Kreis Bad Duerkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Schwalbenfreund: Gefiederte Glücksbringer sind willkommen

Kurt Augustin mit der NABU-Plakette.
Kurt Augustin mit der NABU-Plakette.

Wachenheim. Seit vielen Jahren beherbergt der Wachenheimer Kurt Augustin gefiederte Frühlingsboten. Jetzt wurde sein Haus für die Gastfreundschaft mit der NABU-Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ ausgezeichnet.

Wenn im Frühling die Schwalben zu uns zurückkommen, haben sie eine weite Reise hinter sich: Tausende von Kilometern bewältigen die Vögel, deren Winterquartiere südlich der Sahara liegen. Die Langstreckenzieher suchen bei ihrer Rückkehr zielsicher die Gebäude auf, die sie im Herbst verlassen haben. Dort wollen sie ihre Jungen aufziehen.

Kurt Augustin freut sich, wenn er an seinem Haus in Wachenheim wieder das schwatzende Zwitschern der Schwalben hört. Seit vielen Jahren heißt er die geschickten Flugkünstler willkommen: „Sie stören nicht und sollen sogar Glück bringen“, schmunzelt er.

Immer weniger Brutmöglichkeiten

Tatsächlich wurden Schwalben früher als Frühlingsboten und Glücksbringer begrüßt. Ganz selbstverständlich gehörten die ortstreuen Vögel zu den Dörfern und Städten. Doch in den vergangenen Jahrzehnten nahm ihr Bestand immer mehr ab. Mehlschwalben sowie Rauch- und Uferschwalben leiden unter einem massiven Verlust an Brutmöglichkeiten. Viele Nistplätze der Mehlschwalben verschwinden bei Gebäude-Sanierungen.

Zählen zu besonders geschützten Arten

Das Bundesnaturschutzgesetz zählt Gebäudebrüter zu den besonders geschützten Arten. Wie alle Vogelnester dürfen auch ihre Brutstätten nicht zerstört werden. Doch die Lehmnester, die Mehlschwalben an den Außenwänden von Häusern bauen, sind häufig nicht mehr willkommen. Viele Hausbesitzer befürchten Verschmutzungen durch Kot. Dafür hat Kurt Augustin eine einfache Vorrichtung montiert: Der Vogelkot wird durch ein kleines Brett aufgefangen.

Vier Nester bauten die Mehlschwalben an der Westwand seines Hauses dicht unter dem Dach. Noch im vorigen Jahr waren alle bewohnt. In diesem Frühling sind die Schwalben nicht überall eingezogen, zumal zwei Nester teilweise abbrachen. Um sie auszubessern, brauchen die Vögel feuchte Bodenstellen. „An Schlammpfützen sammeln Schwalben lehmiges Material zum Nestbau“, erklärt Burkhard Ort. Der Vorsitzende der Gruppe Mittelhaardt des Naturschutzbundes NABU überreichte Augustin jetzt die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“.

Nester gesucht

Damit wirbt der Naturschutzbund für mehr Toleranz gegenüber den nützlichen Insektenfressern. Ort ruft Bürger in Wachenheim und Deidesheim auf, seiner Gruppe Schwalbennester am Haus zu melden. So ließe sich ein Bild vom lokalen Bestand machen. „Weil Schwalben immer weniger Pfützen zum Nestbau finden, gibt der NABU auch Kunstnester zum Selbstkostenpreis ab“, sagt Ort, der sich über Rückmeldungen aus der Bevölkerung freuen würde. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass wieder mehr Glücksbringer bei uns umherfliegen.

Das erste Nest ist bezogen.
Das erste Nest ist bezogen.
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