Der Weintipp RHEINPFALZ Plus Artikel „Nicht so viel Frucht“: Chardonnay von Michael Andres

Betreiben gemeinsam das Weingut: die Brüder Michael (links) und Thomas Andres.
Betreiben gemeinsam das Weingut: die Brüder Michael (links) und Thomas Andres.

Junge Winzer gehen inzwischen oft andere Wege beim An- und Ausbau. Gut so.

Je stärker eine Branche von Moden geprägt ist, umso häufiger kann sie neue Umsätze machen. Mode verkauft sich leichter, wenn der Kunde glaubt, das Produkt vom letzten Jahr sei nicht mehr angesagt. Nachhaltig denkende Menschen müssen diese Spielchen nicht immer mitmachen. Auch beim Wein nicht.

Aber nicht jede Neuerung ist modischer Firlefanz. Verfeinerungen der Arbeit im Weinberg und im Keller haben deutsche Weine erheblich zum Guten verändert. Die Lernbegierde der jungen Generation und das Interesse an Weinstilen anderer Länder haben das deutsche Angebot verfeinert und aufgefächert. Aromatischer, fruchtbetonter Weißwein ohne Holzeinfluss war, nicht zuletzt zu Zeiten des gerade 80 Jahre alt gewordenen Altmeisters der deutschen Önologen, Hans-Günter Schwarz, eine Stärke des deutschen Weinbaus.

Terroir und Sekundäraromen

Aber das ist nicht mehr das alleinige Ziel der jungen Generation deutscher Winzer. Deren Rotweine haben sich erheblich verbessert. Das Sortenspektrum wurde ausgeweitet. Hohe Traubenreife steht nicht mehr im Mittelpunkt des Weinbaus. Die „Naturwein“-Bewegung mit Schwefelverzicht, Quevriausbau oder Weißwein mit Maischegärung ließ eine ganz neue Stilistik entstehen – auch wenn bisher nur vereinzelt wirklich beachtliche Weine auf die Flasche kommen.

Wer so weit nicht gehen will, blickt nach Frankreich und zielt etwa bei Sauvignon, Riesling oder Chardonnay nicht mehr auf sortentypische Fruchtigkeit, sondern auf Terroirausdruck und Sekundäraromen. Der junge Michael Andres aus Deidesheim sagt ausdrücklich: „Ich will nicht so viel Frucht“, und füllt Chardonnays aus Bio-Anbau mit viel Persönlichkeit und Reifefähigkeit ab, mit die besten der Pfalz. Seine größtenteils in gebrauchten Barriques vergorene und ausgebaute Réserve duftet nach Haselnuss und Hefeteig, verfeinert mit einer Nuance Gelbfrucht und zeigt im Mund geschmeidige Fülle ohne Alkoholschwere. Ein Schmuckstück.

Der Wein

2019 Chardonnay, Weingut Andres, 67146 Deidesheim, Telefon: 06326/7708. www.andres-deidesheim.de. 18,50 Euro ab Weingut.

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