Hassloch
Turmbau mit Lego-Steinen
Restaurator Quentin Saltzmann arbeitet seit Anfang des Jahres in mehreren Abschnitten daran, die um 1600 entstandenen Wandmalereien im Turmraum der Christuskirche, der ehemaligen Ulrichkapelle, wieder ans Tageslicht zu bringen. Mit seinem Trockeneisverfahren hat er größere Flächen und kunstvoll gestaltete Rahmungen der Tür- und Fensteröffnungen wieder sichtbar gemacht, sodass mittlerweile ein Eindruck vom früheren Aussehen des Raums entsteht.
Die Freilegung gehört dem Projekt der Haßlocher Turm-Initiative, die zusammen mit der protestantischen Kirche das älteste bauliche Zeugnis des Mittelalters in den Zustand seiner Entstehungszeit um 1350 versetzen will. Um den historischen Raumeindruck wieder herzustellen, soll der Boden um etwa einen Meter auf das ursprüngliche Niveau tiefergelegt werden.
Bei der Freilegung der Dekorationsmalereien hat es bisher schon einige Überraschungen gegeben. So war nicht zuletzt auch Maria Wenzel, die Gebietsreferentin der Landesdenkmalpflege, überrascht von der Qualität der Entdeckungen an den Wänden des Turmraums. In ihrem Gutachten stufte sie die in Freskotechnik ausgeführten Malereien als besonders wertvoll ein. Zudem tauchten an bisher zwei Stellen historische Inschriften auf: „FAUTH HANS BOHLER VALENTIUS SIGEL“ benennt die Vögte, die um das Jahr 1600 in Haßloch tätig waren. Zwei Bürgermeister nebst der Jahreszahl 1609 sind ebenfalls verewigt: „BURGERMISTER LUGARIUS HATREL LUDOVICUS SIGEL“. Daneben hat der Restaurator einige weitere Signaturen beziehungsweise Handwerkszeichen entdeckt, ebenfalls mit der Jahreszahl 1609.
Originalfarben für Schlusssteine und Rippen
Die Turminitiative freut sich darüber, dass nun alle Wandmalereien oberhalb des jetzigen Fußbodens restauriert werden sollen. Auch die Rippen und die beiden Schlusssteine sollen in Originalfarben wiederauferstehen. Wie das einmal aussehen wird, deuten die bereits in kräftigen Tönen bemalten Rippen an. Beim Schlussstein „Kurpfälzer Wappen“ gibt es Vorlagen, beim Schlussstein mit dem Haßlocher Amtssiegel muss mit dem Mikroskop nach Farbspuren geforscht werden, so Haro Schreiner, Vorsitzender der Turm-Initiative. Farbspuren sind vorhanden. Das umgedrehte S im Schlussstein, das sich auch im Haßlocher Wappen wiederfindet, steht für das Gerichtssiegel der „Pflege“ – einst Bezeichnung für einen Verwaltungsbezirk – Haßloch/Böhl-Iggelheim.
Auch die Malereien unterhalb des jetzigen Fußbodens sollen rekonstruiert werden: „Wir sind gespannt, wie es unten aussieht“, so Schreiner. Eine Geschichtstafel zur Entstehungsgeschichte des Turmraums soll später aufgestellt werden.
Um das Projekt zu Ende führen zu können, bittet die Turm-Initiative weiterhin um Spenden. Auch Aktionen wie am Samstag, 17. Juli, auf dem Rathausplatz vor der Christuskirche sollen daneben Geld für die Finanzierung der weiteren Arbeiten bringen. „Wir bauen unseren Kirchturm aus Lego“ heißt von 8 bis 16 Uhr das Motto der Veranstaltung, die Turm-Initiative, Protestantische Kirchengemeinde und evangelische Kitas organisieren. Alle kleinen und großen Bürger können und sollen dabei mitmachen. Die Lego-Steine für den Bau der Miniatur-Christuskirche müssen gekauft und gespendet werden, bevor sie verbaut werden dürfen: Zwei Steine kosten einen Euro, fünf Steine gibt es für zwei Euro, und wer fünf Euro spendet, bekommt zwölf Lego-Steine. Eine ähnliche Aktion – wenn auch ein paar Nummern größer – hat es beispielsweise 1996 in Dresden gegeben, um den Wiederaufbau der Frauenkirche zu unterstützen.
Zweieinhalb bis drei Meter Höhe ist das Ziel
Waren in Dresden 500.000 Lego-Steine notwendig, so sind es in Haßloch natürlich nicht ganz so viele. Presbyterin Anna-Kathrin Niehues, die mit der Gemeindepädagogin Beate Füßer hinter der Aktion steht, hat in Haßlocher Kindergärten und im Blaubär Lego-Steine in allen Farben gesammelt. Auf einer Grundfläche von 25 mal 25 Zentimetern wird der kleine Christuskirchenturm gebaut. Wie hoch der Lego-Turm in die Höhe wachsen kann, hängt davon ab, wie viele Spender sich finden werden. Aber zweieinhalb bis drei Meter Höhe gibt Niehues schon einmal optimistisch als Ziel aus. Ganz genau wird der Turm mit Lego nicht nachgebaut werden können, aber die Turmbauer wollen versuchen, dem Original möglichst nahe kommen. Wenn es weit genug oben hinaus geht, steht sogar ein fahrbares Gerüst zur Verfügung. Noch nicht geklärt ist, was mit dem Bauwerk im Anschluss passieren soll.
Von 9 bis 12 Uhr hat die Turm-Initiative am Samstag einen Infostand auf dem Rathausplatz geplant. Außerdem besteht die Gelegenheit, die Malereien im Turmraum zu besichtigen.
Spendenkonto
Turm-Initiative Haßloch, DE50 5465 1240 0004 9049 00.