Blickpunkt Wirtschaft
Ringmetall-Gruppe übernimmt Rhein-Plast
Einstelliger Millionenbetrag als Kaufpreis
„Wir starten durch“, sagt der neue Chef Rainer Carqueville, Leiter des Geschäftsbereichs „Industrial Packaging Liner“ bei Ringmetall, zu dem Rhein-Plast nun gehört. Der Investor hat sich zum Stichtag 1. Februar mit der Rhein-Plast GmbH auf die Übernahme des Geschäftsbetriebs sowie der Produktionsanlagen und -immobilien der Gesellschaft im Rahmen eines sogenannten „Asset Deals“ geeinigt. Der Gläubigerausschuss habe dem Verkauf im Dezember zugestimmt, der Kaufpreis liege in Höhe eines einstelligen Euro-Millionenbetrages, ergänzt Carqueville.
Fehlende Aufträge, Kostensteigerungen und Materialmangel hatten dem Folienhersteller für die Pharma-, Lebensmittel- und Automobilindustrie zugesetzt. Mitte Juni 2021 griff das Unternehmen auf die Sanierungsmöglichkeit eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung mit einem Sachwalter zurück. Nun ist ein Sanierungsprogramm umgesetzt. Das bedeutete unter anderem die Umstellung von Fertigungsprozessen, aber auch einen Stellenabbau in Höhe von etwa zehn Prozent. Realisiert wurde dieser auch mithilfe einer Transfergesellschaft (wir berichteten). Heute beschäftigt die Rhein-Plast, deren Name als Marke und als Logo im Verbund erhalten bleibt, über 80 Mitarbeiter.
Unternehmen sucht Produktionsmitarbeiter
Die Belegschaft wurde Ende Januar in einer Betriebsversammlung über den neuen Eigentümer Ringmetall informiert. Die bisherige Geschäftsleitung um Roger Eisemann (Geschäftsführer) und Thomas Eisemann (Leiter des Vertriebs und Marketing) sowie Produktionsleiter Christian Gumpert „bleibt an Bord“, informiert Thomas Eisemann. Ergänzt wird sie um die geschäftsführenden Mitglieder Clemens Aiple als Finanzleiter des Geschäftsbereiches der Gruppe und Rainer Carqueville als gesamtverantwortlichen Bereichschef. „Wir wollen die Expertise der alten Mannschaft nicht missen“, betont Carqueville.
„Rhein-Plast hat den Weg einer radikalen Sanierung im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens nicht gescheut und ihn durchschritten. Die Chancen im neuen Verbund stimmen uns sehr zuversichtlich, vor allem auch, weil es menschlich passt“, betont Roger Eisemann. Dem stimmt Carqueville zu. Ringmetall agiere auf Augenhöhe mit dem Mittelständler: „Wir wollen die DNA der Rhein-Plast nicht verändern.“ Ringmetall wolle Kunden und Belegschaft mitnehmen. Rhein-Plast passe „vom Produkt und vom Charakter zur Ringmetall wie der Deckel auf ein Fass“. Zudem wolle das Unternehmen wieder wachsen: „Wir suchen aktuell Produktionsmitarbeiter.“ Für das laufende Geschäftsjahr erwarte die Geschäftsführung einen Umsatzbeitrag zur Gruppe von 13 Millionen Euro.
Niederlassungen auf der ganzen Welt
Bei der Belegschaftsversammlung hatte Christoph Petri, Vorstand der Holding Ringmetall SE, die Strategie und Motivation der Übernahme erklärt: „Durch die Integration von Rhein-Plast in die Ringmetall- Gruppe verfügen wir neben einem breiteren Produktportfolio zukünftig über mehr Produktions-Know-How und Fertigungstiefe im Produktbereich der Fass-Innenhüllen und Inliner.“ Zum Geschäftsbereich „Liner“ (Innenhüllen) gehören auch das Unternehmen Nittel in Halle und Tesseraux in Bürstadt. Petri baut zudem auf neue Kunden: „Wir sichern uns ein Netzwerk unter anderem zu Kunden aus der Pharmabranche. Hiervon wird der Konzern als Ganzes profitieren können.“
Das börsennotierte Unternehmen Ringmetall ist nach eigenen Angaben ein international führender Spezialanbieter in der Verpackungsindustrie. Der Geschäftsbereich Industrial Packaging bietet Verschlusssysteme und Innenhüllen für Industriefässer für die chemische, petrochemische, pharmazeutische und lebensmittelverarbeitende Industrie. Der Bereich Industrial Handling entwickele Fahrzeuganbauteile zum Transport von Verpackungseinheiten. Neben der Konzernzentrale in München verfügt Ringmetall über Produktions- und Vertriebs-Niederlassungen in Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien, der Türkei, den Niederlanden, China und den USA. Der weltweit erwirtschaftete Jahresumsatz liegt bei rund 170 Millionen Euro.
Von Ruchheim nach Ungstein
Den Grundstein für den Folienhersteller Rhein-Plast legte Karl Eisemann in Ruchheim. Mit Entwicklungen rund um den Kunststoff Polyethylen (PE) in der BASF wurden erste Maschinen zur Konfektionierung von Beuteln aus Folien aufgestellt und auf den Markt gebracht. 1959 gründete Karl Eisemann mit seinem Schwager Heinrich Schäfer die Firma Rhein-Plast Eisemann & Schäfer – seit 1961 Rhein-Plast GmbH –, die 1969 nach Ungstein umsiedelte.