Hassloch RHEINPFALZ Plus Artikel Marktforschung im „Musterdorf“: Wie sich der Ausstieg von Real und Aldi auswirkt

Die GfK-Karte können die teilnehmenden Haushalte weiter beim Einkauf vorzeigen. Aber jetzt eben nur noch in fünf Haßlocher Märkt
Die GfK-Karte können die teilnehmenden Haushalte weiter beim Einkauf vorzeigen. Aber jetzt eben nur noch in fünf Haßlocher Märkten und bei Globus in Neustadt.

Im „Musterdorf“ Haßloch betreibt die GfK schon seit 1986 Marktforschung. Nun hat der Real-Markt Ende September geschlossen, zeitgleich sind die beiden Aldi-Filialen aus dem Panel ausgestiegen. Warum die GfK dennoch „keine Auswirkungen auf das Testkonzept“ sieht.

Die GfK – früher Gesellschaft für Konsumforschung, heute Growth from Knowledge (Wachstum durch Wissen) – untersucht seit 35 Jahren in Haßloch, ob neu entwickelte Produkte Marktchancen haben. Aber welche Aussagekraft haben die im verkleinerten Abbild Deutschlands erhobenen Daten noch, wenn mit Real einer der größten Einkaufsmärkte im Testgebiet und außerdem zwei bisher beteiligte Aldi-Märkte wegfallen?

„Die Teilnahme einzelner Handelspartner am GfK- Testmarktkonzept kann mittel- oder auch längerfristig ausgelegt sein“, teilt Julia Richter, Sprecherin „Global Communications & Public Affairs“ am Hauptsitz der GfK SE in Nürnberg, auf RHEINPFALZ-Nachfrage mit. Dass außer Real auch die Aldi-Filialen seit Oktober nicht mehr dabei sind, habe „in diesem Zusammenhang keine Auswirkungen auf das Testmarkt-Konzept“, versichert die GfK auf mehrmalige Nachfrage hin – ohne jedoch konkrete Beispiele preiszugeben.

Aldi nennt keine Ausstiegsgründe

„Wir haben von Januar 2019 bis Ende September 2021 mit unseren beiden Filialen in Haßloch an dem GfK-Panel teilgenommen“, lautet die Stellungnahme von Aldi Süd zum plötzlichen Ausstieg aus der Marktforschung in Haßloch: „Die testweise Zusammenarbeit haben wir unsererseits wieder beendet“, so eine Sprecherin auf RHEINPFALZ-Anfrage. Die Real-Schließung habe dabei „keinen Einfluss“ auf die Entscheidung gehabt. Dennoch wolle man sich zu Gründen nicht weiter äußern.

Mit dem Aus für den Real-Einkaufsmarkt in Haßloch Ende September ist ebenfalls ein sehr großer Partner für die Marktforscher weggefallen. GfK-Sprecherin Richter bleibt jedoch unverändert bei den früheren Antworten: „Die Aussagekraft und Repräsentativität war und ist gegeben.“ Der Kaufkraftindex für Haßloch betrage noch immer 101,9 und sei damit sehr eng am Bundesdurchschnitt von 100.

GfK zeigt sich zugeknöpft

Zu weiteren Fragen, welche Rolle Haßloch noch spielt oder wie sich die Vorgehensweise der Marktforscher aktuell gestaltet, gibt es – wie schon zu Jahresbeginn, als die Real-Schließung bekanntgegeben wurde – keine näheren Auskünfte von der GfK. Sogar die Liste der Märkte, in denen Teilnehmer ihre orangefarbene Testmarktkarte noch einsetzen können, will sie auf Nachfrage nicht bestätigen und bittet lediglich um „Verständnis“, dass man „diese Informationen ausschließlich mit Kunden und Panelteilnehmenden“ teile. Diese haben jedoch zum Monatswechsel bereits eine Infomail vom GfK Consumer Panel erhalten, die der RHEINPFALZ vorliegt: Demnach sind Edeka, dm, Lidl, Penny und Rewe in Haßloch sowie Globus in Neustadt weiter mit dabei. Die Testkarte wird, für umstehende Kunden ebenfalls offen sichtbar, beim Bezahlen an der Kasse vorgezeigt.

Die GfK agiert nach eigenen Angaben in mehr als 60 Ländern weltweit und beschäftigt rund 8000 Mitarbeiter im Auftrag für mindestens 10.000 Kunden. Sie verzeichnet über zwei Millionen Panelteilnehmer in 15 Ländern. Im GfK Consumer Panel werden demnach seit 1957 die Einkäufe des täglichen Bedarfs von rund 30.000 deutschen Privathaushalten erfasst. Da Haßloch knapp 21.000 Einwohner hat, wird klar, dass nicht alle Teilnehmer aus der „Durchschnittsgemeinde“ kommen. Die Testkäuferdaten bilden demnach das Einkaufsverhalten in ganz Deutschland „kontinuierlich und repräsentativ“ ab.

Einschaltquoten getrennt vom Testmarktkonzept

Bei den TV-Einschaltquoten spiele dagegen „keine Rolle“, ob den Haßlochern eine Sendung besonders gut gefällt, macht Richter allerdings klar: „Unsere Reichweitenforschung hat nichts mit unserem Testmarktkonzept in Haßloch zu tun.“ Die GfK erhebe aber die TV-Einschaltquoten im Auftrag der AGF-Videoforschung. Kernstück für die so genannte Reichweitenforschung sei ein gemeinsames Bewegtbild-Panel, das aktuell aus 5400 Haushalten mit rund 11.000 Personen bestehe. Das ist laut Richter „repräsentativ für die Fernsehbevölkerung in Deutschland“. Eine Anwerbung der Haushalte geschehe hierfür nach einem „festgelegten Zufallsverfahren“, weswegen es sich nicht auf Haßloch konzentriere, wie oft angenommen werde: „Es hat damit jeder Haushalt in Deutschland die Chance, in die Stichprobe für die Anwerbung zu gelangen,“ betont die GfK-Sprecherin.

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