Wachenheim:
Krötenwanderung: Sperrung zwischen Wachenheim und Rotsteig
„Feuchtes Wetter und warme Nachttemperaturen dauerhaft über fünf Grad Celsius holen die Amphibien aus der Winterruhe und geben den Anstoß für die Wanderung zu den Laichplätzen“, informiert Reinert, der die Sperrung als Schutzmaßnahme für die Kröten vonseiten der Mittelhaardt-Gruppe des Naturschutzbundes (Nabu) betreut. „Für Autofahrer, die dennoch durchfahren, gibt es keine Ausrede, an beiden Seiten der K16 ist die Sperrung gut ausgeschildert, unterstützt durch Lichtsignale“, betont er. Die Zufahrt von Lindenberg zum Silbertal sei frei, ebenso die Abfahrt nach Gimmeldingen über die Forststraße.
Die meisten Kröten sind vom Rotsteig bis zur Ortseinfahrt Wachenheim unterwegs, berichtet der Amphibienretter. Geprüft wurde bereits vor Jahren, ob man mobile Krötenzäune aufstellen kann. Sie halten die Amphibien auf, die in Eimer purzeln und dann von Helfern auf der anderen Straßenseite ausgesetzt werden können. „Die Strecke ist dafür zu groß, das Gelände eignet sich auch topographisch nicht“, erklärt Reinert. Zudem ist er bei der Fürsorge für die Amphibien auf sich alleine gestellt, es mangelt an Ehrenamtlichen. Regelmäßig radelt Reinert die Strecke ab, ist immer wieder entsetzt über die Massaker, die unvernünftige Fahrer anrichten: „Oft trage ich überlebende Tiere und Nachzügler auf die andere Straßenseite, das ist aber angesichts rasender Autofahrer tagsüber für einen Fußgänger lebensgefährlich.“
Unterschiedliche Routen bei Kröten und Salamandern
Im Sommer leben die wechselwarmen Lurche im Wald, wo sie vor dem Austrocknen geschützt sind, dort suchen sie sich auch ihre Winterquartiere. „Zur Laichzeit wandern Grasfrösche, Erdkröten und Feuersalamander dorthin, wo sie selbst geboren sind. Frösche und Erdkröten bevorzugen Sumpfgebiete und stehende Gewässer, Feuersalamander die Bäche“, erklärt Reinert. Folglich seien die Wanderrouten auch gegenläufig, was das Sammeln und wieder Aussetzen erschwere. Erdkröten hüpfen zu Tausenden von Osten aus zum Kurpfalzpark, wo sie Teiche vorfinden. Dabei legen sie mehrere Kilometer zurück, die Weibchen tragen die kleineren Männchen huckepack.
„Der wenig wanderfreudige Feuersalamander kommt aus dem Wald herunter, begibt sich also von Westen nach Osten zum Wachenheimer Bach, der vom Rotsteig bis zum Badehaisel entlang der Straße verläuft“, weiß der Tierschützer. Betroffen ist also eine lange Waldstrecke. „Der Salamander ist langsam, er braucht eine halbe Stunde, bis er die Straße überquert hat“, erklärt Reinert. Die Rückwanderung nach dem Laichen geht weniger spektakulär vonstatten, also nicht in Scharen. Viel später folgen die Jungtiere nach ihrer Metamorphose. Umsicht beim Fahren auf Waldstraßen ist also für eine längere Zeit auch nach der Sperrung geboten, damit die Lurche nicht unter die Räder kommen.
Sperrung ist alljährliche Gratwanderung
Der Sperrtermin ist witterungsabhängig und wird immer kurzfristig festgelegt, teilt das Naturschutzreferat der Dürkheimer Kreisverwaltung mit. „Die Maßnahme soll viele Amphibien vor dem sicheren Tod bewahren“, schließt sich die Kreisverwaltung der Meinung des Naturschutzbeirats im Landkreis an. Vor mehr als zehn Jahren hatten Untersuchungen zwischen Lindenberg und Wachenheim eines der bedeutendsten Amphibienvorkommen in Rheinland-Pfalz festgestellt. „Für uns ist der Zeitpunkt der Sperrung alljährlich eine Gratwanderung zwischen Naturschutz und Rücksichtnahme auf die Verkehrsteilnehmer, die während der Straßensperrung längere Umwege fahren müssen“, erklärt Katharina Glaser vom Fachbereich Umweltschutz und Naturpflege.
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