Wachenheim
Kleine Kostbarkeit mit Besonderheiten
Bei der St. Georgskirche handelt es sich nämlich um eine Simultankirche: Seit 1705 teilen sich Reformierte und Katholiken das Gebäude. Die Reformierten bekamen damals das Schiff oder Langhaus, die Katholiken den Chor mit den Nebengebäuden. An den zum Schiff der katholischen Kirche gewordenen alten Chor baute man 1720 zum Marktplatz hin einen kleinen Chor zur Aufnahme des Hochaltars an. 1723 wurde die Kirche geweiht. Die Protestanten ersetzten ihren Teil der Kirche 1860 durch einen neugotischen Neubau. Die katholische Kirche wurde im eher schlichten Pfälzer Barock barockisiert, die drei Altäre bilden eine Einheit.
Die bisherigen Restaurierungsarbeiten durch den Förderverein Alte St. Georgskirche gingen in mehreren Bauabschnitten zwischen 2003 und 2019 über die Bühne. Als echtes Glanzstück dabei bezeichnet der Vorsitzende Bernhard Webersinn das 2018/19 erfolgte Restaurieren der Schlimmbach-Kämmerer-Orgel von 1858, die zuvor ganze 40 Jahre nicht mehr gespielt worden war. Renoviert hat sie Peter Ohlert, der seine Arbeit im Fernsehen vorstellte. Zu sehen ist der Film im Internet unter ohlert-orgelbau.de/unterwegs-mit-dem-orgelbauer-peter-ohlert.
Die Gründung des Vereins, der aktuell knapp 90 Mitglieder hat, initiierten die Pfarrer Nikolaus Bachtler (katholisch) und Manfred Roos (evangelisch), dazu angeregt hatte sie Dombaumeister Heinrich Hartmann. Zu den 18 Gründungsmitgliedern zählten vor allem Funktionsträger aus den beiden Kirchengemeinden und der Kommunalpolitik. Mit Leben erfüllt – eins der Vereinsziele – wird die St. Georgskirche bei Hochzeiten, Taufen, ökumenischen Gottesdiensten und Konzerten.
Aktuelle Überlegungen gelten dem Erhalt von Resten einer mittelalterlichen Wandmalerei aus der Entstehungszeit der Kirche im Jahr 1441 auf der Turmwand des nördlichen Seitenschiffs (links vom Eingang). Eine Restaurierung würde am Bildbestand nichts ändern, sondern es nur wieder besser hervorheben.
Im Schnell-Kunstführer steht über das Gebäude: „...ist innerhalb der insgesamt eher kargen Pfälzer Kirchenlandschaft eine kleine Kostbarkeit. Jahrhunderte haben die Kirche gestaltet und sie so zu einem Spiegelbild der leidvollen Geschichte der Stadt und des Landes gemacht.“ Nach Angaben von Dombaumeister Heinrich Hartmann, zugleich Diözesankonservator, ist die räumliche Gesamtkonzeption eine der interessantesten innerhalb der Diözese Speyer. In Deutschland gebe es nur wenige vergleichbare Kirchen. Die in ihrer Bausubstanz auf das Mittelalter zurückgehende Kirche präge bis heute durch ihre stufenweise Anordnung von Chor, Kirchenraum und Turm höchst malerisch das Stadtbild Wachenheims, findet er.
Als Hochzeitskirche wird sie gerne genutzt, weil sie laut Vereinschef Bernhard Webersinn für Hochzeits- und Taufgesellschaften in ihrer überschaubaren Größe mit etwa 110 Sitzplätzen sehr gut passt, mit der Ludwigskapelle (Standesamt) zusammen ein malerisches Ensemble bildet und sich das Außengelände samt Marktplatz bestens für einen anschließenden Empfang eignet.
Vorstand
Vorsitzender: Bernhard Webersinn; Stellvertreter: Clemens Pfister, Schatzmeister: Hans-Alfred Müller, Schriftführer: Andreas Matheis.