Hassloch
SPD-Kandidat Ralf Trösch: Die Schullandschaft erweitern
Mit dem Neubaugebiet „Südlich der Rosenstraße II“ wird die Gemeinde um einige hundert Einwohner wachsen. Viele junge Familien sollen sich hier niederlassen. Deshalb gilt es für Trösch, rechtzeitig die Weichen zu stellen, denn die vorhandenen zwei Grundschulen hätten inzwischen die Kapazitätsgrenze erreicht. Noch ein Stockwerk auf eine der vorhandenen Schulen draufsetzen, anbauen oder sich mit Systembauten behelfen: Das sind seiner Ansicht nach keine Alternativen. „Wir brauchen eine dritte Grundschule in Haßloch“, fordert der SPD-Kandidat.
Dritte Grundschule zusammen mit freiem Träger
Kaum habe er diese Forderung ins Spiel gebracht, hätten sich schon Montessori und Waldorf gemeldet und ihr Interesse bekundet, sagt Trösch. Seine Idee: Man könnte freie Träger einbinden und beides unter dem Dach einer dritten Grundschule vereinen. Beispielsweise könnte ein Flügel aus einer staatlichen Schule bestehen, der andere Montessori- oder Waldorf-Pädagogik anbieten. Auf diese Weise würde Haßloch ein breites Spektrum anbieten – so wie schon jetzt Eltern in Haßloch die Wahl hätten, ob sie ihre Kinder in eine Grundschule mit Halbtags- oder Ganztagsbetrieb schicken. Eine dritte Grundschule mit einem solchen Konzept, findet Trösch, „würde unsere Schullandschaft gut erweitern“.
In diesem Zusammenhang hat der SPD-Kandidat einen Vorschlag: „Haßloch sollte aus einem einzigen Schulbezirk bestehen.“ Denn nach seiner Erfahrung als Schuldezernent von 2014 bis 2019 „leben viele gefühlt im falschen Schulbezirk“. Mitten durch die Gemeinde verlaufe die rein geographische Grenze der beiden Bezirke. Alle Eltern sollten aber ihr Kind in die Grundschule schicken können, die sie bevorzugen. Das sei gerade vor dem Hintergrund des unterschiedlichen Angebots der derzeit zwei Schulen wichtig. Zudem seien die Ernst-Reuter-Schule und die Schillerschule aus dem ganzen Ort gut erreichbar. „Im Moment ist das eher eine Vision, aber man sollte darüber nachdenken“, findet Trösch.
„Dranbleiben“ muss die Gemeinde nach seiner Ansicht am Neubau einer großen Kindertagesstätte im Baugebiet „Südlich der Rosenstraße“. Seit seine Amtszeit als Sozialdezernent vor anderthalb Jahren endete, habe sich wenig getan: Das Projekt sei noch im gleichen Stadium, und wann die Kita öffne, sei noch nicht bekannt. Die Verwaltung lege sich nicht einmal auf ein Eröffnungsdatum 2022 fest. „Das geht so nicht“, betont Trösch. Denn der neue Kindergarten löse nicht nur die Provisorien ab, sondern solle ermöglichen, dass die Gemeinde endlich auch Krippenplätze anbieten könne – die vorhandenen befänden sich nämlich ausschließlich in Einrichtungen freier Träger.
„Nachtbus“ und Nachwuchsfestival
Bedarf sieht Trösch auch für die Jugendlichen. Der Blaubär leiste in diesem Bereich eine gute Arbeit, aber erreiche nicht alle jungen Menschen. Für notwendig hält er, einen Streetworker einzustellen, der auch dort hingehe, wo sich Jugendliche aufhalten: „Wir müssen sie dort abholen, wo sie sind.“ Außerdem würde er gerne ein Nachwuchsfestival für junge Bands ins Leben rufen. Schließlich sollte mit dem VRN über Möglichkeiten gesprochen werden, auch später abends noch eine Anbindung Haßlochs an Mannheim zu gewährleisten. Derzeit gebe es nachts ein zeitliches „Loch“, in dem junge Leute vor allem am Wochenende nicht mehr mit dem öffentlichen Nahverkehr nach Mannheim beziehungsweise zurück kommen. Vorstellbar wäre für Trösch auch ein „Nachtbus“, der wie ein Ruftaxi in dieser „Lücke“ fährt.
Der Standort des Blaubär am Rathausplatz habe sich bewährt. Eine Notwendigkeit zur Verlagerung sieht Trösch nicht. Er kann in diesem Zusammenhang nicht verstehen, warum der Rathausplatz, „der nicht marode und zweckmäßig ist“, neu gestaltet werden soll. Für ihn ist es unrealistisch, dass mehr Leute nach Haßloch kommen, wenn man auf dem Platz Gastronomie ansiedle und Bäume pflanze: „Alles gut und schön, aber das ist Wunschdenken und an der Realität vorbei.“ Irgendwann könne man vielleicht über eine Neugestaltung nachdenken, aber es gebe derzeit viele Themen, die er als weitaus dringender ansehe, als den Rathausplatz aufzugraben – abgesehen von den wegen Corona abzusehenden geringeren Steuereinnahmen. Einziger „Dorn im Auge“ ist auf dem jetzigen Platz die „Rialtobrücke“, die von Anfang an keine gute Lösung gewesen sei: Autofahrer, die über die Brücke fahren, könnten spielende Kinder übersehen.
Die Serie
Am 8. November werden neben dem Landrat des Kreises Bad Dürkheim die Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lambrecht und der Gemeinde Haßloch gewählt. Bei den Bürgermeisterwahlen gibt es je drei Kandidaten. In der VG Lambrecht sind das Philipp Fuchs (FWG), Gernot Kuhn (CDU) und Jürgen Schlupp (SPD). In Haßloch treten Tobias Meyer (CDU), Ralf Trösch (SPD) und Peter Stuhlfauth (AfD) an. Jedem Kandidaten bieten wir an, über ein von ihm gewähltes Schwerpunktthema zu berichten.