischer gibt und hier auch lebendig und graziös gespielt wurde. Joseph Haydns Dienstherr Fürst Esterhazy spielte das Baryton, ein schon lange aus der Mode gekommenes Instrumentenunikum, eine Art Gambe mit Resonanzsaiten. Haydn hat dafür mehr als 100 Trios für Bratsche und Cello geschrieben, die viel zu wertvoll sind, um vergessen zu werden und deshalb schon früh für andere Instrumente bearbeitet wurden. Ein hier aufgeführtes Trio D-Dur zeigte sich als reizvolles Stück voller origineller Gedanken. So richtig dem galanten Stil verpflichtet ist das Quartett D-Dur op. 19, Nr. 2 von Johann Christian Bach, dem jüngsten Bach-Sohn. Als Beispiel für die Spätzeit der Klassik präsentierte das Ardinghello-Ensemble einen noch aus der Jugendzeit stammenden Triosatz für Streicher in B-Dur DV 471 von Franz Schubert. Wie bei den anderen Kompositionen galt auch hier: pure Kantabilität und Sanglichkeit. Für den besinnlichen, nachdenklichen Part des Abends war dann Johann Sebastian Bach zuständig. Mit ernstem Nachdruck, unter deutlicher Herausarbeitung der Strukturen spielten die vier den Contrapunctus I aus der „Kunst der Fuge“, den Choral „Ihr Gedanken und ihr Sinnen“ und den Canon à 4 aus dem „Musikalischen Opfer“. Leichter und beschwingter ging es beim bekannten „Zion hört die Wächter singen“ aus der Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ zu. Als Zugabe gab es eine Verbindung von ernsten und lieblichen Tönen mit dem Priestermarsch aus der „Zauberflöte“.