Kreis Bad Duerkheim „Täter handeln blitzschnell“
„Jeder Einbruch ist ein Einbruch zu viel“, betont Kriminalhauptkommissar Joachim Bossek von der Zentralen Prävention des Polizeipräsidiums Ludwigshafen. In diesem Jahr waren es in der Verbandsgemeinde Deidesheim bereits 28 zu viel.
Bossek gab am Mittwochabend im Ratssaal der Verbandsgemeinde Deidesheim rund 50 Besuchern Tipps für ein sicheres Zuhause. Wohnungseinbrüche seien immer „ein einschneidendes Erlebnis“, bei dem der seelische Schaden oft schwerwiegender sei als der materielle, führte Wolfgang Brunke, der Leiter der Polizeiinspektion Haßloch aus. Eine Reihe von Zuhörern konnte das bestätigen. Sie waren selbst schon einmal Opfer eines Wohnungseinbruchs geworden, haben unter Unsicherheit und Ängsten gelitten und „mindestens ein halbes Jahr lang sehr schlecht geschlafen“, wie einer der Anwesenden ausführte. Viele Opfer fühlen sich sogar so unsicher, dass sie umziehen, berichtete Joachim Bossek. Beliebt sind bei Einbrechern in der Verbandsgemeinde Deidesheim vor allem Objekte in Ortsrandslagen, zumal die Nähe zur Autobahn A 65 und zu den Landstraßen gute Fluchtmöglichkeiten bietet. Das sagte Jochen Gleich, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Haßloch, auf Anfrage. Zwar gebe es auch örtliche Täter, in der Regel gehörten die Wohnungseinbrecher aber Banden an. Gleich nannte auch Zahlen, wie sich die Anzahl der Wohnungseinbrüche in den letzten fünf Jahren (jeweils im Vergleichszeitraum von Januar bis Oktober) entwickelt hat. 2012 wurden 18 Einbrüche gemeldet, 2013 waren es 13, im folgenden Jahr 15. 2015 wurde 22-mal eingebrochen, im laufenden Jahr wurden bislang 28 Einbrüche bekannt. Inzwischen wurden in der Pfalz mehrere Serientäter gefasst, so Gleich. Etwa die Hälfte der Einbrüche sind Tageswohnungseinbrüche, meist „Dämmerungseinbrüche“, wenn es dunkel wird. Die andere Hälfte, und das nannte Bossek „gravierend“, seien mittlerweile Nachteinbrüche, „ohne dass die schlafenden Bewohner es merken“. Allerdings gebe es in den vergangenen zwei Jahren in Rheinland-Pfalz mehr versuchte Einbrüche als vollendete. In seinem kurzweiligen, trotz des ernsten Themas humorvollen Vortrag gab er Tipps zur Prävention und vor allem zu bedenken: „Die Täter handeln blitzschnell“, wie ein Mini-Kurzfilm zeigte. Da geht jemand an einem gekippten Fenster vorbei, eine kurze, unauffällige Bewegung des Arms, und das Fenster hängt nur noch an einer Ecke fest. Das Fazit: „Gekippte Fenster sind offene Fenster.“ Ein geschlossenes Fenster hätte es dem Einbrecher schwerer gemacht, vor allem ein den DIN-Normen entsprechendes. Auch Türen sollten gegen Einbruch gesichert sein. Bossert zeigte Beispiele und nennt Schwachstellen, die geübten Einbrechern das Herz lachen lassen: Balkon- oder Terrassentüren, in Mehrfamilienhäusern die Wohnungstür, sehr oft ein Fenster. Meist wird einfach aufgehebelt. Bossek betonte Sinn und Bedeutung von DIN-Normen, reichte Schaustücke herum, berichtete über Nachrüstung und dass es dafür auf Antrag bei der KFW-Bank Zuschüsse gibt. Er erklärte auf Fragen, warum Rollläden kein Einbrecherschutz sind und in welchen Räumen man bei Dunkelheit am besten das Licht brennen lässt, um Präsenz zu zeigen. Große Teile, sagte Bossek auf Fragen von Zuhörern, nehmen die Einbrecher selten mit. Sie haben es eilig und bevorzugen „Kleinigkeiten“ wie Schmuck, Geld, auch Laptops. Im Übrigen sei es ganz wichtig, ein paar Regeln zu beachten: Beim Weggehen Fenster zu, Türen abschließen und niemals den Schlüssel draußen verstecken. Keine Hinweise auf längere Abwesenheit geben wie einen überquellenden Briefkasten, eventuell den Nachbarn bitten, das Auto mal umzuparken. Und ansonsten: Augen auf, auf Fremde in der Umgebung achten, und bei Auffälligkeiten wie „Gaunerzinken“ in Form von Steinen oder Kabelbindern, aber auch bei verdächtigen Geräuschen die Polizei informieren. Über Sicherheitsmaßnahmen und Nachrüstung berät die Polizei individuell vor Ort. Für die Verbandsgemeinde Deidesheim übernimmt die Erstberatung der Bezirksbeamte Peter Stuhlfauth. Sicherheitstipps gibt es auch im Internet unter www. polizei-rlp.de |hjm