Nachklapp Mit der Lupe durch den Ort?
Ach ja, die Lesebrille. Ab einem gewissen Alter geht’s ja nicht ohne. Da steht man dann im Supermarkt, findet noch ohne Probleme Wurst und Käse, aber was stand eigentlich sonst noch auf dem Einkaufszettel? Leider ohne Brille nicht zu lesen. Noch viel unangenehmer, wenn man bei einer Weihnachtsfeier, einem Geburtstag oder sonst einer Feier ein paar nette Worte sagen möchte, alles schön notiert hat – und dann ist im entscheidenden Moment keine Lesebrille da.
Wie gut, dass Straßenschilder in aller Regel gut zu lesen sind. Ortsschilder, Verbotsschilder – alles gut zu erkennen. Das heißt: fast alle Schilder. Innerorts finden sich eine Menge Schilder, für die ältere Menschen eine Lupe brauchen. Hinweise auf Sehenswürdigkeiten zum Beispiel. Abhilfe schaffen sollen da nun barrierefreie Rundwege. Wo solche entstehen, werden nicht nur Bordsteine abgesenkt und die Oberfläche von Straßen und Wegen geglättet. Es werden auch gut lesbare Schilder aufgestellt.
Das ist zumindest die Theorie. In Maikammer indes rieb Ortsbürgermeister Karl Schäfer sich die Augen, als am Rathaus das erste Schild des neuen barrierefreien Rundwegs aufgestellt wurde. In winzig kleiner Schrift war da zu lesen, wo’s lang geht. Schäfer protestierte umgehend. Inzwischen hat nun die beauftragte Firma alle bereits aufgestellten Schilder wieder abmontiert und den Aufbau weiterer Schilder mit Miniaturschrift gestoppt. Jetzt gibt’s neue, mit schönen großen Buchstaben. Auf Kosten der Firma natürlich, wie Schäfer betont.
Was wir bei dieser Gelegenheit übrigens auch gelernt haben: In Deutschland ist die Lesbarkeit von Schriften normiert. Und da geht es keineswegs nur um die Größe der Buchstaben. Die DIN 1450 nennt satte 44 (!) Einflussfaktoren für die Lesbarkeit von Schriften. Übertrieben? Na ja, im Kleingedruckten verbergen sich nicht immer nur die üblichen Floskeln. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.