Kreis Bad Duerkheim Schwarzwaldklinik war gestern
Die meisten Menschen erreichen einen OP-Saal nur in liegendem Zustand. Obendrein auch noch narkotisiert. Dass sich 25 recht lebhafte Leute stehend auf den rund 40 Quadratmetern tummeln, kommt ebenfalls eher selten vor. Gleich vier Ärzte kümmerten sich um die Gäste und sorgten für neu gewonnenes Wissen. So kann sich Irene Gehrlein aus Wachenheim nun besser vorstellen, warum sich die Kosten im Gesundheitssystem immer im Steigflug befinden. „Unglaublich“, war ihr Urteil, nachdem sie die neuen Geräte in Augenschein genommen und erklärt bekommen hatte. Mindestens sechs Personen an medizinischem Personal befinden sich pro Operation um den Patienten herum, erklärte Michael Egenolf, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Alle Eingriffe zusammengerechnet, werden am Krankenhaus zwischen 3500 und 4000 Operationen pro Jahr von insgesamt rund 25 Operateuren bewältigt. Wie es sich auf dem OP-Tisch anfühlt, durfte die elfjährige Pia Denzer erfahren. An ihr demonstrierte Egenolf, in welchen Stellungen Patienten operiert werden könnten. Er skizzierte, wo während einer OP der Anästhesist, wo der Chirurg steht. Er zeigte, wo die im OP scherzhaft sogenannte Blut-Hirn-Schranke verläuft, was ein Springer im Raum verloren hat und wie das mit dem Luftaustausch im OP funktioniert. Weil Keime im OP-Saal so unbeliebt sind wie bei Patienten ein Loch im Kopf, wird die Luft pro Stunde zehnmal komplett umgewälzt. 1000 Kubikmeter Luftaustausch. Hinein strömt jeweils 19,5 Grad kühle Luft, abgesaugt wird Luft, die durch die im Raum befindlichen Menschen auf 19,9 Grad erwärmt wurde. Das sind nur die äußeren Faktoren. Noch spannender sind die Fragen zu den inneren Angelegenheiten einer OP. Zum Beispiel zur Narkose. Andreas Samakas erklärte den RHEINPFALZ-Lesern, wie eine 12.000 Euro teure Beatmungsmaschine funktioniert, wie dick die Schläuche sind, die den Patienten in den Rachen geschoben werden und warum sie einen kleinen Ballon in sich tragen. Er erzählte, wieviel reinen Sauerstoff er in den Körper des Operierten einleiten müsse, um ihn beispielsweise acht Minuten mit Luft zu versorgen. Welch große Bedeutung Anästhesisten bei der wichtiger werdenden Schmerztherapie zukommt, wurde einigen Zuhörern ebenfalls erst gestern klar. Sieben Narkoseärzte seien am Krankenhaus tätig, einer ständig bei Operationen dabei, so Samakas. Dass die Zeiten der Schwarzwaldklinik vorbei sind, sieht man nicht nur am Erscheinungsbild der im Mai 2015 neu eingeweihten drei OP-Räume. Die grün befliesten, fensterlosen Räume, die selbst im narkotisierten Zustand Suizidgedanken auslösten, gehören der Vergangenheit an. Etwas von diesem charakteristischen Grün ist lediglich für die OP-Hauben übriggeblieben, die jeder tragen muss, der die Schleuse Richtung OP betritt. „Die Frisur ist regelmäßig ruiniert“, sagte die zuständige OP-Schwester an die Adresse der Gäste, die auch ihre Schuhe und die Kleidung bedecken musste. Auch diese Maßnahme befreite das Krankenhaus gestern aber nicht von der Pflicht, den OP-Saal nach dem Besuch einer kompletten Reinigung mittels einer sogenannten Wisch-Desinfektion zu unterziehen. Dabei würden sogar Wände komplett abgewaschen, erläuterte Egenolf. Der Chirurg erklärte sämtliche Gerätschaften sehr genau. C-Bogen und Röntgengerät dienen zur Bildgebung während der OP, die auch mal drei bis vier Stunden dauern kann. Multifunktionale Geräte wie der Athroskopie-Turm erlauben das Vordringen zu Gelenken mit einer Kamera. Sogar ein Navigationsgerät ist Teil der OP-Einrichtung. Es dient zur Vermessung von Körperachsen zum Beispiel vor dem Einsetzen künstlicher Kniegelenke. Ob die Arbeit anstrengend ist, wollte Pia Denzer vom Chefarzt wissen. „Es ist schon anstrengend, aber es macht auch Spaß, Menschen zu helfen“, antwortete dieser. Professor Brinkmann hätte es nicht schöner formulieren können. Dann war da noch die Klassiker-Frage: „Was passiert, wenn der Strom ausfällt“. Samakas: „Dann gibt es das Notstromaggregat, das nach fünf bis zehn Sekunden einsetzt.“ Zudem gebe es die Möglichkeit, das System mit Gas zu betreiben. Applaus gab es zum Schluss für die Ärzte. Für Sommertour-Teilnehmer Volker Fleckser gab es die Erkenntnis, dass er sich demnächst ruhigen Gewissens hier operieren lassen kann ...