Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Verbandsgemeinde: Hochwasserschutz wird Chefsache

Das Großkarlbacher Rückhaltebecken, hier nach dem Unwetter im Juni. Seine Funktionstüchtigkeit steht infrage.
Das Großkarlbacher Rückhaltebecken, hier nach dem Unwetter im Juni. Seine Funktionstüchtigkeit steht infrage.

Die Verbandsgemeinde (VG) Leiningerland sieht insbesondere in ihrem östlichen Bereich, das heißt in den Dörfern Obersülzen, Dirmstein, Gerolsheim, Großkarlbach und Laumersheim, Handlungsbedarf beim Hochwasserschutz. Auf Anfrage teilte Rainer Tolkendorf von der Bauabteilung mit, dass VG-Bürgermeister Frank Rüttger (CDU) dies nach seinem Urlaub „zur Chefsache“ erklären werde.

Vor dem Hintergrund, dass bei den Unwettern Ende Juni Teile von Großkarlbach überflutet wurden, hat die RHEINPFALZ bei der VG nachgefragt, ob die vom Ortsbürgermeister angekündigte Überprüfung des Regenrückhaltebeckens in den Weiherwiesen stattgefunden hat. Das Becken hatte sich bei dem Starkregen nicht gefüllt, sondern große Wassermengen flossen in den Mühlgraben. Unter anderem der Anlieger Gerhard Schoder hatte das beobachtet.

Tolkendorf bestätigt, dass das Rückhaltebecken „seine Funktion nicht vollständig erfüllt“ habe. Warum das so war, werde im Rahmen der für September und Oktober terminierten Gespräche mit verschiedenen Fachstellen erörtert. Dazu zählten der Gewässerzweckverband Isenach-Eckbach, die obere und untere Wasserbehörde und das Büro, das seinerzeit das Regenbecken geplant hat.

Grabensystem wird untersucht

Laut Tolkendorf werden die Gespräche jedoch vor einem größeren Hintergrund geführt werden. So werde zum Beispiel auch die Planung für die Renaturierung des Sausenheimer Grabens, die vor einigen Jahren beendet wurde, Thema sein. Ebenso die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Grabensystems zwischen Dirmstein, Gerolsheim und Laumersheim, die Auswirkungen auf die Großkarlbacher Gemarkung habe. „Ziel der Gespräche muss unter anderem sein, kurzfristig zu realisierende Hochwasserschutzmaßnahmen umzusetzen“, so Tolkendorf.

Langfristig setzt die Verwaltung im neuralgischen Osten der Verbandsgemeinde auf Hochwasserschutzkonzepte, wie sie bereits in Dirmstein und Kleinkarlbach erarbeitet wurden. Deren Kosten werden vom Land fast ganz bezahlt und sind die Voraussetzung für weitere Zuschüsse bei technischen Verbesserungen, zum Beispiel zur Regenrückhaltung. Die Konzepte setzen aber mindestens ebenso stark auf die Eigeninitiative der Grundstücks- und Gebäudebesitzer. Sie sollen davon überzeugt und dazu angeregt werden, selbst Vorsorge zu treffen, damit ihre Keller und Wohnungen nicht vom Kanal- und Oberflächenwasser überflutet werden.

Bürger macht Vorschlag

Gerhard Schoder, dessen Interesse im Moment vornehmlich dem Westen von Großkarlbach gilt, befürchtet, dass das nächste Unwetter mit außergewöhnlich großen Regenmengen früher kommt, als die von Tolkendorf angekündigten Gespräche Ergebnisse bringen. Er hat der VG-Verwaltung und anderen Behörden am 21. Juli einen Brief geschrieben. Darin fasst er seine Beobachtungen beim Juni-Unwetter zusammen, als die Papiermühle und die Schlossmühle sowie die Ortslage am fast übergelaufenen Eckbach „nur knapp an einer Katastrophe vorbeigegangen“ seien.

Schoder sieht die Missstände am Regenrückhaltebecken in der Planung oder Umsetzung begründet. Damals seien die seitliche Überlaufschwelle im Mühlgraben und ein Drücker zur Ableitung von Wasser in das Becken entfernt worden. Er meint: „Es ist mit geringem Aufwand möglich, die Situation vor dem Bau des Beckens im Mühlgraben wiederherzustellen.“ Den Vorschlag lässt Rainer Tolkendorf vorerst unkommentiert. Er versichert aber: Beim Hochwasserschutz seien Hinweise von Bürgern hilfreich.

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