Bad Dürkheim
Michael Detjen: So gelingt fairer Umgang mit persönlichen Daten
Michael Detjen ist kein Unbekannter in der Region. Er war Gewerkschafter und Politiker. Durch seine Funktionen im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) wurde er ab den 1990er Jahren in der Westpfalz bekannt. Zudem trug er mehrere Jahre in der IG-Metall Kaiserslautern Verantwortung, bevor er 2018 für Jutta Steinruck als SPD-Abgeordneter ins Europäische Parlament nachrückte. 2019 schied er nach der Europawahl wieder aus, bei der er nicht ausreichend Stimmen für eine Wiederwahl erhielt.
Nun, im Ruhestand, bringt er sich als freier Autor unter anderem mit seinen Überlegungen zu gesellschaftlichen Entwicklungen ein. Dabei spielt auch die künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle.
Mit den eigenen Daten Geld verdienen
Jede Information über Alter, Beruf oder Hobby hat einen Wert, wie er im Gespräch verdeutlicht. Das solle sich eben auch auf dem Konto jedes Einzelnen widerspiegeln, sagt Detjen, der seit 2000 in Bad Dürkheim heimisch geworden ist.
Seine Überlegungen hat er zusammen mit dem Co-Autor Rudolf Tillig in dem Aufsatz „Die Monetarisierung von Daten – Warum individuelle Eigentumsrechte dringend erforderlich sind“ niedergeschrieben. Erschienen sind die Ausführungen in dem Sammelband „Digitalisierung und Digitalität“ der Herausgeber Michael Feiten und Henning Stahlschmidt, die darin „Interdisziplinäre Einblicke in technische Möglichkeiten und gesellschaftliche Phänomene“ bieten wollen.
Infos über Alter oder Hobby sind etwas wert
Der 66-jährige Detjen hebt den Wert persönlicher Daten für Mega-Konzerne wie Meta hervor, dem zum Beispiel das soziale Netzwerk Facebook oder der Messaging-Dienst WhatsApp gehört. Über solche Kanäle erhalten Anbieter der Dienste demnach detaillierte Informationen über jeden einzelnen Nutzer; über Alter, Geschlecht, Nationalität, Beruf oder Hobbys. Und zwar „in einer Deutlichkeit und Differenziertheit, wie sie die Personen selbst für sich nicht beschreiben könnten“. So jedenfalls ist es in dem Aufsatz zu lesen, den Detjen und Tillig veröffentlicht haben.
Hier sieht Detjen ein wirtschaftliches Ungleichgewicht, wie er im Gespräch ausführt. „Wir produzieren Daten“, die zum Beispiel genutzt werden, um Werbung gezielt auszuspielen. Damit verdienten Konzerne wie Meta viel Geld. Doch die User von sozialen Netzwerken und Messaging-Diensten bekämen nichts für ihre Daten.
Gewerkschafter und Politiker kommt durch
An dem Punkt kommt dann auch der Gewerkschafter und Politiker in Detjen durch: Er thematisiert, wie Menschen zum Beispiel für handwerkliche Arbeit gerecht bezahlt werden müssen, ein zentrales Anliegen von Gewerkschaften. So müssten die Nutzer von Online-Angeboten heute fürs Liefern ihrer Daten einen Ausgleich bekommen. Er bringt die Datenschutzgrundverordnung ins Gespräch, die in Deutschland verabschiedet wurde. „Trotzdem ist es möglich, dass Daten erfasst werden.“ Doch die Einzelnen als Datenlieferanten „erhalten dafür keine Leistungen“.
Konzerne sollen etwas an Geld zurückgeben
Im Aufsatz schreiben Detjen und Tillig von „Eigentumsrechten an Daten“: Gesetze könnten den Besitz und die Kontrolle von Daten schützen. Unter anderem wäre es möglich, die Bedingungen festzulegen, „unter denen ihre Daten von anderen genutzt werden dürfen“.
Im Gespräch kommt Detjen zum Schluss, dass Meta jedem Einzelnen „etwas an Geld zurückgeben“ sollte, um die Daten zu honorieren. Schließlich seien die Daten die Voraussetzung, um Werbestrategien individuell anzupassen. So wie hier Werbung bezahlt wird, sollten auch die nebenbei zur Verfügung gestellten Daten honoriert werden.