Hassloch
Kinderwinzer ernten im Museumsgarten
Mit großer Freude machten sich am Donnerstag 23 Vorschulkinder der katholischen Kita St. Elisabeth auf den Weg zum Ältesten Haus. Die „Kinderwinzer“ erwiesen sich als bestens vorbereitet: Erzieherin Marion Strauß und ihr Team zogen einen großen Bollerwagen hinter sich her, in dem sich stapelweise leere Remouladen- und Joghurteimer mit Henkeln sowie ein Beutel mit geeigneten, nicht zu spitzen Bastelscheren als nützliches Gepäck befanden.
Aber auch im Heimatmuseum war die Vorbereitung wie immer perfekt: Museumsleiter Alfons Ruf, der für Landwirtschaft und die Reben zuständige Hermann Freytag sowie Hans Steidel und Hans-Peter Staudt als weitere „Erntehelfer“ hatten ebenfalls Eimer aufgestellt und kleine, extra stumpfe Rebscheren für Kinder parat.
„Wisst ihr, warum ihr heute hier seid?“, fragt Ruf zur Begrüßung die Kinder, die schon ganz hibbelig darauf warten, in den Museumsgarten zu dürfen. „Wir ernten Trauben“, ruft Marla sofort. Und Jan weiß, dass auch Wein aus Trauben gemacht wird – aber genauso, dass der nun mal noch nichts für Kinder ist. Wie aber leckerer, frischer Traubensaft schmeckt, durften die Kinder schon vorab in der Kita testen, weil eine vierte Klasse der Schillerschule bereits zwei Tage zuvor fleißig gekeltert hat.
In zwei Gruppen geht es los: In der Herbstsonne leuchten die Trauben schön und sind gut zwischen den großen Blättern zu finden. Schnell füllen sich die Eimer der ersten Gruppe, während die andere Hälfte bereits vorbereitete Trauben mahlen darf, bis wieder „Schichtwechsel“ an der Regent-Rebzeile angesagt ist. Die schon vorbereiteten Trauben sind in einigen Metern Höhe entlang der Südseite des Museums bestens gewachsen und auch entsprechend süß. „In diesem Jahr war das Wetter viel zu feucht, und es gab beim Gänsfüßer einige Probleme und Pilzkrankheiten, aber die Trauben beim Regent sind gesund und resistent“, erklärt Hermann Freytag. Der 84-Jährige ist für seinen unermüdlichen Einsatz für den Museumsgarten bekannt, und wie alle Helfer erklärt er gern dem Nachwuchs, wie alles funktioniert.
„Ihr könnten glatt Schwobe soi“
„Das ging ja schnell“, lobt Sozialpädagoge Kai Reder derweil Fabrice, der bei der Traubenlese ein sehr gutes Tempo vorlegt. Andere Kinder schneiden alles ab, was sie noch versteckt finden: „Ihr könntet glatt Schwobe soi“, sagt Erzieherin Sabine Schiller – selbst Schwäbin – im Dialekt und lacht. Aber auch bei den Himbeeren und Brombeeren nebenan dürfen die Kinder mal naschen.
Bald versammeln sich alle im Hof, wo Steidel und Staudt den Kindern helfen, die Kinderlogel aus Blech an einer Hebeapparatur hochzufahren, damit sie dank ihrer breiten Lederriemen gut geschultert werden kann. Ab geht es mit dem Ertrag in die Traubenmühle, wo die Beeren direkt zerquetscht werden. „Ist das eine Badewanne?“ wollen die Kinder wissen. Dann kommt die Maische in die Kelter, damit sie abgepresst werden kann. Die Kinder sind schwer beeindruckt, mit welcher Muskelkraft sie an der Metallstange drehen müssen.
Dafür begeistert das Ergebnis. Rubinroter Regent-Traubensaft wird in die Becher gegossen. Und er mundet, wie begeisterte „Mmmh“-Rufe der Mini-Winzer zeigen. Sie sind sich einig: „Der schmeckt ja toll!“
82 Grad Oechsle, und das nach einem durchwachsenen Sommer: Damit sind auch die engagierten Museumsfreunde zufrieden. Und natürlich freuen sie sich besonders, dass trotz aller Corona-Beschränkungen die Kinder zu Besuch sein durften und dabei viel Spaß hatten.