Kreis Bad Duerkheim Probleme in der Lieferkette

Viele Apotheker stellen inzwischen selbst Hand-Desinfektionsmittel her, weil an Ware von Händlern kaum mehr zu kommen ist. Hier
Viele Apotheker stellen inzwischen selbst Hand-Desinfektionsmittel her, weil an Ware von Händlern kaum mehr zu kommen ist. Hier füllt Pamela Matheis das Mittel in der Wachenheimer Burgapotheke ab.

In den Apotheken der Region gibt es – bis auf Atemschutzmasken – weiter die gewohnten Medikamente und Waren. Engpässe gibt es zwar, die haben aber wenig mit Corona zu tun. Inzwischen stellen Apotheken selbst Desinfektionsmittel her – mit Rohstoff aus ungewöhnlicher Quelle.

Bis vor Kurzem hat Hans Jacob von der Burg-Apotheke in Wachenheim Hamsterkäufe bei verschreibungspflichtigen Medikamenten beobachtet – soweit Ärzte das mit entsprechend ausgestellten Rezepten mitgemacht hätten. Das hielt eine gute Woche lang an. Inzwischen herrsche wieder normaler Betrieb. Probleme in der Lieferkette diverser Präparate gibt es schon seit Längerem – unabhängig von der Pandemie. Ist ein bestimmtes, vom Arzt verordnetes Medikament gerade nicht verfügbar, kann der Apotheker stattdessen ein anderes mit dem gleichen Wirkstoff abgeben. Es gebe sowieso fast immer mehrere Anbieter für Medikamente mit gleichen Wirkstoffen, erklärt Jacob. Man müsse sich dann aber etwas mehr Zeit für die Kunden nehmen, um das zu erklären.

Desinfektionsmittel werden im Moment in der Apotheke selbst hergestellt. Das sei etwas teurer, den Leuten aber das Geld wert, so Jacob. Das Einzige, was er definitiv im Moment nicht parat hat, sind Atemschutzmasken. Aber auch hier rechnet der Apotheker in den nächsten zwei Wochen mit Entspannung.

Botendienst boomt

Man merke, dass die Leute lieber zu Hause blieben, sagt der Inhaber der Apotheke am Obermarkt, Georg Scheidel. Der Publikumsverkehr in der Dürkheimer Apotheke ist nach seinen Beobachtungen seit über einer Woche zurückgegangen. Die Kunden ließen sich ihre Sachen aus der Apotheke lieber vom Botendienst bringen. Dafür klingelt jetzt das Telefon fast pausenlos. Auch Scheidel bestätigt, Lieferschwierigkeiten habe es schon vor Corona gegeben. Krankenkassen, die Verträge mit bestimmten Pharmafirmen hätten, reagierten aber „großzügig“, wenn Medikamente anderer Hersteller mit gleichem Wirkstoff ausgehändigt würden, weil an das Gewünschte nicht heranzukommen ist, berichtet der Apotheker. So werde auch vermieden, dass sich Kunden oder Boten zweimal auf den Weg machen müssten.

Als Gerüchte zum Einfluss bestimmter Medikamente auf eine Coronavirus-Infektion aufkamen – zuerst sagte man das von Ibuprofen, dann von Paracetamol – habe sich die starke Nachfrage nach wenigen Tagen wieder normalisiert, so Scheidel. In der Apotheke am Obermarkt kann man den waschbaren Mundschutz der Firma Trigema kaufen. Apotheker Scheidel findet es „durchaus sinnvoll“, wenn möglichst viele Menschen in der Öffentlichkeit einen solchen tragen.

Schnapsbrenner helfen aus

Keine „Engpässe außer bei Desinfektionsmitteln“ kennt man bei der Stadt-Apotheke in Freinsheim. Im Moment stellt man sie, wie in den anderen Apotheken auch, nach den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO selbst her. Lieferschwierigkeiten bei anderen Dingen hat Inhaberin Hildegard Regitz „auch ohne Corona“ schon festgestellt, etwa bei Blutdrucksenkern und Schilddrüsenmedikamenten. Bei einem Blutdrucksenker hat eine neue Produktionsanlage in China nicht sachgerecht funktioniert, die Präparate waren verunreinigt, das verknappte das Angebot in dieser Sparte. Für Einmalhandschuhe verlangten die Hersteller im Moment das Drei- bis Fünffache, klagt die Apothekerin. Was fehle, seien Atemschutzmasken. Der Run auf Paracetamol habe schnell wieder nachgelassen, berichtet Regitz.

Ab Anfang März sei der Betrieb etwa zwei Wochen lang „chaotisch“ gewesen, sagt Petra Schnebel, Angestellte der Riesling-Apotheke in Ellerstadt. Hauptsächlich Immunpräparate und Desinfektionsmittel seien über die Theke gegangen und man habe deutlich gemerkt, dass die Leute vor der sich abzeichnenden Verbreitung des Virus ihre Hausapotheke aufgefüllt haben. Inzwischen habe sich der Betrieb wieder normalisiert. Auch in der Riesling-Apotheke gibt es größeren Beratungsbedarf, weil man wegen der Lieferengpässe zu alternativen Präparaten greifen muss, besonders bei Blutdrucksenkern. Den Alkohol zum Herstellen von Desinfektionsmitteln liefern der Apotheke nun Schnapsbrenner, denn an Alkohol von Großhändlern sei mittlerweile „auch schwer dranzukommen“, sagt Schnebel.

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