Bad Dürkheim
Pfälzer Hüttenkultur: Was das Ehrenamt besonders macht [mit Video]
Samstagmorgen, 10 Uhr: Bis die ersten Gäste an der Pfälzerwald-Hütte in der Weilach ankommen, dauert es zwar noch – reger Betrieb herrscht trotzdem schon. Vor dem Eingang zur Hütte stehen mehrere Autos, eine Frau wischt die hölzernen Tische und Sitzbänke im Außenbereich ab. Vögel zwitschern, Sonnenstrahlen fallen auf den Ort des Geschehens. Der Spielplatz mit Schaukel und Wippe wartet noch auf die ersten Kinder. Im Inneren der Hütte bereiten die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Pfälzerwald-Vereins Bad Dürkheim alles für den Tag vor.
Einer von ihnen ist Rainer Gretter. Seit eineinhalb Jahren unterstützt er den PWV im Ehrenamt, seit März ist er zweiter Vorsitzender der Dürkheimer Ortsgruppe. Sie hat 520 Mitglieder, von denen rund 100 im Hüttenteam oder als Wander- und Wegewarte aktiv sind. Gretter sorgt sich nicht um die Zukunft, ist aber ständig auf der Suche nach neuen Mitgliedern. „Es gibt etliche Ortsgruppen, die aufgegeben haben. Wir stehen noch gut da, aber wir haben auch eine gewisse Altersstruktur. Wir wollen sicherstellen, das alles so weiterlaufen kann“, sagt Gretter. An Wochenenden betreiben sechs bis sieben ehrenamtliche Helfer die Hütte in der Weilach, besonders sonntags stoße man an seine Grenzen. 2021 wurde die Pfälzer Hüttenkultur von der Unesco als immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet – für den zweiten Vorsitzenden Grund genug, diese am Leben zu erhalten.
Pfälzer Kost beim PWV Bad Dürkheim
Währenddessen brutzeln in der Küche die ersten Saumagen und Bratwürste auf dem Grill. In großen, silbernen Töpfen daneben kochen Sauerkraut und Erbsensuppe, die zuvor aus dem Keller geholt wurden. Auch die ersten Leberknödel warten in einem Behälter auf die Gäste. Mehrere Frauen in Schürzen sind eifrig am Vorbereiten, schneiden weiteren Saumagen und Brot in Scheiben und legen verschiedene Sorten Kuchen in einer Box bereit. Der große Ansturm lässt noch auf sich warten, das Küchenteam ist schon jetzt perfekt vorbereitet. Zu verdanken ist das unter anderem Rainer Gretters Frau Annette, Sigrun Maier und Natalie Wiebelskircher. Alle drei unterstützen den PWV im Ehrenamt.
„Wir wandern sehr gerne und sind selbst immer froh, wenn eine Hütte zum Einkehren geöffnet ist“, erklärt Annette Gretter ihr Engagement. Die Arbeit bereite ihr viel Spaß, zudem habe sie viele neue Kontakte knüpfen können. Auch für Natalie Wiebelskircher ist es der soziale Aspekt, der die Arbeit auf der Hütte ausmacht. Sigrun Maier war schon als Kind mit ihren Großeltern auf Pfälzerwald-Hütten – ihr ist es wichtig, dass die Kultur auch künftigen Generationen erhalten bleibt. „Außerdem koche ich sehr gerne“, sagt Maier. Die Wurst- und Fleischwaren der Weilach-Hütte stammen dabei von der Dürkheimer Metzgerei Tempel, Backwaren liefert die Bäckerei Sippel aus Ungstein. Mittlerweile gebe es sogar eine immer größere Nachfrage nach vegetarischen Gerichten. Auch die Weinauswahl erfolgt regional – unter anderem die Vier Jahreszeiten Winzer und das Weingut Lang beliefern die Hütte.
Ehrenamt im Pfälzerwald lohnt sich
Im Innenraum der Hütte werden rechtzeitig die passenden Schoppegläser sortiert. Der Aufenthaltsraum bietet den Gästen ein rustikales Bild: Holztische, grüne Sitzkissen und blaue Platzdeckchen – an den Wänden hängen Bilder von Natur und historischen Pfälzer Gebäuden. Über dem Ausschank befinden sich zwei Leuchtreklamen für Bier, dahinter stehen in einem Regal mehrere Bier- und Schoppegläser parat. Alles ist vorbereitet, um die Gäste mit Pfälzer Schorle zu versorgen.
Für Rainer Gretter sind die Wochenenden ein Highlight. Pfälzer und Pfalzfreunde aus der Ferne besuchen die Hütte in der Weilach regelmäßig. „Viele Leute kommen vorbei, man kommt ins Gespräch. Die meisten kriegen auch direkt einen Mitgliedsantrag vorgelegt“, sagt Gretter schmunzelnd. Besonders für ältere Menschen, die von Einsamkeit betroffen sind, sei die ehrenamtliche Tätigkeit eine Möglichkeit, Anschluss zu finden. Das älteste Mitglied ist 87 Jahre alt. In Zukunft hofft der 58-Jährige, dass der PWV Bad Dürkheim die Pfälzer Hüttenkultur mit neuen Mitgliedern weiter fördert. „Die Leute merken auch, dass wir Spaß haben. Man bekommt unfassbar viel Positives zurück. Auf so einer Hütte wird Pfälzer Geselligkeit wirklich gelebt. Das ist auch unsere Motivation.“
Ein kurzes Video zur Arbeit in der Pfälzerwald-Hütte sehen Sie hier:
