Kallstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Viertklässler feiern emotionalen Schulabschluss – trotz Corona-Abstand

Bunte Luftballons tanzen im Himmel: Die Schüler der vierten Klassen verlassen ihre Grundschule. Ein bitterschöner Tag.
Bunte Luftballons tanzen im Himmel: Die Schüler der vierten Klassen verlassen ihre Grundschule. Ein bitterschöner Tag.

Mit Luftballons, Playbacksingen und einigen mehr oder weniger heimlich verdrückten Tränen hat die Grundschule in Kallstadt ihre Viertklässler verabschiedet. Aufgrund der besonderen Situation durften keine Eltern dabei sein und die Mitschüler haben von den Fenstern aus zugeschaut.

30 Kinder saßen auf gelben und blauen Stühlen mit gebührendem Abstand auf dem Schulhof und schleckten Eis. Am Zaun tanzten bunte Luftballons im Wind. So sah es kurz vor Beginn der Abschiedsfeier für die Viertklässler an der Kallstadter Grundschule aus. Aufgrund der derzeitigen Hygieneregeln durften weder die Eltern noch die Mitschüler mit auf den Hof. Von denen war wegen des wechselnden Unterrichtes sowieso nicht alle im Schulhaus. Die, die waren, hingen mit ihren Lehrerinnen und ihrem Lehrer an den Fenstern der Klassensäle, um sich das Schauspiel von oben anzusehen. Schulleiterin Verena Brunner fand ein paar herzliche Worte, bevor das Lied vom Regenbogen, dem Hoffnungssymbol der Corona-Krise, vom Band abgespielt wurde. „Wir dürfen ja nicht singen, aber wir bewegen die Lippen, singen also Playback für euch,“ entschuldigte sie die ungewohnte Variante. Danach ließen die Kinder Ballons in Regenbogenfarben in den Himmel aufsteigen.

Der Abschied fällt schwer

Am Morgen waren die Schüler mit ihren Klassenlehrerinnen Susanne Kauß und Karen Penkert zum Picknick zur Römerkelter gewandert. Was die Schüler künftig vermissen werden? Die netten Lehrerinnen, den schönen Pausenhof, den großen Sandkasten oder auch den Hofdienst. Für die Zeugnisübergabe wurden die Kinder einzeln nach vorne gerufen, jedes bekam Applaus von den Mitschülern.

Trotz der besonderen Situation oder ein bisschen auch deswegen war es eine schöne Verabschiedung der Kinder. Pfarrer Oliver Herzog fand, dass sich die Kinder so ganz auf ihre Feier konzentrieren konnten. Herzog war extra zur Schule gekommen, der gewohnte Abschlussgottesdienst in der Kirche konnte schließlich nicht stattfinden. „Ein Teil von euch bleibt hier,“ waren seine Worte an die scheidenden Schüler.

Als sichtbarer Teil der bleibt, hatten die Viertklässler Steine bemalt und mit ihrem Namen beschriftet. Diese Steine finden ihren Platz nun dauerhaft vor dem Schultor. Als Austausch daran erhielt jedes Kind einen Schalom-Stein, der ihn an die Grundschulzeit erinnern soll. Bei der Übergabe der Steine hatten so manche Kinder und viele Lehrerinnen feuchte Augen, der Abschied fiel schwer. Nachdem schließlich die Erinnerungsmappen überreicht waren, verabschiedete Brunner die Kinder mit den Worten: „Fühlt euch alle umarmt!“. Wirklich tun durften die Kolleginnen und sie das leider nicht.

Viele Mini-Entlassungen an den Grundschulen

Alle Grundschulen in Bad Dürkheim und den Verbandsgemeinden Freinsheim und Wachenheim mussten in diesem Jahr auf ihre gewohnten Feierlichkeiten zur Verabschiedung der Viertklässler verzichten. Häufig wurden die Kinder in mehreren Gruppen entlassen. Doch jede Schule hat sich etwas ausgedacht, um den Abschied feierlich und würdig zu gestalten. Um den derzeitigen Hygienevorschriften und Abstandsregeln gerecht zu werden, wurden in den meisten Schulen die Kinder in mehreren Gruppen verabschiedet. Eltern durften in der Regel nicht dabei sein, nur in der Verbandsgemeinde Wachenheim war ein Elternteil pro Kind erlaubt. Viele nutzten dafür den Schulhof, die Grundschule an der Wachtenburg ging für ihre Abschiedsfeiern auf die Wiese hinter der Schule. Fand die Feier im Gebäude statt, mussten die Räume zwischen den einzelnen Gruppen gereinigt und desinfiziert werden.

Als Programmpunkte gab es häufig Musik vom Band, aber auch einen Percussionrap und das Vorlesen von Komplimenten der Mitschüler in der Salierschule oder ein Regenschirmspalier, durch das die Kinder der Grundschule Ellerstadt-Friedelsheim-Gönnheim ihre Grundschule verließen. In der Valentin-Ostertagschule organisierten die Klassenlehrerinnen ihre Verabschiedung für sich allein. Dafür wurden in der Grundschule Grethen die jüngeren Schüler frühzeitig in die Ferien entlassen, damit das Kollegium die sechzehn Viertklässler auf dem Schulhof gebührend verabschieden konnte. Schulleiterin Beate Philipp verriet der RHEINPFALZ, dass noch eine weitere Überraschung für Samstag geplant ist. Auch in der Pestalozzischule kamen alle 39 Viertklässler ausnahmsweise noch einmal zusammen, um vom Kollegium verabschiedet zu werden. Das beliebte Abschlusslied sollte in abgewandelter Form stattfinden, berichtete Leiterin Alexandra Eiler vorab.

Kinder und Lehrer können sich noch einmal sehen

Die Salierschule hatte einen Teil der 40 Kinder bereits am Mittwoch verabschiedet, den anderen am Freitag. Zur Zeugnisübergabe wurden die Schüler einzeln und unter besonderen Vorkehrungen zu Ihren Klassenlehrerinnen vorgelassen, die alle der Corona-Risikogruppe angehören. „So können sich Kinder und Lehrerin jedenfalls noch einmal sehen“, erklärte Konrektorin Andrea Franz.

Wachenheims Schulleiterin Claudia König sprach von seltsamen vier Mini-Entlassungen, da jeweils die erste Lerngruppe bereits in der Vorwoche entlassen wurde. Kollegin Eva Treusch (Grundschule Ellerstadt-Friedelsheim-Gönnheim) freute sich, dass zumindest alle Kinder am letzten Schultag noch einmal kommen konnten, wenn auch zeitversetzt.

Zeitversetzt wurden auch an der Herrmann-Sinsheimer-Grundschule in Freinsheim und der Grundschulen in Weisenheim am Sand die Kinder verabschiedet. Freinsheims Rektorin Stefanie Scholz bedauerte die widrigen Umstände.

In Weisenheim am Sand sollten von der Zeugnisübergabe Fotos für die fehlenden Eltern gemacht, erzählte Schulleiterin Andrea Kühl vorab. Die Grundschule in Weisenheim am Berg wollte keinen Kommentar abgeben.

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