Wachenheim
Sektfrühstück auf der T-Linie : Tennisclub feiert 50-Jähriges
Damals ist es noch ein „Tennis und Skiclub“: Am 17. Mai 1971 heben einige Wachenheimer ihren Verein aus der Taufe. Mit dabei: Wulf Gehrling (80) und Dieter Wiegand (81). Beide können sich noch lebhaft erinnern. „Ich weiß noch genau, dass wir zwei Plätze östlich des heutigen Hotels ,Goldbächel’ errichten wollten, aber schnell gemerkt haben, dass das Gelände viel zu klein war“, erzählt Wiegand, der immer noch regelmäßig auf einem der fünf Plätze anzutreffen ist.
Die Erfolgsgeschichte des TC Wachenheim beginnt, als das Vereinsgelände im verschlammten, westlichen Teil des Burgtalweihers errichtet werden kann. Das Auffüllmaterial stellt die Winzergenossenschaft Luginsland bereit, die mittlerweile unter dem Namen Weinland Wachtenburg firmiert und zu jener Zeit ein neues Kelterhaus errichtet. „Das war damals nicht so einfach, wir haben uns jeden Samstag zum Arbeitseinsatz getroffen“, blickt Wiegand zurück.
Über die Frau zum weißen Sport gelangt
Die Eröffnung der neuen Tennisanlage mit drei Plätzen findet am 20. Mai 1972 statt. Wulf Gehrling war einer der ersten, der auf der neuen Anlage das Spielen gelernt hat. „Ich bin über meine Frau zum weißen Sport gekommen, hatte vorher noch nie gespielt, bin dann aber 25 Jahre aktiv gewesen“, sagt der Hotelkaufmann, der zehn Jahre lang das Café-Restaurant „Weisses Rössel“ in der Waldstraße oberhalb der Anlage geführt hat.
„Einmal hatte ich mich vormittags mit Emil Diehl und noch zwei Kumpels zum Spielen verabredet, aber uns fehlte an dem Tag die rechte Lust. Da habe ich auf dem Platz an der T-Linie eine Decke ausgebreitet und mit den Jungs ein leckeres Sektfrühstück abgehalten“, erinnert sich der 80-Jährige, der sich aufgrund von Schulterverletzungen durchs Skifahren vom Tennissport zurückziehen musste, dem Club als passives Mitglied bis heute aber treu geblieben ist.
Andersfarbige Outfits waren früher verboten
Wiegand ist einer der ersten, der in den Anfangsjahren der ersten Herrenmannschaft mitspielen darf, obwohl er nie Trainerstunden genommen hat. Der ehemalige Handballer hat ein gutes Ballgefühl, verfügt über die erforderliche Beweglichkeit und darf sich bereits 1977 als Clubmeister in die Vereinschronik eintragen lassen. Auch im Seniorenbereich steht der Autodidakt, von 2005 bis 2015 Clubpräsident, bei den vereinsinternen Meisterschaften mehrfach oben auf dem Treppchen.
Früher sei es übrigens im „weißen Sport“ nicht möglich gewesen, ein andersfarbiges Outfit anzuhaben. „Als Bernd Scharfenberger, das muss so 1996 gewesen sein, in einer blauen Hose spielte, wurde er vom Oberschiedsrichter aufgefordert, eine weiße anzuziehen. Der hat sich aber geweigert und die Anlage wutentbrannt verlassen und das Spiel nicht fortgeführt“, berichtet der ehemalige BASF-Techniker.
Feierlichkeiten verlegt
Auch er hält seinem Club noch immer die Treue und ist bei fast jedem Spiel der Medenrunde ein gern gesehener Zuschauer. „Die Mitgliederzahlen sind damals rasch angestiegen und erreichten in den Boomjahren während der Erfolge von Boris Becker und Steffi Graf mit über 300 ihren Höhepunkt, sodass wir sogar einen Aufnahmestopp verhängen mussten“, berichtet der Erste Vorsitzende Rüdiger Göbel. Im Moment zählt der Verein knapp 180 Mitglieder und ist bemüht, durch Sonderofferten neue Tennisbegeisterte hinzuzugewinnen, um der Abwärtsentwicklung der vergangenen Jahre entgegenzuwirken. So wurde der Beitrag für die Erwachsenen in den ersten zwei Jahren halbiert, Jugendliche sind im ersten Jahr sogar ganz beitragsfrei. Sportlich läuft es in der Saison wieder weitgehend normal. Drei Damen- und zwei Herrenmannschaften sind in der Medenrunde aktiv, bei der Jugend besteht eine Spielgemeinschaft mit dem Sportpark Friedelsheim.
Eigentlich sollten die Feierlichkeiten zum 50-Jährigen des TC bereits im Mai abgehalten werden. Wegen der Pandemie wurde es aber nun September. Und auch die Örtlichkeit musste gewechselt werden: „Wir haben die Feierlichkeiten vom Clubhaus im Burgtal auf die Schwimmbadwiese an der Friedelsheimer Straße verlegt, um uns allen Wachenheimern zu präsentieren und gemeinsam zu feiern“, sagt Göbel. Das Fest sei ein voller Erfolg gewesen und man freue sich, aus dem Gesamterlös 750 Euro an den von der Flutkatastrophe im Ahrtal stark getroffenen HTC Bad Neuenahr spenden zu können. Zu einem der Höhepunkte des Festwochenendes zählte die Ehrung von Gründungsmitgliedern. Neben Gehrling und Wieland waren das Helge Wiegand, Günter und Traudel Schlindwein sowie Elisabeth Henninger.