Kreis Bad Duerkheim Manchmal sieht Aman schon Engel

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Eritrea

ist kein schlechtes Land. Findet Aman Yemane, im Gegenteil. Schlecht jedoch sei die Diktatur des Präsidenten, die wie ein Schatten über der Bevölkerung liegt und ein normales, unbeschwertes Leben unmöglich macht. In Deutschland sieht der 16-Jährige wieder eine Perspektive: Er besucht die Integrierte Gesamtschule und will Abitur machen, danach vielleicht Elektriker werden. Der Weg des jungen Mannes nach Deutschland war lang und steinig. Viel Geld habe es gekostet, die Schleuser zu bezahlen, die ihn per Auto und Schiff transportierten. Eine Last, die er zunächst allein tragen musste: „Ich bin schon vor über einem Jahr her gekommen, meine Familie ist aber erst seit ein paar Monaten da.“ Nach einem Monat im Erstlager lebte Aman zunächst im Kinderheim im München, heute wohnt er mit Mutter Adhanet Fessehaye (38) und seinen Schwestern Segen (17), Lwam (6), Nebiat (4) und Elhana (2) in Wachenheim. Die Familie ist froh, wieder zusammen zu sein, doch auch hier gibt es noch Probleme, die gelöst werden wollen: „Unsere Wohnung ist viel zu klein, wir müssen fast alle in einem Zimmer schlafen. Und obwohl ich schon so lange da bin, habe ich noch keinen Pass und weiß ebenso wie meine Familie nicht genau, wie es weitergeht.“ Umso dankbarer ist die Familie über die große Hilfsbereitschaft, die ihnen zuteil wird. „Manchmal frage ich mich, ob die Leute hier wirklich noch Menschen oder schon Engel sind“, erzählt Aman mit einem Schmunzeln. Dank der Unterstützung der Wachenheimer ist es der Familie schon gut gelungen, sich einzuleben. Die Kleinsten gehen zum Kindergarten und in die Grundschule, Aman feilt an seinem Deutsch, um seine Noten noch zu verbessern, und seine große Schwester geht zur Berufsschule und möchte Krankenschwester werden. Mutter Adhanet lernt Deutsch in Sprachkursen. Trotzdem wundere er sich manchmal über einige Gepflogenheiten der Deutschen, sagt der junge Afrikaner: Dass man sich hier auf der Straße küsst, immer auf die Minute pünktlich ist und im Zug nur auf sein Handy starrt anstatt sich zu unterhalten, das war komisch für ihn am Anfang. Doch man gewöhne sich schnell an die neue Umgebung, auch wenn die Sehnsucht nach der Heimat groß ist. „Unsere ganze Verwandtschaft ist noch in Eritrea.“ Trotzdem: Aman ist sich sicher, dass sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Und auf die Frage, was ihm am Besten an Deutschland gefalle, hat er eine klare Antwort: die Demokratie. (isw)

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