Friedelsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Kirchenportal mit hoher Symbolkraft

Begutachten das neue Kirchenportal (von links): Pfarrer Simon Martin Krug, Oberkirchenrätin Marianne Wagner und Dekan Stefan Kun
Begutachten das neue Kirchenportal (von links): Pfarrer Simon Martin Krug, Oberkirchenrätin Marianne Wagner und Dekan Stefan Kuntz.

Mit einem Festgottesdienst hat die protestantische Kirchengemeinde ihr neues Kirchenportal eingeweiht. Es ist der Schlusspunkt der Außen- und Innenrenovierung.

Davon sind allein 30.000 Euro in das neue Portal geflossen, bei dem es sich um eine zweiflügelige Tür aus Stahl und Glas mit zwölf Scheiben und dreiteiligem feststehenden Oberlicht handelt. Gefertigt worden ist in der Kunstschmiede Hans-Jörg Bender in Schweich. Die Glasflächen hat der Trierer Künstler Stefan Quappe nach den Bibelversen Matthäus 25, 35-40 gestaltet.

Die einzelnen Vignetten sind symbolhaft und zugleich hochaktuell. Sie zeigen laut Pfarrer Simon Martin Krug den Zustand der Welt, seien für Christen ein Gewissensspiegel und mahnten zum verantwortungsvollen Umgang mit der Erde. Blickfang im Oberlicht ist eine vom Coronavirus bedrohte Weltkugel. Beide Portalseiten zeigen, von unten nach oben gelesen, unter anderem Menschen, die durch die Wüste ziehen, ein Boot mit Geflüchteten, einen Eisberg als Zeichen des Klimawandels. Als blitzartiges Gebilde erscheinen Krawatten, Zeichen für Börsenmakler und globale Ausbeutung. Ein Demonstrationszug und eine Klinikszene mit Arzt und einem beatmeten Patienten verweisen auf Menschenwürde, Nächstenliebe und Besinnung auf gemeinsame Werte. Einzelne Aspekte der Darstellung seien eingehend diskutiert und innerhalb der Gemeinde – auch bei einem Projekt mit Kindern – erarbeitet worden, erzählte Krug.

Künstler Quappe hat die Glasflächen mit Glasmalfarbe vielschichtig lasierend bemalt. Die Farbsymbolik reicht von Blau (Himmel, Wasser, Lebensfluss) über Gelb (Helligkeit, Lebensfreude, Licht) bis zu Violett (Stille Verwandlung, kirchliche Feste). Ein konturhaft erkennbarer Engel im Hintergrund verweise auf Hoffnung und Erlösung. Die Bibelbezüge des Kunstwerks sind aufgeführt in einem farbigen Flyer, der in der Kirche ausliegt. Während der Öffnungszeiten, von April bis September jeweils Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, kann das Kirchenportal von beiden Seiten besichtigt werden.

Kuntz: „Zeitdokument der Gegenwart“

Presbyterin Anna Maria Reiß skizzierte die Stationen der sechs Jahre dauernden Innen- und Außenrenovierung der Kirche, deren Abschluss das „stimmige und wertige“ Kirchenportal markiere.

Lobende und zugleich kritische Worte fand Fritz Peter, Vorsitzender des Fördervereins. In Zeiten geringer werdender Kirchensteuereinnahmen seien private Spendenprojekte wichtig. So ersetze der Förderverein fehlende Mittel unter anderem durch den Verkauf von Dampfnudeln auf Festen sowie durch einen ganzjährigen Bücherbasar und Flohmarkt. Die Landeskirche dürfe „die Freude am Geldsammeln“ nicht durch Restriktionen behindern.

Dekan Stefan Kuntz bezeichnete das Portal als „Zeitdokument der Gegenwart“, es greife aktuelle Themen wie Flüchtlingskrise, Corona-Pandemie und Klimawandel auf. Im Zuge seiner Entstehung habe es „viel Gesprächsbedarf“ zwischen Presbyterium und landeskirchlicher Bauabteilung gegeben. Einzelne Aspekte seien mit „gewisser Hartnäckigkeit“ eingebracht worden. Mit Erfolg: „Die Tür ist zu einem Juwel geworden“ und lade nun farbenfroh und verbindend Menschen zum Gottesdienst ein.

In ihrer Festpredigt nahm Oberkirchenrätin Marianne Wagner Bezug auf gelingende und misslingende Begegnungen im Matthäus-Evangelium: Unser tägliches Handeln habe Auswirkungen auf die Welt, die Welt retten könne man nur durch eigenes Tun.

Kirchenwein

Für die Restfinanzierung der Baumaßnahme vertreibt der Förderverein zweihundert Flaschen „Kirchenwein“. Der 2021er Forster Schnepfenflug Riesling trocken stammt aus dem gemeindeeigenen Wingert und wurde im Weingut Müller ausgebaut. Er kann zum Flaschenpreis von 10 Euro über das Pfarramt, Telefon 06322 92193, bezogen werden.

x