Bad Dürkheim Kita St. Ludwig feiert Jubiläum mit Tombola und Spielstationen
„Unser Kindergarten hat sich immer weiterentwickelt am Puls der Zeit“, sagt eine, die es wissen muss: Christine Hanß, stellvertretende Leiterin, arbeitet seit 40 Jahren in der katholischen Kindertagesstätte St. Ludwig in Bad Dürkheim. Den Wandel der pädagogischen Konzepte vom funktionsorientierten Ansatz in den 1970er-Jahren zum aktuell situationsorientierten (seit 1994) hat sie miterlebt: Machten früher alle Kinder alles gleichzeitig, so steht heute das Kind mit seinen Interessen und Bedürfnissen im Mittelpunkt. Teilhabe und Mitbestimmung werden großgeschrieben, es gibt eine Kinderkonferenz, Projekte werden gemeinsam geplant und durchgeführt.
„Die Kinder bringen eigene Ideen und Themen ein, vom Essen über Feste bis zum Beschwerdemanagement“, betont Peggy Stappen, Kita-Leiterin von 1994 bis 2013. Neben der religionspädagogischen Arbeit und Wertevermittlung werde Kreativität besonders gefördert: „Bei uns gibt es seit 1994 keine Schablonen mehr.“
Betreuungsbedarf in der Industrialisierung
Das war nicht immer so: Bis zum 17. Jahrhundert wurden Kinder als „kleine Erwachsene“ wahrgenommen, die sich in die Erwachsenenwelt zu integrieren hatten. Im 18./19. Jahrhundert brachte die Industrialisierung einen Betreuungsbedarf. Pädagogen wie Jean-Jacques Rousseau, Johann Heinrich Pestalozzi und Friedrich Fröbel erkannten die Kindheit als eigenen Lebensabschnitt und das Spiel als Naturtrieb und Recht des Kindes. Politischer und gesellschaftlicher Wandel brachten immer auch eine Veränderung der Lebens- und Kindheitsbedingungen mit sich. Der Erziehungsstil wandelte sich in über 100 Jahren weg vom autoritären über den antiautoritären zum sozial-integrativen Ansatz. Erzieher begleiten die Kinder inzwischen darin, ihre Konflikte selbst zu lösen.
Kitas seien heute mit vielen Herausforderungen konfrontiert, betont Hanß: Der Anteil der Erziehung und der Anspruch der Eltern seien größer geworden, ebenso der Anteil verhaltensauffälliger Kinder. Zudem habe die Pandemie Defizite und Ängste bei den Kindern hervorgebracht. Bürokratisierung und Bildungsdokumentation nehmen immer mehr Zeit in Anspruch. Das neue Kita-Gesetz habe verschärfte Arbeitsbedingungen mit sich gebracht. Die Kita entwickele sich von einer familienergänzenden zu einer familienersetzenden Struktur, sagt Hanß. Sie müsse die Grundlagen in so unterschiedlichen Bereichen wie Tischmanieren, Hygiene und Religion vermitteln. Auch Eltern bräuchten mehr Begleitung.
Anfänge im „Weil’schen Anwesen“
Doch zurück zur Kita selbst: Gegründet wurde der Kindergarten am 17. Oktober 1892 im unteren Stock des „Weil’schen Anwesens“ in der Schlachthausstraße als „Kleinkinderbewahranstalt mit Strickschule“. Anfangs wurden 46 Kinder betreut von den drei Schwestern Leonissa (Oberin), Auda (Kindergärtnerin) und Suitberta (Leiterin der Strickschule). 1906 wurde neu gebaut in der Kurgartenstraße (auf dem Anwesen des verstorbenen Hoteliers Josef Häußling). Von 1942 bis 1947 war die Einrichtung geschlossen. Wieder eröffnet wurde 1947 zunächst in einer Holzbaracke, später zog man ins Schwesternhaus. Zeitweilig wurden bis zu 100 Kinder betreut.
Der Neubau am heutigen Standort in der Beethovenstraße 10 wurde 1973 eingeweiht. Seither werden dort 100 Kinder in vier Gruppen betreut. Die Kita St. Ludwig, zurzeit geleitet von Andi Söres, ist zertifiziert vom Verband Katholischer Tagesstätten für Kinder (KTK). Beschäftigt sind vier Gruppenleiterinnen, zwölf Teilzeitkräfte sowie mehrere Aushilfen und profilergänzende Kräfte.
Förderverein wird 1995 gegründet
Der Förderverein, gegründet 1995, wirbt für die Anliegen und Interessen der Kita, beschafft Mittel für notwendige Maßnahmen und Anschaffungen und möchte ein Stück Unabhängigkeit in finanziellen Dingen schaffen, etwa für die Finanzierung des Einbaus einer Küche und Mensa im Keller, die zurzeit noch auf wackligen Füßen steht (wir berichteten). Hier werde voraussichtlich ein Eigenanteil der Kirche von rund 100.000 Euro zu erbringen sein.
Das Jubiläumsfest
Los geht es am Samstag, 17. Juni, 11 Uhr, mit einem Gottesdienst in der Kita, Beethovenstraße 10 in Bad Dürkheim. Danach darf ab 11.30 Uhr auf dem Gartengelände gespielt werden, auch eine Tombola wird angeboten. Ab 12 Uhr gibt es Mittagessen mit Bock- und Rindswurst sowie Flammkuchen (auch vegetarisch) , nachmittags Kaffee und Kuchen. Acht Spielstationen mit Tauziehen und Kletterparcours laden Kinder zum Ausprobieren ein. Wer alle absolviert hat, erhält ein Eis.