Kreis Bad Duerkheim Leserbrief:

Am Sonntag, dem zweiten Advent, wollte ich den wunderschönen Wintertag bei -6 Grad und Sonnenschein bei einer Runde mit dem Mountainbike genießen. Bereits kurz nach dem Start meiner Trainingstour für mein Team „Schwalbe4Friends“ auf dem Weg zum Lambertskreuz zwischen Wachenheim und Weißen Stein wunderte ich mich über einen Mann, der nur mit einem Pullover bekleidet in Begleitung seines Hundes am Weg stand. 500 Meter weiter lag eine ältere Dame stark zitternd am Wegesrand. Offenbar war sie gestürzt und hatte möglicherweise eine Fraktur erlitten. 20 Meter (!) daneben stand eine Wandergruppe von circa zehn Personen. Auf meine Nachfrage, ob die Dame zur Gruppe gehöre, wurde dies verneint und mir wurde gesagt, dass der Ehemann der Frau auf den Krankenwagen weiter unten warten würde. Keiner der Wanderer kam auf die Idee, die Frau zu wärmen, ihr wenigstens die Hand zu halten oder den Mann beim Warten auf den Krankenwagen abzulösen, damit er sich um seine Frau kümmern konnte. Als ich die Gruppe gebeten habe, zu helfen oder wenigstens den Mann abzulösen, kam nur der Kommentar, dass ich mich ja offenbar auskenne, woraufhin die komplette Gruppe verschwunden ist. Ja, ich kenne mich aus. Dank meiner Ausbildung zum Berufssoldaten ist Erste Hilfe für mich kein Fremdwort. Diese unfassbare Ignoranz und Teilnahmslosigkeit, eine Frau bei Minusgraden einfach im Wald liegen zu lassen und selbst auf direkte Ansprache nicht zu helfen, schockiert mich noch immer. Da der Ehemann ganz alleine am Wegesrand stand, konnte er dem Rettungswagen nicht den befahrbaren Weg zeigen, so dass die Sanitäter zunächst zu Fuß angekommen sind. Wertvolle Minuten verstrichen, bis ich dann endlich den Rettungswagen zur Unfallstelle leiten konnte. Fast 50 Minuten lag die Dame in der Kälte, bis sie endlich im Krankenwagen war, der sie in die Unfallklinik bringen konnte. 50 eisige Minuten, in denen sich außer dem wartenden Ehemann und mir sich keiner um die Verunfallte gekümmert hat. Liebe Wanderer: Auch wenn viele von euch gerne über die Mountainbiker im Wald schimpfen – ein Radfahrer würde einen anderen „niemals“ liegen lassen! Und zur Info – ich habe mich über dieses Verhalten so sehr geärgert, dass ich Anzeige gegen Unbekannt wegen unterlassener Hilfeleistung erstattet habe. Der verunfallten Dame wünsche ich baldige Genesung und ihr, ihrem Ehemann, den drei Rettungssanitätern und dem Notarzt ein frohes Fest.