Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Tierheim: Wunschzaun-Aktion ein großer Erfolg

Freuen sich über die vielen Spenden: (von links) Stephanie Groß, Claudia Kippel und Nicole Fützenreiter.
Freuen sich über die vielen Spenden: (von links) Stephanie Groß, Claudia Kippel und Nicole Fützenreiter.

Die Wunschzaun-Aktion des Tierheims Haßloch trifft auf große Resonanz. Spenden erreichen den Tierschutzverein auch noch nach dem Aktionswochenende. Warum die Corona-Zeit auch für das Tierheim eine besondere Herausforderung ist.

„Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft“, sagt Nicole Fützenreiter. Sie ist die Vorsitzende des Tierschutzvereins Haßloch, unter dessen Leitung das Tierheim steht. Fützenreiter zeigt auf den Tisch im Tierheim, dessen Fläche längst nicht ausreicht, die vielen Spenden an Futter, Hunde- und Katzen-Spielzeug, Kuschelhöhlen und vieles mehr aufzunehmen. Briefumschläge mit Weihnachtswünschen wurden mit Geldspenden kombiniert. Auch auf Schränken und Stühlen stapeln sich die Spenden.

„Wir haben die Aktion am ersten Advent gestartet und bereits am nächsten Tag hielt das erste Auto, dessen Kofferraum komplett voll mit Futter, Streu und anderen Dingen von unserer Wunschliste waren“, erzählt sie. Manche Wünsche seien mehrfach erfüllt worden, weil einige Spender auf der Homepage die Wunschliste angesehen, andere die Zettel am Wunschzaun fotografierten und die nächsten sie schließlich mitgenommen hätten. Besonders berührt habe sie die Spende eines Mädchens, das mit seinem Nikolausgeld eine Katzen-Kuschelhöhle gekauft habe, um diese dem Tierheim zu spenden.

Der Wunschzaun sei erstmalig eingerichtet worden. Eigentlich wollte der Haßlocher Tierschutzverein eine Tierweihnacht veranstalten. Anregungen dafür holte sich Fützenreiter im Austausch mit dem Team des Frankenthaler Tierheims, das auf gute Erfahrungen verwies. Das Haßlocher Team begann schon früh mit der Planung. Viele ehrenamtliche Helfer bastelten, strickten, kochten Marmelade ein und begannen mit den Vorbereitungen für die Weihnachtsbäckerei. Doch als die Inzidenz ständig stieg, zog der Vorstand die Konsequenzen und sagte die Tierweihnacht als Präsenzveranstaltung auf dem Gelände des Tierheims ab.

Wegen Corona fallen Einnahmen weg

Der Verein suchte nach Alternativen. „Seit zwei Jahren können wir aufgrund der hohen Corona-Auflagen keine unserer sonst üblichen Veranstaltungen durchführen. Damit haben wir auch keine Einnahmen, mit denen wir normalerweise die Arztrechnungen und die Mitarbeiter bezahlen können. Wir mussten uns also etwas einfallen lassen“, so Fützenreiter. Schon seit mehreren Monaten greift der Verein auf seine Rücklagen zurück, um alle Rechnungen bezahlen zu können. Der Wunschzaun war eine Idee. Die andere Alternativ-Idee zur Tierweihnacht waren die Stände am Haßlocher Wochenmarkt und bei Edeka Stiegler, an denen die vorbereiteten selbsthergestellten Produkte verkauft werden sollten.

Die Resonanz war enorm, und am Ende der Aktion war alles verkauft. „Und die Spendendose darüber hinaus auch noch gefüllt“, sagt Claudia Kippel vom Verein. Sie ist die Expertin für die Igelstation. Igel gehören zu den Wildtieren, für die keine Gelder bereitgestellt werden. Die Kosten übernimmt der Verein selbst. Zehn Igel beherbergt der Verein, päppelt die verletzten oder kranken Tiere auf und entlässt sie wieder in die Natur. Ein Igel wohnt jedoch dauerhaft im Tierheim. Er ist blind und hätte in freier Wildbahn keine Chance.

Während der letzten beiden Corona-Jahre sei die Nachfrage nach Tieren laut Fützenreiter nicht bemerkenswert angestiegen. Natürlich habe es Nachfragen gegeben, doch konnten diese im Gespräch eingeordnet werden, und der Verein reagierte entsprechend sensibel. „Wir haben eine sehr hohe Vermittlungsquote“, sagt Fützenreiter. Tiere würden nicht einfach so abgegeben, sondern persönlich gebracht. „Wir überprüfen, ob das neue Zuhause für die Tiere auch wirklich so ist, wie uns erzählt wird“, sagt sie. Dann werde manchmal aus dem frei stehenden Einfamilienhaus mit Garten plötzlich eine Einzimmerwohnung mitten in der Stadt.

In diesem Jahr mehr Fundtiere als sonst

Wer sich für einen Hund interessiere, der dürfe gerne mehrmals mit dem Hund Gassi gehen, um zu sehen, wie sich Herrchen und Hund verstehen. Tiere wie Meerschweinchen oder Kaninchen würden nicht in Käfighaltung abgegeben. „Das ist überhaupt nicht mehr zeitgemäß“, sagt Michael Klippel, Zweiter Vorsitzender. Sein Spezialgebiet sind die „SchaZis“ – die Schafe und Ziegen in Obhut des Tierheims.

In diesem Jahr gab es einen Anstieg an Fundtieren, besonders bei den Kaninchen, die nach den Worten Fützenreiters „Coronaopfer“ waren. Auch zwei noch junge reinrassige Huskys wurden dem Besitzer wohl zu aufwendig in Haltung und Pflege. Man fand sie im Feld zwischen der Bundesstraße und der Autobahn.

„Auffällig waren die zahlreichen Streunerkatzen in den letzten zwölf Monaten. Natürlich unkastriert mit vielen Katzenkindern als Konsequenz“, erzählt die Vorsitzende. Sie weist auf die Kastrationswochen vom 17. bis 29. Januar hin, die in Zusammenarbeit mit Tierarztpraxen stattfinden – eine Aktion des Deutschen Tierschutzbundes Rheinland-Pfalz, dem sich die Tierschutzvereine Haßloch, Speyer und Schifferstadt anschließen. Wer in dem Aktionszeitraum seinen Kater oder seine Katze kastrieren lässt, erhält vom Haßlocher Tierheim einen Zuschuss zu den Kosten. Die Rechnung des Tierarztes gilt als Nachweis. Das Tierheim unterstützt mit 20 Euro für Kater und 30 Euro für Kätzinnen. „Wir beraten dazu gerne“, so Fützenreiter.

Noch Fragen?

Haßlocher Tierschutzverein, 06324 4944, tierschutzverein.hassloch@t-online.de

Mehr zum Thema
x