Wachenheim / Hassloch
Pflege: „Wer hat noch Kapazitäten?“
Alwin Diehl aus Weisenheim am Berg hatte sich nach der kurzfristigen Kündigung des Pflegevertrags seiner Schwiegermutter aus Friedelsheim durch ein Schreiben der Caritas Dienste Mobil GmbH (CDM) an die RHEINPFALZ gewendet. Nur zwei Wochen blieben Diehl und anderen Betroffenen, einen neuen Pflegedienst zu finden. In Zeiten des Pflegenotstands ein sehr schwieriges Unterfangen – auch für Alwin Diehl. Er habe einige Pflegedienste kontaktiert, darunter auch die Christliche Sozialstation Bad Dürkheim/VG Freinsheim. Doch nur ein Dienst aus Ellerstadt hatte noch freie Kapazitäten, Diehls Schwiegermutter in den eigenen vier Wänden zu pflegen. „Das war unser letzter Joker“, sagt Diehl. Der Übergang habe dann aber nahtlos geklappt. Seines Wissens nach seien alle Betroffenen versorgt, in manchen Fällen seien Angehörige eingesprungen.
Der Wachenheimer Verbandsbürgermeister Torsten Bechtel (CDU) bestätigt, dass alle Menschen nun betreut seien. Bechtel sagt, er sei erleichtert, spricht aber auch von einem „Warnschuss“, der die Probleme bei der Pflege aufgezeigt habe. Der Wachenheimer Verbandsbürgermeister hatte in einem Schreiben an den Caritasverband für die Diözese Speyer, zu der die CDM gehört, ebenso wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger und der CDU-Landtagsabgeordnete Markus Wolf sein Unverständnis über die Kündigung kurz vor Ostern zum Ausdruck gebracht.
Pandemie hat Druck auf Mitarbeitende verstärkt
Er könne der Kritik nur mit tiefem Bedauern zustimmen, räumte der Vorsitzende des Caritasverbands, Karl-Ludwig Hundemer, in seinem Antwortschreiben ein. Das Vorgehen sei nicht rücksichtsvoll und nicht professionell gewesen. Der Zeitpunkt, die Kündigungen an Gründonnerstag auszusprechen, sei „schlecht gewählt“ gewesen. Allerdings hätte die CDM intensive Anstrengungen unternommen, die Versorgung der Kunden trotz Personalmangels aufrecht zu erhalten. Die Pandemie sowie die Impfpflicht für Pflegekräfte habe den Druck auf die Mitarbeitenden aber immer weiter verstärkt. Zuletzt sei dieser zu groß geworden, weswegen eine Kündigung der Verträge der Kunden in Ellerstadt, Friedelsheim und Gönnheim unumgänglich gewesen sei. Bereits vor den Kündigungen habe es sich die CDM zur Aufgabe gemacht, die Versorgung der betroffenen Kunden über umliegende ambulante Pflegedienste ab dem 1. Mai sicherzustellen. Wäre dies nicht gelungen, hätte die CDM alle Betroffenen versorgt, bis eine adäquate Lösung gefunden worden wäre, versicherte Hundemer.
Doch warum ist überhaupt ein Anbieter aus Haßloch für die Pflege von Menschen aus Friedelsheim, Gönnheim und Ellerstadt zuständig? Die Krankenpflegevereine in der Verbandsgemeinde Wachenheim waren Träger der Christlichen Sozialstation Haßloch-Mittelhaardt – aus historischen Gründen. Die Haßlocher Sozialstation wiederum ging 2021 in den CDM auf, die die Kunden aus der Verbandsgemeinde Wachenheim übernahm.
Wachenheimer werden von der CDM betreut
Die Pflegebedürftigen aus der Stadt Wachenheim werden anders als die aus Friedelsheim, Gönnheim und Ellerstadt weiter von der CDM betreut. Wie Pfarrerin Julia Heller, gleichzeitig Vorsitzende des Wachenheimer Krankenpflegevereins, sagte, endet die Mitgliedschaft in Haßloch zum Jahresende. „Wer aber durch die CDM betreut wird und zufrieden ist, muss nichts verändern“, betont Heller. Die Zuordnung der Wachenheimer zu Haßloch sei in den 1970er-Jahren am „Reißbrett“ erfolgt. Man wolle sich Richtung Dürkheimer Sozialstation orientieren, sagt Heller.
Auch Simon Krug, Pfarrer für Friedelsheim, Gönnheim und Ellerstadt und Vorsitzender des Ellerstadter Krankenpflegevereins, will sich nach Alternativen umschauen. Die kurzfristigen Kündigungen der Verträge in den drei Gemeinden sei für ihn als Pfarrer ein „Unding“ gewesen . „Die Frage ist nur: Wer hat noch Kapazitäten?“.