Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Schüler sprechen Recht – Gefängnis oder Freispruch?

Für die 10b des Werner-Heisenberg-Gymnasiums sorgte das Prozessspiel für einen gelungenen Abschluss der „Woche der Justiz“.
Für die 10b des Werner-Heisenberg-Gymnasiums sorgte das Prozessspiel für einen gelungenen Abschluss der »Woche der Justiz«.

Richter, Staatsanwalt, Verteidiger: Schüler des Werner-Heisenberg-Gymnasiums schlüpfen in Justizrollen und verhandeln einen fiktiven Diebstahl. Kam es zur Verurteilung?

Franziska Englert

Carmen Otto

Dennis Mühlert (Name fiktiv) steht vor Gericht. Er soll den Geldbeutel von Erwin Becker (Name fiktiv), einem Lieferanten für Tiefkühlkost, aus dessen Lieferwagen entwendet haben. Der darin befindliche Betrag: 984,85 Euro. So oder so ähnlich könnten sich Kriminalfälle in Bad Dürkheim tatsächlich abspielen. Am Donnerstag war dieser fiktive Fall jedoch Gegenstand eines Prozessspiels der 10b des Werner-Heisenberg-Gymnasiums (WHG) im Bad Dürkheimer Amtsgericht. Im Rahmen der „Woche der Justiz“ wurde den Schülerinnen und Schülern der Alltag der Justizarbeit nähergebracht.

Die „Woche der Justiz“ in Rheinland-Pfalz ist eine Aktionswoche vom 23. bis 27. Juni, in der Gerichte, Staatsanwaltschaften und Justizvollzugsanstalten ihre Türen öffnen und Bürgern spannende Einblicke in ihre Arbeit ermöglichen. Ziel ist es, die Justiz transparent zu machen, Vertrauen in den Rechtsstaat zu stärken und zu zeigen, wie Recht im Alltag gelebt wird. „Hier in Bad Dürkheim wollen wir auch explizit Kooperationen mit Schulen anbieten und Schülern zeigen, welche Berufsbilder es in der Justiz gibt“, betont Daniel Hoffmann, Direktor des Amtsgerichts.

Gerichtssaal wird zum Klassenzimmer

Am Donnerstag um 9 Uhr betreten mehrere Schüler der 10b den Gerichtssaal im Amtsgericht. Einige von ihnen tragen Roben – sie schlüpfen in die Rollen von Angeklagten, Staatsanwälten, Verteidigern, Richtern und Protokollanten. Daniel Hoffmann stimmte die Jugendlichen noch einmal auf das Prozesspiel ein und betonte: „Ihr könnt nichts falsch machen, es ist nur ein Spiel.“ Ein Spiel, das am vergangenen Dienstag auch schon Schüler der IGS Deidesheim durchleben durften und welches einen echten Gerichtsprozess möglichst realitätsnah abbilden soll. Im Vorfeld des Prozessspiels besuchten die Schüler des WHG drei Strafsitzungen mit Richter Stefan Platt und bekamen Besuch von Daniel Hoffmann für ein Expertengespräch. Um sich auf ihre Rollen und den fiktiven Fall einzustellen, erhielten sie die frei erfundene Fallakte sowie Regieanweisungen zu jeder Rolle.

Für Stefan Fölker, Sozialkundelehrer der 10b, ein spannendes Projekt. Hoffmann habe die Schule frühzeitig kontaktiert und von der Idee des Prozessspiels berichtet – gemeinsam mit seinen Schülern habe sich Fölker schnell entschieden mitzumachen. „Dadurch, dass wir gerade Projektwoche haben, passt das sehr gut“, sagt er. „Zudem wurden im letzten Schuljahr auch Recht und Rechtsprechung behandelt. Da ist es immer schön, wenn Unterrichtsinhalte in die Tat umgesetzt werden können.“ Schon die Tage vor dem Spiel seien für die Schüler sehr spannend gewesen – theoretische Inhalte seien mit Leben gefüllt und hautnah erlebt worden. „Viele Schüler waren auch verwundert, dass vieles gar nicht so abläuft wie im Fernsehen“, erklärt Fölker.

Die Schüler der 10b sind während der Gerichtsverhandlung gespannt bei der Sache.
Die Schüler der 10b sind während der Gerichtsverhandlung gespannt bei der Sache.

Einführung in den Fall, Belehrung der Zeugen, Anklagesatz, Zeugenvernehmungen, Plädoyers und Urteilsspruch – all das dürfen die Schüler des WHG während des Projekts selbst durchführen. Daniel Hoffmann verfolgt das Ganze interessiert, berichtet zwischendurch aus dem Gerichtsalltag. „Es ist klar, dass so eine Prozesssimulation die Schüler vor Herausforderungen stellt. Aber ich finde sie haben das echt gut hingekriegt“, so Hoffmann. „Es geht auch darum zu zeigen, welche Begrenzungen so ein Verfahren haben kann.“ Insgesamt seien alle Schüler während der „Woche der Justiz“ sehr interessiert und bemüht gewesen.

Dieser Ansicht ist auch Richter Stefan Platt, der die Schüler während der Projekttage ebenfalls begleitet hat. Das Prozessspiel sei zum ersten Mal durchgeführt worden – Überlegungen für eine Fortsetzung im nächsten Jahr gebe es bereits. „Wir setzen uns nochmal zusammen und schauen, wo es Raum für Verbesserungen gibt und welche Schwierigkeiten entfernt werden können“, erklärt Platt. „Letztendlich ist es ein Spiel und in der Realität läuft ein Prozess auch etwas anders ab. Aber wir freuen uns, den Schülern etwas an die Hand zu geben und sind gerne bereit, das wieder zu tun.“

Spannung im Gerichtssaal

„Also ich fand es toll“, erklärt Schüler Lukas Stirnkorb, der in dem Planspiel die Rolle des Staatsanwalts übernahm. „Wir haben einen Einblick in die Justiz bekommen und es hat auch geholfen, selbst vorne zu sitzen, damit einem die Angst vor dem Publikum genommen wird.“ Milena Manner und Ayliz Karaoglan wurden im Prozessspiel zu Verteidigerinnen – eine Rolle, die sie besonders reizte. „Wir hatten es uns schwieriger vorgestellt, doch am Ende hat ja alles super geklappt.“ Nick Tessmer, der in die Rolle des Richters schlüpfte, hatte ebenfalls Spaß am Projekt, beschreibt aber gleichzeitig die Herausforderung seiner Position: „Die Urteilsfindung war sehr schwierig, weil es viele Widersprüche gab.“

Doch welches Urteil haben die Richter nun gefällt? Nach Ansicht der Schüler des WHG ist der bereits vorbestrafte Dennis Mühlert schuldig – und muss für vier Monate ins Gefängnis. Übrigens: Die Schüler der IGS entschieden sich für einen Freispruch. So zeigt das Prozessspiel im Rahmen der „Woche der Justiz“ eindrucksvoll, wie spannend und vielseitig Rechtsprechung sein kann – und dass am Ende manchmal ganz unterschiedliche Urteile stehen können.

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