Gerolsheim
Kita: „Massives Platzproblem durch erhöhte Kinderzahlen“
14-mal Ja. So sah das Ergebnis der Abstimmung im Gemeinderat Gerolsheim zu Beginn des Jahres über das „vorübergehende Ausweichquartier“ der Kindertagesstätte Naseweis aus. Gemeint ist damit das Pfarrheim St. Leodegar, das sich gleich neben der Kita befindet. Hier soll bereits ab dem kommenden Kita-Jahr, also ab 1. August, eine ganze Kindergartengruppe unterkommen, weil im Hauptgebäude der Kita nicht mehr ausreichend Platz ist.
Das Anliegen hat eine gewisse Eile, denn aktuell ist die Betriebserlaubnis der Kita Naseweis für die Betreuung von 80 Kindern bis 31. Juli befristet. Weil die Kinderzahlen vorerst hoch bleiben und „bereits jetzt eine Warteliste existiert und Kinder nicht zeitnah aufgenommen werden können“, wie es in der Beschlussvorlage heißt, hatte die Gemeinde geplant, eine Betriebserlaubnis für bis zu 84 Kinder zu beantragen. Um das laut Sitzungsvorlage „massive Platzproblem durch erhöhte Kinderzahlen“ zu lösen und den Anforderungen des neuen Kita-Gesetzes gerecht zu werden, wären bauliche Maßnahmen nötig gewesen. Weil bis Dezember vergangenen Jahres eine klare Perspektive gefehlt habe, konnte das Landesjugendamt dem Antrag nicht zustimmen.
Erbpacht- statt Mietvertrag mit der Kirche
Der Gemeinderat hatte daraufhin vier Alternativen diskutiert: eine Containerlösung auf dem Kita-Gelände, ein Umbau im Untergeschoss im Seitengebäude der Grundschule, einen Erweiterungsbau am Kita-Gebäude in Richtung Schulhof oder die Nutzung des Pfarrheims der Kirche. Weil die Optionen eins bis drei dem Ortsgemeinderat als entweder zu teuer, zu zeitaufwändig oder zu schwer umsetzbar galten, blieb nur noch das katholische Pfarrheim übrig.
Kommt nun ein Vertrag zwischen der Kirchengemeinde Heiliger Petrus Bobenheim-Roxheim und der Ortsgemeinde zustande, dann stehen einige Umbaumaßnahmen an, um Kinder dort künftig Kita-gerecht zu betreuen. Ortsbürgermeister Erich Weyer (FWG) teilt auf RHEINPFALZ-Anfrage mit, dass es sich bei den Arbeiten unter anderem um das Herrichten der Toiletten für Kinder, den Kauf von Möbeln, Themen des Brandschutzes sowie dem Wechsel des Fußbodens handele. Der Beschlussvorlage aus der Gemeinderatssitzung zufolge würde allein der Umbau rund 93.000 Euro Kosten, die im bisherigen Haushalt noch nicht einberechnet sind und vor Auftragsvergabe über einen Nachtragshaushalt sichergestellt werden müssen.
Als die Ratsmitglieder den Plänen zugestimmt haben, war die Ortsgemeinde noch davon ausgegangen, das Pfarrheim lediglich vorübergehend zu mieten. Nach Gesprächen mit Kirchenvertretern sei jedoch seitens der Liegenschaftsverwaltung in Speyer die Idee eines Erbpachtvertrags aufgekommen. Weyer zufolge werden derzeit die Details dieses Vertrags abgestimmt. Im Mai soll er dann im Gemeinderat besprochen werden.
Markus Hary, Leiter der Pfarrei Heiliger Petrus in Bobenheim-Roxheim, bestätigt die Vertragsgespräche auf RHEINPFALZ-Anfrage. „Wir sind auf dem besten Weg, aber es stehen noch von Seiten der Kirche Genehmigungen aus“, sagt er. Der Erbpachtvertrag habe im Gegensatz zum Mietvertrag zwei Vorteile. „Ist die Gemeinde Eigentümerin des Objekts, dann kriegt sie Zuschüsse“, sagt Hary. Werde sie lediglich Mieterin des Objekts, fielen Zuschüsse für die Umbaukosten weg und die Gemeinde müsste alles aus eigener Tasche finanzieren.
Der zweite Vorteil sei, dass ein Mietvertrag aufgrund der geplanten Maßnahmen deutlich komplizierter ausfiele. „Da hätten viele Klauseln eingebracht werden müssen“, sagt Hary. Zu den genauen Bedingungen des Erbpachtvertrags wollte sich Hary noch nicht äußern. Wann die Genehmigung für den Vertrag von Seiten der Diözese Speyer vorliegt, könne er nicht sagen. „Wir bemühen uns das alles so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen“, meint der Pfarrer.
Für die Anwohner der Ortsgemeinde hat die Nutzung des Pfarrheims durch die Kita zur Folge, dass künftig ein Raum weniger zum Anmieten für private Feiern zur Verfügung stehen wird. Aus der Sicht von Erich Weyer ist das jedoch keine große Einschränkung: „Wir haben noch das Dorfgemeinschaftshaus, den Raum von der protestantischen Kirchengemeinde und die Seniorenstube im Rathaus, die für solche Anlässe gemietet werden können.“
Ab dem kommenden Kita-Jahr rechnet die Ortsgemeinde mit einem Platzbedarf von mehr als 90 Kindern. Perspektivisch wird diese Zahl auch erst einmal nicht nach unten gehen. Völlig offen scheint jedoch, was die Ortsgemeinde damit meint, das Pfarrheim nur vorübergehend nutzen zu wollen. Erst recht, wenn nun ein Erbpachtvertrag abgeschlossen werden soll. Aus der Beschlussvorlage heißt es dazu: „Bleiben die Kinderzahlen über Folgejahre weiterhin stabil hoch, so müssen grundsätzlich bezüglich der Gesamtgebäudekonzeption Lösungsvorschläge rechtzeitig erarbeitet werden.“
Rebecca Schütz, Leiterin der Kindertagesstätte Naseweis, wollte sich auf RHEINPFALZ-Anfrage nicht zu dem Sachverhalt äußern und verwies auf die Ortsgemeinde als Träger. Sie teilt lediglich mit, dass ein ausreichender Platz für die Kinder „immer wünschenswert“ sei. Zuletzt war die Einrichtung vor mehr als zehn Jahren erweitert worden, um damalige gesetzliche Vorgaben zu erfüllen.