Kreis Bad Duerkheim „Rustis“ gehen an den Start

Die Bewohnerinnen (v. l.): Lea Gabel, Lilli-Marie Wolff, Svenja Ohde (verdeckt), Charlotte Pintz, Lilli-Elaine Jörg und Annika M
Die Bewohnerinnen (v. l.): Lea Gabel, Lilli-Marie Wolff, Svenja Ohde (verdeckt), Charlotte Pintz, Lilli-Elaine Jörg und Annika Mißmahl.

In der Mannheimer Straße 42 entsteht ein wohl für ganz Rheinland-Pfalz einmaliges Wohnprojekt: Damit erwachsene behinderte Mädchen außerhalb eines Heims und des Elternhauses zusammen leben und betreut werden können, baut ein Elternpaar für sie eine Wohngemeinschaft und zwei große Häuser. Die sechs Mädels, die „Rustis“, sollen nächstes Jahr einziehen können.

Lilli-Elaine, Lea, Charlotte, Annika, Svenja und Lilli-Marie sind junge Frauen zwischen 20 und 35 Jahren, die alle zu Hause wohnen und in den Werkstätten der Lebenshilfe Bad Dürkheim arbeiten. Dass sie ein Handicap haben, soll sie nicht davon abhalten, wie andere junge Menschen auch, bald zu Hause aus- und in ihre eigene „Bude“ einzuziehen. Dass sie dies können, haben sie vor allem dem Engagement von Lilli-Elaines Eltern, Sibille und Andrej Jörg aus Bad Dürkheim (beide 50 Jahre alt), zu verdanken, die das Bauprojekt im Wohngebiet „Rustengut“ initiiert haben. Hintergrund war auch, dass es für Plätze im Wohnheim der Dürkheimer Lebenshilfe lange Wartezeiten gibt und dort der Altersschnitt deutlich höher ist. Auf dem Brachgelände in der Mannheimer Straße entstehen zwei zweigeschossige Häuser mit zwei Wohngemeinschaften (WG) für behinderte Menschen – jeweils im Erdgeschoss. Dazu gibt es neun Wohnungen, die auf dem freien Markt vermietet werden sollen. Sibille Jörg, Bauherrin zusammen mit ihrem Mann, wird auch ihre Allgemeinarztpraxis dort eröffnen. Gestern war unter anderem zusammen mit den Mädchen, deren Eltern und Vertretern des Jugendamts (Kreis Bad Dürkheim), der Stadt, des Landes, der Lebenshilfe und des Kaiserslauterer Bauunternehmens Horn Spatenstich für das Fünf-Millionen-Projekt. Im Hintergrund waren schon Bagger- und Lastwagenfahrer am Arbeiten, die Baugrube ist ausgehoben. Vor zwei Tagen waren Arbeiter auf Sünden früherer Jahre gestoßen: Im Boden steckt Bauschutt – etliche große Betonteile. Die müssen auf Empfehlung der Baufirma jetzt entsorgt werden. Sehr zum Ärger von Andrej Jörg. „Das kostet uns jetzt schon 150.000 Euro mehr“ sagte er gestern. Das Privatvorhaben wird auch erleichtert durch das neue sogenannte Bundesteilhabegesetz, das Menschen mit Einschränkung ein Leben wie anderen auch – mitten in der Gesellschaft – ermöglichen soll. Dafür gibt es entsprechend Geld: einen Kredit über eine Million Euro der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz, 10.000 Euro vom Sozialministerium direkt – sowie ein Förderdarlehen über 1,5 Millionen für die Kfw-55-Bauweise. Daneben ist aufgrund der neuen gesetzlichen Situation – es fehlt noch ein Rahmenvertrag auf Landesebene – noch vieles unklar: Ob die Lebenshilfe etwa die jungen Frauen betreuen wird. Denn noch steht nicht fest, wie viel Geld sie als Dienstleister dafür bekäme. Andrej Jörg ist aber sicher: „In 385 Tagen sehen wir uns hier wieder.“ Dann sollen die „Rustis“ einziehen.

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