Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Pauluskirche wird 50 Jahre alt

Klar strukturiert, lichtdurchflutet: das Kirchenschiff.
Klar strukturiert, lichtdurchflutet: das Kirchenschiff.

Für die Pauluskirche, die 2020 ihr 50-jähriges Bestehen feiert, muss der geplante „große Bahnhof“ Corona-bedingt vermutlich bis zum kommenden Frühjahr warten. Eigentlich hätte die akribisch geplante Festivität am 31. Mai, auf den Tag genau ein halbes Jahrhundert nach der Einweihung, stattfinden sollen.

Zum Festgottesdienst unter Mitwirkung aller Hauptamtlichen, des Kirchenchors, der Kindergärten und Pfadfinder, berichtet Presbyterin Ellen Löwer, die mit ihrem Team das Festwochenende vorbereitet hatte, waren auch alle ehemaligen Seelsorger, dazu mehr als 300 Paare, die sich in der Pauluskirche über die Jahre das Ja-Wort geben hatten, eingeladen. Kirchliche und weltliche Prominenz hätte sich die Ehre gegeben, wäre beim anschließenden Empfang sicher gut ins Gespräch gekommen über einen sakralen Standort, der wenige Jahre zuvor schon mal zur Disposition gestanden hatte. Eine Gruppe engagierter Haßlocher Protestanten, an ihrer Spitze der Vorsitzende des 2013 gegründeten Fördervereins, Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld, hatten beherzt und erfolgreich interveniert.

Blick zurück: Während der 1960er Jahre wuchs im Dunstkreis der BASF die Peripherie Haßlochs mit dem Zuzug vieler junger Familien. Unter den damals rund 19.000 Bürgern gab es gut 12.000 Protestanten. Deshalb entschloss man sich, ein eigenes Gotteshaus zu bauen. „Jetzt sind das bei 20.300 Einwohnern noch etwa 8500 Protestanten“, so die ernüchternde Auskunft des geschäftsführenden Pfarrers Friedrich Schmidt-Roscher. Diese Entwicklung hatte für das großflächige Pauluskirchen-Ensemble zu Beginn der 2010er Jahre beinahe das Aus bedeutet, aber stattdessen einen agilen Förderverein auf den Plan gerufen, der seither nach Kräften Förderung und Bauerhalt protegiert.

Denn eigentlich prunkt die Pauluskirche mit allen Insignien moderner Gemeindeästhetik. Der klar strukturierte, lichtdurchflutete Kirchenbau lässt mit variabler Bestuhlung unterschiedliche Raumnutzungen zu. Der jeweilige Prediger, die Predigerin korrespondiert von der niedrigen „Kanzel“ angenehm auf Augenhöhe mit den Gläubigen. Wenige, indes pointierte künstlerische Elemente sind meditativer Blickfang, wie das farbige Kreuzfenster gegenüber der Orgel. Deren Standort integriert auch die Organistin wie selbstverständlich in die Abläufe. Ein Instrument übrigens der Haßlocher Orgelbaufirma Hugo Wehr, auf dem schon Berühmtheiten wie der langjährige Leipziger Thomasorganist Hannes Kästner konzertierten.

Bauerhalt ist Dauerthema

Das Foyer im Eingangsbereich bietet Kommunikationsraum, nicht allein im Anschluss an Gottesdienste – fürs Predigtnachgespräch, Kirchen-Café oder auch mal einen Sektempfang nach einem Konzert. Desweiteren gibt es neben dem Pfarrbüro noch vier Gruppenräume, zwei Archive, Küche und Sanitäranlagen. Der großzügige Vorhof bietet reichlich Parkraum bei Veranstaltungen, bereitet aber auch dem alljährlichen Gemeindefest der Gesamtkirchengemeinde eine ideale Bühne. Die Aufnahme eines kommunalen Kindergartens in einem Teil der Räumlichkeiten sei ein zeitlich begrenztes Projekt, erläutert Schmidt-Roscher. Man werde in absehbarer Zeit wieder komplett über das Raumangebot verfügen können.

Lange bevor andernorts die Vokabel „Mehrgenerationen-Projekt“ die Runde machte, empfahl sich das Pauluskirchen-Ensemble bereits als solches. Nicht zuletzt die Jugend ist in der Pauluskirche gut verortet: Konfirmanden, Pfadfinder – auch mal zum Dampfablassen auf den Bolzplatz hinter dem Gebäude. Vor allem aber ist der vierzügige Pauluskindergarten, den es schon seit 1956 gibt, im Gebäudekomplex präsent. Christliche orientierte Pädagogik im Angesicht von Gemeindeleben. Besser kann’s gar nicht sein, zumal in einem Ortsbereich, der vor allem Familien beheimatet: Zwei weitere Kindertagesstätten und eine Grundschule sind Steinwürfe entfernt.

Der Bauerhalt bleibe Dauerthema, das wolle er nicht kleinreden, sagt Schmidt-Roscher. „Trotz des wirklich nachhaltigen Engagements des Fördervereins.“ Andererseits: „So ein Projekt schweißt die Gemeinde auch zusammen“, ist sich Hans-Ulrich Ihlenfeld sicher. „Unzählige Gemeindemitglieder identifizieren sich mit dieser Kirche. Man könnte sie nicht einfach in ein anderes Gotteshaus ,verpflanzen’. Die Pauluskirche aufzugeben, hätte letztlich die gesamte Haßlocher Gemeinde geschwächt.“

Luther-Nacht, musikalische Adventsandachten immer freitagabends, die Reihe „Gottesdienst anders“ mit Bands und einer eher kommunikativen Bestuhlung – Pfarrer Schmidt-Roscher schätzt gerade dieses Potenzial der Pauluskirche als zukunftsfähig. „Sie ist ein Experimentierraum für die Gemeinde, in dem man mit gebotener Bodenhaftung gerne mal etwas wagt.“ Und so soll es bleiben, auch für die nächsten 50 Jahre.

Formensprache von 1970: die Pauluskirche.
Formensprache von 1970: die Pauluskirche.
Wandteppich als Blickfang: der Altarraum.
Wandteppich als Blickfang: der Altarraum.
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