Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Verbandsgemeinde investiert sieben Millionen Euro in Kläranlage

Blick vom alten Nachklärbecken vorne auf das neue Belebungsbecken, das dahinter entsteht.
Blick vom alten Nachklärbecken vorne auf das neue Belebungsbecken, das dahinter entsteht.

Seit Herbst 2021 wird die Wachenheimer Kläranlage im laufenden Betrieb saniert. Dafür müssten die Arbeiten genau aufeinander abgestimmt sein, was zusätzlichen Aufwand bedeute, erklärt Dirk Bergner, Leiter der Abwasserbeseitigung der Verbandsgemeinde.

Grundlage für das Projekt ist laut Bergner eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2016. Dabei wurden unter anderem die technischen Anlagen überprüft und Erneuerungsmöglichkeiten aufgezeigt. Ein wesentlicher Aspekt war auch das Einsparen von Energie. Die auf der Studie beruhende Planung wurde 2019 erstellt und im Januar 2021 von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd genehmigt, berichtet der Werkleiter. Den Zuschlag für die Arbeiten erhielten zwei Unternehmen aus Pirmasens: die Peter Gross Infrastruktur GmbH für die Bauarbeiten, Klaus Dieterich Schaltanlagenbau GmbH für die Maschinen- und Elektrotechnik.

Nach Jahrzehnten im Betrieb benötigen die meisten Teile der Kläranlage einfach eine Frischzellenkur. In den vergangenen Jahren seien lediglich ein neuer Faulturm gebaut, einige Pumpen erneuert und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach einer Unterstellhalle installiert worden, berichtet Bergner.

Neues Becken soll 1600 Kubikmeter fassen

Das größte Bauwerk der gesamten Anlage ist das Mitte der 1970er-Jahre errichtete Belebungsbecken. Seine Aufgabe soll ein neues, größeres Becken mit einem Volumen von 1600 Kubikmetern übernehmen. Dafür wird das Kläranlagengelände um eine Fläche erweitert, die die Verbandsgemeinde vor einigen Jahren gekauft habe, informiert Bergner.

Die Betonarbeiten für das neue Belebungsbecken erfolgen in mehreren Abschnitten, zwischen denen der Beton aushärten muss. Anschließend wird jeweils überprüft, ob der betreffende Teil des Beckens dicht ist, damit später kein Abwasser ins Erdreich sickert. In den „Pausen“ treibt die Baufirma die Betonarbeiten für das Kompaktanlagen-Gebäude voran, das im Eingangsbereich der Kläranlage entstehen soll – die dafür nötige Baugrube ist bereits ausgehoben, die Kompaktanlage selbst befinde sich in der Planungs- und Bestellphase.

Neue Halle als Wetterschutz

Sie soll Bergner zufolge das bisherige Rechen- sowie das Sandfangbecken ersetzen, die bereits abgerissen wurden. In der Übergangszeit wird das Abwasser zu einer mobilen Rechenanlage umgeleitet. Rechen fischen grobe Stoffe aus dem Schmutzwasser, die eigentlich nicht hineingehören, zum Beispiel Windeln oder Damenbinden. Die noch zu errichtende Halle soll die Kompaktanlage schließlich vor dem Wetter schützen. Parallel zu den Bauarbeiten soll voraussichtlich im Sommer der Einbau der Technik beginnen. Bergner hofft, dass alle benötigten Komponenten rechtzeitig geliefert werden. Die Lieferzeiten für Maschinentechnik etwa würden derzeit zwischen einem halben und einem Jahr liegen.

Die Kompaktanlage erhöhe die Sicherheit und erleichtere den Mitarbeitern den Job. So müssten sie künftig nicht mehr in einen mitunter rutschigen Schacht hinabsteigen, um in mühevoller Handarbeit den abgelagerten Sand 1,50 Meter nach oben in die Schubkarren zu schippen. Die entsprechenden Verfahren werde die Anlage alle automatisch erledigen. Außerdem soll das Füllmaterial des Tropfkörpers ausgetauscht werden. Das alte Belebungsbecken soll am Ende außer Betrieb genommen werden. „Je nach seinem Zustand behalten wir es aber vielleicht als Havariebecken für Notfälle“, sagt Bergner.

Umweltschutz kommt große Rolle zu

Daneben werde auch in der restlichen Kläranlage, mit Ausnahme des Faulturms, die veraltete und teils nicht mehr optimal funktionierende Technik modernisiert. Als Beispiel nennt er Blasen, die sich auf dem Wasser im Belebungsbecken bilden. „Das dürfte nicht sein“, sagt der Werkleiter. Die neue Technik werde zudem den Energieverbrauch senken. Auch sonst werde bei der Sanierung einiges zum Schutz der Umwelt getan, betont er. So werde für Reinigungsarbeiten in Zukunft kein Frischwasser mehr verwendet, sondern Abwasser, das vorher in einer eigens eingebauten Anlage speziell gereinigt wird. Zum Heizen der Gebäude werde fortan Faulgas aus dem Faulturm verwendet. Auch sollen auf weiteren Gebäudeteilen Photovoltaikelemente installiert werden.

Zu den geplanten Neuheiten gehört der Bau einer eigenen Trafostation für die Kläranlage. Bisher erfolgt die Stromversorgung über die Trafostation der Stadtwerke, die nahe der Kläranlage steht. Allein für die neue Trafostation müssten etwa 300 Meter Kabel verlegt werden, erzählt Bergner. Wenn alles klappt, soll die Sanierung der Kläranlage in der zweiten Hälfte 2023 abgeschlossen sein.

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