Kreis Bad Duerkheim „Kunigunde mit der chronischen Wunde“

Nadja Schollmeier will ihren Pokal 2018 verteidigen.
Nadja Schollmeier will ihren Pokal 2018 verteidigen.

2017 war ein erfolgreiches Jahr für Hobby-Comedian Nadja Schollmeier. Zum zweiten Mal trat die Bobenheim-Roxheimerin beim Wundslam in Köln auf, einer Veranstaltung, bei der medizinische Themen komödiantisch behandelt werden. Mit ihrer Lovestory über eine chronische Wunde hat die Krankenschwester den Wettbewerb gewonnen. Den Wanderpokal will sie in diesem Jahr verteidigen.

Vor über 100 Zuschauern präsentierte sich Nadja Schollmeier im Kölner Künstler Theater als „Kunigunde mit der chronischen Wunde“. Mit einer Herzbrille auf der Nase betrat die 34-Jährige zu dem Lied „Love Is In The Air“ die Bühne und beschrieb in Reimform, was die in ihre Verletzung verliebte Kunigunde so alles unternimmt, um eine schnelle Heilung zu verhindern. Schließlich bereiten Arztbesuche der kontaktfreudigen Dame so viel Freude, dass sie auf die regelmäßigen Untersuchungen nicht verzichten will. Was in Schollmeiers Sketch lustig klingt, hat in der Pflege durchaus einen ernsten Hintergrund. Manche Patienten verzögerten den Heilungsprozess absichtlich, indem sie Wunden nicht richtig behandelten, erklärt sie. „Gerade ältere Menschen fühlen sich oft einsam. Der Termin beim Arzt oder der Besuch des Pflegedienstes ist für viele der einzige soziale Kontakt am Tag. Und den möchten sie nicht verlieren.“ Schollmeier spricht aus Erfahrung. Sie arbeitet als Krankenschwester am Mannheimer Theresienkrankenhaus in der Abteilung Allgemeine Chirurgie. Andere Wundslam-Teilnehmer sangen Lieder mit medizinischen Texten oder beschäftigten sich mit der Wundversorgung zur Zeit Martin Luthers. Den längsten Applaus bekam am Ende Schollmeier, was den Sieg bedeutete. „Es war ein tolles Publikum, das gut mitgegangen ist. Die anfängliche Aufregung war schnell verflogen“, berichtet die Bobenheim-Roxheimerin. Seit etwa fünf Jahren schreibt Schollmeier Gedichte. Los ging es mit dem 60. Geburtstag ihres Vaters. Auf der Suche nach einem persönlichen Geschenk kam sie auf die Idee, ihm ein Gedicht zu schreiben. „Am Ende wurde eine Art Büttenrede über meinen Vater daraus“, erzählt Schollmeier. Aus dem Geburtstagsgeschenk wurde ein richtiges Hobby. Mehrere Ordner voller Reime über Familie, Freunde und das tägliche Leben hat sie schon zusammengetragen. Inzwischen verfasst die Bobenheim-Roxheimerin auch für Freunde und Kollegen Gedichte zu den verschiedensten Anlässen. „Da reichen mir einige Stichpunkte“, sagt Schollmeier. Nur ein Prinzip hat sie: „Es muss immer in Reimform sein.“ Ihre Arbeit mit den Auszubildenden im Krankenhaus – Schollmeier ist dort Praxisanleiterin für den Schwestern- und Pflegernachwuchs – brachte sie darauf, ihr Hobby mit medizinischen Themen zu verbinden. Als sie vor knapp zwei Jahren vom ersten Wundslam erfuhr, wuchs ihr Interesse an einem Auftritt vor Publikum. Organisiert wird die Veranstaltung von Inga Hoffmann vom Wundmanagement Köln. Das Pflegenetzwerk ist auf die Versorgung von Menschen mit Wunden spezialisiert. Ins Leben gerufen hat die ungewöhnliche Comedyveranstaltung das im Gesundheitswesen tätige Dienstleistungsunternehmen Orgamed aus Dortmund, wo 2016 auch die erste Auflage des Wundslams stattfand. Da zeigte Schollmeier einen selbst geschriebenen Sketch über Therapien mit Maden. Der Auftritt vor damals noch recht wenigen Zuschauern bereitete ihr so viel Spaß, dass sie sich im vergangenen Jahr für den nächsten Wundslam angemeldet hat, der Mitte September stattfand. Ihre aktuelle Nummer hat Schollmeier im Oktober in Mannheim bei einem Pflegekongress vor über 200 Zuhörern präsentiert. „Kunigunde mit der chronischen Wunde“ kam so gut an, dass Einladungen zu weiteren Kongressen folgten. In Köln beispielsweise wird sie im Herbst vor 1000 Leuten auftreten. Beim diesjährigen Wundslam will sie den Wanderpokal verteidigen. Zuvor stehen andere Auftritte auf dem Programm der begeisterten Karnevalistin.

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