Kreis Bad Duerkheim „Nervensäge“ – aus unterschiedlicher Sicht

„Zu verkaufen“ steht auf zwei Schildern an der J. J. Artmann Holzwerkstatt in der Elmsteiner Annexe Mückenwiese. Eigentlich möchte Jürgen Joachim Artmann das Sägewerk nicht verkaufen, doch er fühlt sich von Behörden, besonders von der Kreisverwaltung Bad Dürkheim, schikaniert. Beschwerden einer Anwohnerin sind nach Angaben des Zweiten Kreisbeigeordneten Frank Rüttger (CDU) der Grund dafür, warum die Kreisverwaltung Artmann Auflagen macht.
Artmann hatte das rund 45.000 Quadratmeter große Gelände des ehemaligen Sägewerks Roth 2011 gekauft und produziert gemeinsam mit einem Mitarbeiter Landhausdielen aus Massivholz, die über das Internet verkauft werden. Er wolle das Sägewerk, das nach dem frühen Tod des Besitzers Dieter Roth drei Insolvenzen überstanden hatte, wieder zu einem „Schmuckstück“ machen. Außer dem Sägewerk gibt es in Mückenwiese, das direkt an der Landesstraße 499 liegt, sieben Häuser. Inzwischen ist Artmann frustriert, da er von der Verbandsgemeindeverwaltung Lambrecht, aber vor allem von der Kreisverwaltung „geärgert“ werde. Seinen Frust hat Artmann auf zwei alten Schuppen deutlich sichtbar gemacht. Mit großen, farbigen Buchstaben hat er auf die Schuppen geschrieben: „Hier entsteht in Kürze dank der freundlichen Unterstützung der Ämter eine weitere Ruine fürs Elmsteiner Tal“ und „Wegen ständiger Schikane der Baubehörde in DÜW und der VG Lambrecht schließt dieses Sägewerk demnächst“. „Wir wollen Herrn Artmann das Leben nicht schwer machen“, sagt Rüttger. Doch die Kreisverwaltung sei gezwungen zu handeln, da sich eine Nachbarin immer wieder beschwere. Die Frau habe im vergangenen Jahr die Kreisverwaltung darüber informiert, dass auf dem Gelände gebaut werde, berichtet Rüttger. Bei einer Überprüfung habe man festgestellt, dass mit dem Bau eines Fundaments für eine Überdachung begonnen worden sei, ohne dass es dafür eine Baugenehmigung gegeben habe. Er habe mit den Bauarbeiten noch nicht angefangen gehabt, habe trotzdem eine Strafe zahlen müssen, sagt Artmann. Er wollte für eine Blockbandsäge eine Überdachung aus Holz bauen. An der von Artmann vorgesehenen Stelle hätte die Überdachung aus wasserrechtlichen Gründen nicht genehmigt werden können, da der Standort zu nahe am Bach gewesen sei, so Rüttger. Man habe sich deshalb auf einen anderen Standort auf dem Gelände geeinigt. Nachdem ein Bauantrag gestellt worden war, habe die Kreisverwaltung ein Lärmgutachten gefordert. Dies um festzustellen, ob der durch die Säge entstehende Lärm den Nachbarn zuzumuten ist. Artmann kann das nicht nachvollziehen. Seit 150 Jahren gebe es in Mückenwiese ein Sägewerk. Früher seien die Maschinen weitaus lauter gewesen, als dies bei modernen Maschinen der Fall sei. Zudem sei früher täglich von morgens bis abends eine Säge in Betrieb gewesen, in seinem Betrieb werde nur zeitweise gesägt. Das bestätigt der Elmsteiner Ortsbürgermeister Stefan Herter (SWG). Nach seinen Angaben beklagen sich die Bewohner der sechs anderen Häuser von Mückenwiese nicht über das Sägewerk. Wie Herter berichtet, sei die Nachbarin, die sich jetzt beschwere, erst vor einigen Jahren nach Mückenwiese gezogen und habe gewusst, dass sie neben einem Sägewerk wohne. Es habe nie Beschwerden über das Sägewerk gegeben, sagt Rüttger. Doch sobald sich eine Person beklage, müsse die Verwaltung aktiv werden. Wie Rüttger berichtet, hat Artmann kein Lärmgutachten vorgelegt, sondern einen geänderten Bauantrag gestellt. Laut diesem sollten unter der Überdachung Holz und Geräte gelagert werden. Der Bauantrag wurde genehmigt, doch habe Artmann die Blockbandsäge unter die Überdachung gestellt. Was zu erneuten Beschwerden der Nachbarin führte. Artmann sei erneut aufgefordert worden, ein Lärmgutachten vorzulegen. Nach Angaben von Rüttger würde dies etwa 500 Euro kosten. Artmann sagt, er befürchte, dass es mit dem Lärmgutachten nicht getan sei. „Die Befürchtungen sind nicht von der Hand zu weisen“, sagt Rüttger. Er habe deshalb vorgeschlagen, dass Artmann eine Analyse für seinen ganzen Betrieb erstellen lasse. Rüttger schätzt, dass dafür Kosten von etwa 3000 bis 3500 Euro anfallen würden. Je nachdem, wie dieses Gutachten ausfalle, könne das Ergebnis auch sein, dass Artmann seine Pläne nicht realisieren könne, weil etwa Lärmgrenzwerte oder andere Grenzwerte überschritten würden. (ann)