Hassloch
Nach der Zwangspause wieder ein Renntag
Die Spannung steigt beim Pfälzischen Rennverein Haßloch. Nach zwei Jahren ohne Renntag – nicht nur Corona war schuld, sondern auch eine vorangegangene Verwüstung des Geläufs durch Wildschweine – soll es 2021 endlich wieder klappen: Wettanbieter PMU (Pari Mutuel Urbain) soll die neun Rennen sogar in sein Heimatland Frankreich übertragen, in die Wettcafés und online. Ursprünglich trotz Pandemie für den traditionellen Termin zu Himmelfahrt erhofft, steht nun der 1. August im Kalender.
Parallel „Preis der Diana“ in Düsseldorf
„Dieser Renntag soll auf alle Fälle stattfinden, ob mit oder ohne Zuschauer vor Ort“, zeigt sich Geschäftsführer Oliver Jung nach der Zustimmung durch den Dachverband, das Direktorium für Vollblutzucht und Rennen in Köln, so optimistisch, wie es ihm die Pandemie erlaubt. Der staatlich kontrollierte französische Wettanbieter PMU überträgt die Rennen aus Haßloch laut Verein erstmalig auch. Das Phänomen der französischen Wettbegeisterung beschreibt Rennverein-Beisitzer Christian Keller: „Dort ist das Wetten auf Pferderennen etwa so beliebt und normal wie bei uns Lottospielen. Die Franzosen kaufen ihr Brot oder trinken einen Kaffee und wetten gezielt oder spontan.“ Weil am 1. August auch der bedeutende „Preis der Diana“ für dreijährige Stuten in Düsseldorf stattfinde, hoffe man beim Pfälzischen Rennverein, „dass dadurch gleich noch ein paar mehr Rennfreunde auch nach Haßloch rüberschauen“.
Durch die PMU wird laut Keller auch immer der aus Frankreich sendende Galoppsender „Equidia live“ mit bedient. In Deutschland sind Rennen laut Keller stets über den Youtube-Kanal von „Deutscher Galopp“ zu sehen. Alle Jockeys tragen derzeit ebenfalls Mund-Nasen-Schutz, sagt Keller: „Das verlangt ihnen viel ab.“
Geläuf vollständig neu angelegt
Nachdem 2018 Wildschweine das Geläuf auf der Suche nach Futter massiv verwüstet hatten, hatte bereits Fronleichnam 2019 ein Renntag in Haßloch abgesagt werden müssen. 2020 wäre auch vor Corona schon eine stabile neue Grasnarbe Bedingung gewesen. Aber der Rennverein hat die Zwangspause der Galopprennbahn gut genutzt: Das vollständige Geläuf wurde für rund 20.000 Euro neu angelegt. Ein hoher Stabgitterzaun mit Betonfundament hält in Zukunft die Wildschweine fern. Hier lagen die Kosten laut Jung bei 78.000 Euro. Für beide Maßnahmen habe die Gemeinde Haßloch zugesagt, gemäß Vereinsförderrichtlinien 20 Prozent der Kosten zu übernehmen. Eine neue elektronische Beregnungsanlage hat laut Verein außerdem 80.000 Euro gekostet.
Bisherige Renntage in Deutschland im ersten Halbjahr finden coronabedingt alle noch ohne Zuschauer statt, erläutert Oliver Jung. Hier blieben derzeit nur Online-Wetten als alleinige Einnahmequelle. Zudem fänden aktuell keine Veranstaltungen parallel am selben Tag statt. Für den 1. August hofft der Vizepräsident und Geschäftsführer des Pfälzischen Rennvereins, dass wieder Zuschauer zugelassen sind: „Aber ob das klappt und wie viele dann reindürfen, das kann in dieser Situation nun wirklich keiner vorher sagen.“ Statt der gewohnten Tageskarten sieht Jung jedenfalls als Möglichkeit, im Fall eines wegen Corona-Auflagen reduzierten Kontingents die Karten über externe Anbieter in den Vorverkauf zu bringen.
Ohne Zuschauer weniger Personal nötig
Ein durchschnittlicher Renntag bringt laut Jung Fixkosten von etwa 25.000 Euro mit sich. Mindestens die gleiche Summe oder mehr komme für die Rennpreise dazu. Falls weniger oder keine Zuschauer erlaubt sind, reduzieren sich die Ausgaben nach Einschätzung von Jung aller Voraussicht nach um gut zwei Drittel auf etwa 8000 Euro: „Dann braucht es leider weder Catering noch Parkplatzeinweiser, man hätte weniger Personal vor Ort.“
Die ersten vier Rennen werden mit Rennpreisen von PMU durchgeführt, so Jung. Aber auch bei den folgenden fünf Rennen mit Sponsorenpreisen profitiere man von der Zusammenarbeit, erläutert Beisitzer Christian Keller. Nur der Beginn des Renntags sei durch die PMU-Übertragung früher als sonst, betont er: Schon ab 11 Uhr soll es deswegen schon losgehen, nicht wie sonst um 13 Uhr.