Kreis Bad Duerkheim „Uns fehlen Aktive“
Rund 130 europäische Städte haben sich der 2016 entstandenen überparteilichen Bewegung „Pulse of Europe“ inzwischen angeschlossen. Auch Speyer. Organisator Siegbert Brand über Entwicklung, Frustration und Hoffnung der Gruppe.
Ich würde sagen, er ist leicht erhöht. Aus Ihrer Ankündigung, eine Aktion zu den Wahlen in Ungarn am 8. April zu starten, ist nichts geworden. Warum? Das ist eine gute Frage. Ich kann sie nur mit Frustration beantworten. Uns haben die richtigen Leute gefehlt, besser gesagt Leute. Die Speyerer Bewegung ist personell sehr dünn besetzt. Wir haben uns nicht zugetraut, das schwierige Thema Populismus zu besetzen. Aber: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Bedeutet das nicht eigentlich das Aus für den Speyerer Pulse of Europe? Auf keinen Fall. Mit der nächsten Aktion starten wir am Sonntag den Beginn der europäischen Woche. Es geht diesmal am Altpörtel um Bürgerbeteiligung in und für Europa. An guten Ideen, Europa beispielsweise innerhalb der Fußballweltmeisterschaft zwischen 14. Juni und 15. Juli in Russland greifbar zu machen, mangelt es uns nicht. Wir wollen unbedingt Kontakt mit den Schulen knüpfen und uns noch mehr vernetzen. Allein, uns fehlen Aktive. Wer macht mit, wer soll noch hinzukommen? Derzeit sind wir fünf Mitstreiter im engeren Kreis, auf etwa zehn weitere können wir zählen. Bürgerschaftlich engagierte Pro-Europäer aller Art sind uns willkommen. Es geht nicht darum, Konzepte zu entwickeln. Dafür ist die Politik da. Dafür wird sie bezahlt. Wir wollen die Lücke zwischen Bürgern und Politikern schließen. Was überwiegt: Enttäuschung oder Hoffnung? Noch ist es die Hoffnung. Und das Bewusstsein, dass wir bis jetzt ganz gut überlebt haben. In vielen Städten ist die Bewegung wieder eingeschlafen. Das wollen wir in Speyer mit aller Kraft verhindern. Wie schätzen Sie die auch in Speyer spürbare Entwicklung zurück zum Nationalismus ein? Das Gefühl, dass über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden wird, scheint viele Menschen in Deutschland und Europa umzutreiben. Die Kluft zwischen Politik und Volk ist zu groß geworden. Reicht eine Bewegung wie Pulse of Europe, um rechten Tendenzen entgegenzutreten? Das wäre schön, ist aber ein Trugschluss. Jeder einzelne Demokrat muss sich in diesem Bereich klar positionieren. Auch die Medien. Wie wollen Sie Kritiker von der Vision eines vereinten Europas überzeugen? Ich bin kein Träumer. Aber ein Kontinent ohne Krieg seit 1945, auf dem Reisefreiheit herrscht und die Vision von Grenzenlosigkeit näher rückt, spricht für sich. Ein Europa, in dem Regionen Heimat geben und Menschen sich verbinden, begeistert mich. Und es ist machbar. Könnten Sie sich vorstellen, aufzugeben? Ja. Wenn unser Motor Bernd Rückwardt nicht mehr mitmacht. (Lacht). Aber ernsthaft: Wir haben uns vorgenommen, auf jeden Fall bis zur Europawahl im nächsten Jahr durchzuhalten. Und dann wird die Bewegung überflüssig? Nein, das wird sie wohl nie. Auch der Speyerer Puls wird über 2019 hinaus schlagen. Bis zur Europawahl durchzuhalten, ist lediglich unser Minimalziel. Europa ist ja viel mehr als ein Parlament. Es mit Leben zu füllen, bleibt Daueraufgabe. Je mehr Initiativen und Individuen sich dafür stark machen, desto besser wird es. Daran glaube ich fest. Was wünschen Sie sich für Speyer? Viele Menschen, die sich für den europäischen Gedanken begeistern. Dazu gehören auch Migranten. Auch sie sollten ihre Stimme dafür erheben. Ja, ein europäisches Speyer, das wäre es! Termin Pulse of Europe am morgigen Sonntag,, 14 Uhr, am Altpörtel. in Speyer Thema: Europa und die Bürgerbeteiligung. | Ellen Korelus-BruderDOPPELTERZEILENUMBRUCH