Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Trotz Corona: Betreiber von Ferienwohnungen optimistisch

Ist froh, das Schild wechseln zu können: Ute Schöpsdau.
Ist froh, das Schild wechseln zu können: Ute Schöpsdau.

Nicht nur Hoteliers und Gastronomen haben in dieser Saison mit den coronabedingten Herausforderungen zu kämpfen. Betreiber von Ferienwohnungen müssen ebenfalls viele Hürden überwinden. Trotzdem zeigen sich die meisten „Fewo“-Anbieter derzeit optimistisch.

Es ist kein Zuckerschlecken mit dem Tourismus in diesem Sommer. Nicht nur die Betreiber von Hotels, Restaurants und Cafés müssen kämpfen, sondern natürlich auch die Anbieter von Ferienwohnungen. Trotzdem sind die meisten zufrieden, dass sie nun wenigstens während der Sommerferien nicht „aussetzen“ müssen und doch noch eine passable Auslastung haben.

„Natürlich war die Zeit, in der alles zu war, nicht schön, und auch später haben viele Leute erst mal abgesagt, da jede Menge Hochzeiten und Feste ausgefallen sind“, sagt Markus Holler. Der 63-Jährige aus Deidesheim betreibt gemeinsam mit seiner Frau Ulrike ein Ferienhaus für zwei Personen, weswegen meist Paare als Gäste anreisen. „Nach vierstelligen Einbußen im März und April“ sind die Eheleute im Ruhestand froh, dass jetzt wieder viele Touristen buchen, auch Stammgäste - ein Paar aus Holland sei schon zum 15. Mal da.

„Viele ältere Gäste hatten aber auch als Angehörige der Risikogruppe so ihre Sorge wegen Corona“, meint Markus Holler. Jetzt sei die Ferienwohnung „aber wieder bis Oktober ausgelastet“. Die Endreinigung sei „ohnehin sehr gründlich zu machen“, nun stehe eben auch unter der Zeit Desinfektionsmittel bereit. Aber: „Alle sind gesund geblieben, wir sind froh.“

„Viele Radtouristen da“

Auch Familie Schöpsdau in Maikammer sieht sich selbst als „vielleicht ja nicht ganz repräsentativ, weil wir nicht so riesig sind“, wie Ute Schöpsdau findet. Dennoch: Seit gut 25 Jahren schon bietet die Familie zwei Appartements mit Küche als Ferienwohnungen an. Was ist in der Coronazeit anders geworden? „Es sind tatsächlich auffallend viele Radtouristen da“, haben Ute Schöpsdau und ihr Mann Bernd festgestellt. Die meisten blieben drei bis vier Tage da. Dass viele neue Gäste dazukommen, die ihren Urlaub diesmal innerhalb Deutschlands verbringen möchten, haben die Eheleute ebenfalls festgestellt. Doch auch einige Gäste aus der Schweiz, Dänemark, Norwegen oder England kommen zu ihnen.

„Auch wir haben Desinfektionsmittel bereitgestellt und informieren unsere Gäste“, sagt Ute Schöpsdau, „alle mögen zudem die gute Gastronomie vor Ort, auch wenn die Feste fehlen“. Die Fewo-Hauptsaison komme schließlich erst noch: „Wir hoffen auf einen guten Herbst, in dem weiter alles klappt.“

Viel Arbeit und Geld in ihr Projekt gesteckt haben Marcel und Wencke Wirdemann in Haßloch. Erst 2019 sind sie mit ihrem „Ferienhaus Senta“ an den Start gegangen – nach umfangreicher Sanierung des Hauses aus den 1950er Jahren, das sie als zum Verkauf stehendes Nachbarhaus erworben haben, so Marcel Wirdemann. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele ein Ferienhaus mieten wollen, um Gäste eines familiären Festes unterzubringen“, sagt der 39-Jährige.

Es sei ein „Glück gewesen“, dass während des Lockdowns die Unterbringung von Monteuren und Berufsreisenden erlaubt gewesen sei: „So konnten wir die Ausfälle auffangen.“ Dennoch sind auch die Wirdemanns als Eltern dreier Kinder froh, dass sie noch berufstätig sind - er als Beamter und sie im Maschinenbau. Trotzdem übernehme Wencke Wirdemann die Hauptarbeit mit dem Feriengeschäft. „Inzwischen läuft es wieder gut, bis auf einzelne Tage ohne Belegung, die man aber auch so immer hat“, erzählt Marcel Wirdemann. Bei der Bestellung des benötigten Desinfektionsmittels habe die Familie anfangs Ärger gehabt, denn ein Anbieter habe die bezahlte Ware einfach nicht ausgeliefert.

Die Familie freut sich, dass sie im erst zweiten Jahr bereits „Wiederholungsgäste“ begrüßen darf: „So gesehen ist Corona bis her an unserem kleinen Ferienhäuschen ganz gut vorbeigezogen“, zeigt er sich optimistisch. Er hoffe, dass eine zweite Welle ausbleibt, die wieder Verbote zur Folge hätte.

Zur Sache: „Steigende Tendenz“ bei Ferienwohnungen

„Die Zeit, in der alles dicht bleiben musste, war natürlich ganz schön bitter.“ Stefan Wemhoener, Geschäftsführer der Tourist Service GmbH Deidesheim, sieht die Region als Ganzes: Ob Unterkünfte, Restaurants oder Wein: „Das strahlt auf alle Branchen im Tourismus aus.“ Die Betreiber von Ferienwohnungen in seinem Bereich habe er als „sehr diszipliniert“ erlebt: „Sie sind teilweise sehr kreativ gewesen und haben Frühstückszeiten ausgedehnt oder gestaffelt, alle haben wirklich auf maximale Sicherheit gesetzt“. Laut Sabine Strottner gibt es derzeit 126 Ferienwohnungen in der Verbandsgemeinde Deidesheim „mit steigender Tendenz“. Die Information der Betreiber in der Pandemie sei gut verlaufen.

Maria Bergold, Leiterin des Büros für Tourismus in Maikammer, spürt ebenfalls noch den Stress des Lockdowns im Nacken. Viele Fragen hatten sie und ihr Team erreicht: „Was ist mit Vinotheken? Was mit den Hütten im Pfälzerwald?“ Aber auch die Ferienwohnungen hätten aus der Not eine Tugend gemacht, denn es gebe nun etwa weniger weggeworfene Lebensmittel: „Wenn es leider nun auch keine Frühstücksbuffets gibt zum freien Bedienen, müssen die Betriebe wenigstens deutlich weniger in den Müll werfen, bekommen wir oft erzählt, und sparen so Kosten.“ Die Verbandsgemeinde Maikammer zählt aktuell 82 Ferienwohnungen, davon 48 in Maikammer, 25 in St. Martin und neun in Kirrweiler.

Ebenfalls immer in regem Kontakt mit den Fewo-Betreibern stand die Tourist-Information Haßloch. Leiterin Annika Dietz: „Natürlich wurden Buchungen abgesagt und anfangs auch verhalten reagiert, aber mittlerweile ist es besser. Und dass viele diesmal in Deutschland Urlaub machen, merkt man auch.“ Momentan sind jeweils neun Ferienwohnungen und -häuser im Verzeichnis gelistet. Auch Dietz hat beobachtet, dass immer mehr Radtouristen unterwegs sind.

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