Hassloch
„Kleinlich und lieblos“: Anwohner kritisiert Parkregelung vor Kirche
„Seit rund 50 Jahren konnte man im Ortskern von Haßloch die Parkplätze bei der katholischen Galluskirche selbstverständlich und unkompliziert nutzen“, sagt der Haßlocher Norbert Geitlinger. Das habe sich vor Kurzem geändert, kritisiert er in einem Schreiben an die RHEINPFALZ. Die Kirche habe die Parkplätze durch Hinweisschilder gesperrt. Das ärgert Geitlinger, denn viele Bürger hätten diese Möglichkeit als „Ausdruck stiller christlicher Gastfreundschaft“ verstanden, die die Parksituation rund um den Haßlocher Ortskern spürbar entlaste – zumal sich in unmittelbarer Umgebung zwei Kirchen, diverse Schulen, sowie eine Arztpraxis befänden, merkt der Haßlocher an. Für ihn sei es daher umso befremdlicher, dass die Kirche die Parkplätze nun nur noch für Kirchenbesucher freigebe.
Weil die Parkplätze über Jahrzehnte öffentlich genutzt worden seien, das jetzt aber nicht mehr möglich ist, fühlten sich viele Haßlocher vor den Kopf gestoßen, kritisiert Geitlinger die neue Regelung. Insbesondere eine kirchliche Institution, die sich auf Werte wie Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Solidarität berufe, müsse sich fragen, welches Signal von einem solchen Schritt ausgehe.
Parkplätze sind Eigentum der Kirchenstiftung
Matthias Schmitt, der Leitende Pfarrer der Pfarrei Heilige Klara von Assisi aus Haßloch, widerspricht dieser Auffassung. Er stellt klar, dass sich die betreffenden Parkflächen auf dem Kirchengelände befänden – und somit im Eigentum der katholischen Kirchenstiftung St. Gallus Haßloch stünden. „Primär sind diese Stellplätze für die Besucher der Gottesdienste, die Nutzer des Pfarrheims, Besucher des Pfarrbüros sowie für die Mitarbeitenden der Pfarrei und der Kirche vorgesehen“, schreibt er auf Anfrage.
Das große Problem aus Schmitts Sicht: In der Vergangenheit seien die Parkplätze regelmäßig auch über längere Zeiträume belegt worden, was dazu geführt habe, dass sie insbesondere bei Veranstaltungen oder für das Personal nicht zur Verfügung gestanden hätten, obwohl sie dringend benötigt worden wären. „Aus diesem Grund war die Anbringung der entsprechenden Beschilderung notwendig. Damit möchten wir sicherstellen, dass die Parkflächen ihrem eigentlichen Zweck entsprechend für Besucher und Mitarbeiter der Kirche frei bleiben“, schreibt der Pfarrer.
Ausgewiesene Zeiten als Kompromiss-Lösung?
Norbert Geitlinger habe zwar Verständnis dafür, dass niemand verlangen könne, dass die Kirche ihre Parkflächen bei Großveranstaltungen nicht priorisiert für eigene Zwecke nutze. „Aber eine pauschale Sperrung nach Jahrzehnten des Miteinanders wirkt kleinlich und lieblos“, sagt er. Er hoffe darauf, dass die Verantwortlichen der katholischen Kirche in Haßloch ihre Entscheidung noch einmal überdenken. Ein „dialogorientierter, sozial verträglicher Kompromiss“, wäre dem Selbstverständnis einer christlichen Gemeinde seiner Meinung nach deutlich angemessener. Geitlinger schwebt beispielsweise ein Modell vor, das ausgewiesene Zeiten für Kirchenbesucher und eine Mitnutzung zu anderen Zeiten für die restlichen Bürger ermöglicht. Als Beispiel führt er die Musikschule an. Dort sei für den Parkplatz in der Pfarrgasse bereits eine ähnliche Regelung gefunden worden. Für ihn ist klar: „Eine Kirche, die sich auf christliche Werte beruft, sollte Brücken bauen – nicht Parkplätze verriegeln.“