BLICKPUNKT RHEINPFALZ Plus Artikel Menschenkette für Frieden: Was Wachenheimer zur Ukraine sagen

Mit einer Menschenkette um die Kirche zeigen sich die Gebetsteilnehmer solidarisch zur Ukraine.
Mit einer Menschenkette um die Kirche zeigen sich die Gebetsteilnehmer solidarisch zur Ukraine.

Etwa 250 Menschen haben am Mittwoch in der Wachenheimer Georgskirche an einem Friedensgebet teilgenommen, anschließend als symbolische Unterstützung für die Ukrainer eine langen Kette um die Kirche gebildet und gemeinsam die erste Strophe der Europahymne gesungen. Was hat sie an diesem Abend bewegt?

„Das Bedürfnis, das Friedensgebet abzuhalten, kam aus der Gemeinde heraus. Alle Menschen, mit denen ich gesprochen habe, sagten, dass sie kommen wollten, denn sie wissen nicht, wo sie mit ihrer Not hin sollen“, sagt Pfarrerin Julia Heller. Die Gemeinde habe nicht nur für sich, sondern vor allem auch für die Menschen in der Ukraine gebetet. „Die Ukrainer sollen spüren, dass wir bei ihnen sind“.

Pfarrerin Heller kündigt an, es werde in den kommenden Wochen immer mittwochs um 19 Uhr weitere Friedensgebete geben. Denn der Bedarf der Gemeindemitglieder sei nach zwei Jahren Corona-Pandemie und dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine gerade sehr groß. Es müsse etwas für Herz und Seele getan werden, hebt sie hervor.

Ein Zeichen setzen

„Ich bin Jahrgang 1965, bin im Kalten Krieg aufgewachsen und hätte niemals gedacht, dass ich so etwas noch einmal erleben muss“, sagt Jürgen Wacker, der nicht verstehen kann, dass ein „Durchgeknallter“ meint, seinen Willen mit brutaler Gewalt durchsetzen zu müssen. Aufgrund der eigenen Hilflosigkeit wolle er mit seiner Frau Heike zumindest mit der Menschenkette ein Zeichen setzen.

Auch Veronika Kaiser ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen. „Es ist fürchterlich, was da in der Ukraine passiert, man kann es überhaupt nicht begreifen. Es ist auch so nah“, sagt die Wachenheimerin. Sie hätte nie gedacht, dass der russische Präsident Wladimir Putin so weit gehen würde: „Dieser Mensch ist einfach nur krank“.

„Das macht einen einfach nur sprachlos, und es ist auch eine gewisse Ohnmacht und Wut dabei, dass eine einzelne Person etwas vom Zaun bricht, was die ganze Welt in den Abgrund ziehen kann und etwas zerstört, was in mehr als 70 Jahren aufgebaut wurde“, sagt Claus Arntjen. Er begrüßt, dass die Bundesregierung jetzt auch Waffen in die Ukraine liefert. Er hoffe, dass jemand aus dem inneren Machtzirkel Putins den Kriegstreiber aus dem Verkehr ziehen werde, denn von außen funktioniere das nicht.

„Ich fühle sehr mit den Ukrainern mit“

„Man ist emotional sehr betroffen, und ich möchte ein Zeichen setzen für Solidarität und Zusammenhalt“, sagt Britta Sorg. Das Ganze sei für sie immer noch surreal und unverständlich. Sie habe Angst, dass sich der Krieg auf die Nato-Staaten, die mit den Waffenlieferungen – die sie aber voll unterstütze – involviert seien, ausweiten könnte. Sie fühle sehr stark mit dem mit, was die Bevölkerung der Ukraine gerade durchmachen müsse.

Manfred Bühler, Erster Beigeordneter der Stadt, erschüttert, dass ein Mensch die Welt so in Atem halten kann. Außer wirtschaftlichen Sanktionen könne man dem Wahnsinn leider nichts entgegensetzen. „Ich fühle sehr mit den Ukrainern mit, zumal ich oft Kontakt mit ukrainischen Chormitgliedern hatte, die in den letzten Jahren auch in Wachenheim aufgetreten sind.“

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