Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kult-Winzer Ernst Loosen über seine Pläne mit der Wachenheimer Villa Wolf

Ernst Loosen gehört zu den bekanntesten deutschen Winzern.
Ernst Loosen gehört zu den bekanntesten deutschen Winzern.

Ernst Loosen hat mit seinem Weingut an der Mosel seit den 1990er-Jahren eine beeindruckende Erfolgsgeschichte geschrieben. Teil davon: die Villa Wolf in Wachenheim. Ein Gespräch über die Pläne für die Pfälzer Außenstelle und ein Déjà-vu-Erlebnis.

Herr Loosen, Ihr Weingut in Bernkastel-Kues an der Mosel zählt zu den bekanntesten Weingütern in Deutschland. Wie kam es, dass Sie 1996 auch noch die Villa Wolf in Wachenheim gepachtet haben?
Das war ein Déjà-vu-Erlebnis für mich. 1979 bin ich während meines Studiums in Geisenheim mit einem Freund in die Pfalz gefahren. Da habe ich gestaunt über die prachtvollen Bauten an der Mittelhaardt. Als wir dann aus Wachenheim Richtung Forst rausgefahren sind, habe ich zu meinem Freund gesagt: ,Halt mal an, das Haus da sieht ja aus wie eine Villa in der Toskana' – das war die Villa Wolf.

Und dann?
1995 rief mich Stuart Pigott an, der sich mittlerweile als Wein-Journalist einen Namen gemacht hat. Er sagte, er hätte da ein Projekt in der Pfalz, das mich interessieren könnte. Pigott wusste, dass ich etwas mit Burgundersorten machen wollte. Und die Mosel, das ist für mich Riesling. In der Pfalz haben dagegen auch Grau-, Weiß- und auch Spätburgunder eine lange Tradition. Ich bin jedenfalls mit meiner Frau in die Pfalz gefahren, und als wir aus dem Auto aussteigen, denke ich: ,Das gibt’s doch gar nicht' – wir standen vor der Villa Wolf. Da war für mich die Entscheidung gefallen, zumal der Investor, der die Immobilie entwickeln wollte, Herr Sturm, sehr nett war.

Wie passen die Weine der Villa Wolf in das Sortiment von Dr. Loosen? Die Pfalz ist ja Rieslinggebiet wie die Mosel auch.
Die Mosel, das ist für mich vor allem restsüßer Riesling, insbesondere der klassische fruchtige Riesling Kabinett. Allerdings gewinnen auch die trockenen Rieslinge von dort immer mehr an Bedeutung. In der Villa Wolf erzeugen wir ausschließlich trockene Weine, alle auf Basis der Klassifikations-Pyramide des VDP. Zurzeit werden noch immer etwa zwei Drittel unserer Weine exportiert, vor allem in die USA, nach England, Skandinavien und natürlich nach Asien. Wir liefern in etwa 80 Länder. Und mit 4,5 Hektar Rebfläche ist die Villa Wolf jetzt auch kein riesiger Betrieb.

Wie groß ist der Einfluss aus Bernkastel-Kues auf die Weine, die in Wachenheim entstehen?
Dafür haben wir ein Team in Wachenheim vor Ort, wobei unser Winemaker Patrick Möllendorf bei uns ausgebildet wurde. Er wird seit letztem Jahr im Keller wie im Außenbetrieb von Claudia Fadda unterstützt, die ihre Ausbildung beim Weingut Bürklin-Wolf gemacht hat und dort für den wundarmen Rebschnitt verantwortlich war. Das Weingut Villa Wolf wird von Patrick und Claudia ökologisch bewirtschaftet. Natürlich gibt es Absprachen mit uns an der Mosel, etwa wenn es darum geht, dass wir den Wachenheimer Belz mit Pinot Noir bestocken wollen oder wenn unser Importeur in China 2000 Liter Wachenheimer Riesling möchte. Aber Patrick und Claudia arbeiten eigenverantwortlich.

Was soll sich bei der Villa Wolf ändern?
Die Villa Wolf ist kein klassisches Pfälzer Weingut, in das die Privatkunden strömen. Wir haben vor allem für den Export und die Gastronomie produziert. Der Pfälzer Kunde ist es nicht gewöhnt, Wein nur nach Voranmeldung probieren zu können, so wie es bislang bei uns ist. Die Leute wollen auf den Hof fahren, probieren und sich Wein in den Kofferraum laden. Dafür haben wir bislang aber nicht die Logistik. Langfristig wollen wir eine Önothek mit Straußwirtschaft aufbauen, diese Entscheidung haben wir getroffen. Gemeinsam mit den neuen Eigentümern gibt es dafür einen Plan.

Und kurzfristig?
Es ist uns ein großes Anliegen, dass das Weingut Villa Wolf mehr Aufmerksamkeit in der Region erhält. Daher planen wir dieses bezaubernde Anwesen ab Mai durch regelmäßige Öffnungszeiten unserer Vinothek wieder stärker in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Auch wollen wir einen größeren Bekanntheitsgrad für unser Weingut in Deutschland aufbauen. Mit Johanna Molenda haben wir eine neue Verkaufsleiterin eingestellt, die eigenverantwortlich die Villa Wolf repräsentieren wird. Wir werden in diesem Jahr zum ersten Mal eine Jahrgangspräsentation machen, wenn es die Corona-Krise zulässt. Auch der Verkaufsraum wird renoviert, außerdem haben wir Zugriff auf den großen Saal der Villa Wolf. Den Hof wollen wir im Frühjahr und im Sommer bestuhlen, damit unsere Besucher auch im Freien Weine probieren können.

Werden wir Sie künftig häufiger in Wachenheim sehen?
Ich war auch in den vergangenen Jahren regelmäßig in Wachenheim, allerdings vor allem zu Besprechungen. Ich bin bei uns für den Export zuständig. Da wir in 80 Länder exportieren, können Sie sich vorstellen, dass ich viel unterwegs bin. Aber zur Jahrgangspräsentation der Villa Wolf werde ich sicher da sein.

Die Villa Wolf.
Die Villa Wolf.
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