Pfalz
Probleme mit dem Elektro-VW: Blackout im Stromer
Das Elektroauto ID.3 des Volkswagenkonzerns war im abgelaufenen Jahr ein Senkrechtstarter. Auch in der Pfalz haben sich etliche Kunden für den Wagen entschieden. Allerdings gab es in letzter Zeit immer wieder ein Problem: Das Auto fuhr nach dem Abstellen nicht mehr hoch – kein Strom.
Allein in der Vorderpfalz sind zwei Fahrer auf diese Weise liegen geblieben und mussten ihr Fahrzeug vom Abschleppdienst in die Werkstatt bringen lassen. Denn Anschieben geht beim Stromer nicht.
Eine dritte Kundin wurde rechtzeitig von einem ID.3-Besitzer mit einer Panne gewarnt und machte von sich aus einen Termin im zuständigen Autohaus – bevor sich der Wagen nicht mehr muckste. Die Ursache in allen drei Fällen: Es fehlte ein wichtiges Update, das dafür sorgt, dass sich die ebenfalls verbaute 12-Volt-Batterie nicht versehentlich entlädt.
Das Display bleibt schwarz
Informiert wurden die E-Auto-Fahrer darüber von Volkswagen nicht. Erst hinterher, als mit dem Auto schon nichts mehr ging, sei er im Internet auf einen allgemeinen Update-Hinweis von Volkswagen gestoßen, erzählt zum Beispiel der Wachenheimer Uwe Siegrist, ohne dass klargemacht worden sei, für welchen ID.3 genau. Als er vom Büro aus nach Hause fahren wollte, blieb sein Display am Lenkrad schwarz.
Siegrist hat eine frühe Version des Elektro-VW, den „First“. Jeder dieser Pioniere sei darauf aufmerksam gemacht worden, dass seine Software noch nicht komplett sei, versichert VW-Sprecher Stefan Voswinkel: „Die Kunden früher ID.3 haben die Auslieferung mit reduziertem Software-Umfang explizit akzeptiert.“
Dem widerspricht Uwe Siegrist vehement: „Es war schon klar, dass die Funktionalität der Software bei der First-Edition eingeschränkt ist“, hält er dagegen. „Dass das aber zu einem Totalausfall des Fahrzeugs führen kann, war nicht klar.“
Obwohl die beiden anderen in der Region betroffenen Elektroautos keine frühe ID.3-Version sind, hatten auch sie das Update noch nicht. Denn das kam erst ab 7. Dezember zum Einsatz, wie der Volkswagen-Konzern in Wolfsburg erklärt.
„Ein sehr großer Teil der Kunden früherer ID.3 bekam dieses Update im ersten Quartal 2021 auf ihr Fahrzeug gespielt“, betont VW-Sprecher Voswinkel. Nur eben mindestens zwei Fahrzeuge in der Pfalz nicht.
Zwar bestätigen die zuständigen Werkstätten, dass sie von VW darüber informiert wurden, dass die ID.3, die vor der zweiten Dezemberwoche produziert wurden, das Update brauchen. Ein solcher Hinweis werde aber nur für kurze Zeit und ganz allgemein eingeblendet und verschwinde dann wieder, heißt es.
Bundesweit 1600 Fahrzeuge liegen geblieben
Das bedeutet: Welchem konkreten E-Auto die Software gegen das Liegenbleiben fehlt, sehen die Werkstätten erst, wenn sie gezielt auf die Fahrzeugdaten zugreifen. Etwa wenn der Kunde anruft und fragt: Einem Bekannten ist der ID.3 ausgefallen, weil ein Update fehlt. Brauche ich die Software auch?
Deutschlandweit waren wegen der veralteten Software 2,7 Prozent der ID.3 ohne Strom und mussten abgeschleppt werden, bilanziert VW. Bei rund 60.000 verkauften E-Autos macht das immerhin über 1600 Fahrzeuge. Mit dem Update beziehungsweise dem neuen Programm habe sich die Liegenbleiber-Quote auf 0,8 Prozent reduziert, beruhigt Stefan Voswinkel, „und wird unseren Prognosen zufolge mit der seit Anfang März verfügbaren ID.Software2.1 weiter sinken“.
Alles ist eben eine Frage der Kommunikation.