Kreis Bad Duerkheim „Kinder entscheiden“
«Neustadt.» Die Neustadter Kita Hetzelstift besuchen 120 Kinder aus 27 Nationen. Das Besondere: Die Kinder dürfen mit entscheiden. Ein Kinderparlament bespricht anstehende Themen und wählt etwa neues Spielzeug aus. Leiterin Ulrike Baßler (56) spricht im Interview über Demokratie bei den Kleinen, eine Kinderverfassung und Abstimmungen mit Knöpfen und Steinen.
Die Kinder treffen Entscheidungen, die das Alltagsleben in der Kita betreffen. Das kann die Organisation von einem Fest sein oder die Erneuerung des Fuhrparks mit Dreirädern und Bobby-Cars. Die Kinder dürfen auch selbst etwas auf die Tagesordnung setzen? Ja. Wir fragen: Habt ihr was, was ihr besprechen wollt? Und oft kommen dann Dinge zur Sprache. Vor einiger Zeit kam es immer wieder zu Sticheleien unter den Kindern, das hat sie sehr gestört. Sie haben das ins Gespräch gebracht, und wir haben es dann im ganzen Haus mit den Kindern bearbeitet. Sind Kindergartenkinder reif genug, eigene Entscheidungen zu treffen? Ja. Man muss es ihnen nur zutrauen. Wird da viel diskutiert? Sie müssen sich vorstellen, dass das ein ganz niedrigschwelliges Niveau ist. Man muss Themen finden, die dem Niveau der Kinder entsprechen, und dann kann man diskutieren. Dann sagen sie ihre Meinung: Das möchte ich nicht, oder das finde ich toll. Das funktioniert sehr gut. Aber die Kinder wählen schon aus einem Angebot aus, das Sie vorgeben? Die Kinder wissen, es gibt ein bestimmtes Budget, und darin müssen wir uns bewegen. Dann wird der Katalog auf den Tisch gelegt, und sie suchen aus, was ihnen gefällt. Sind Kinder demokratisch? Unsere Kinder kennen Abstimmungsverfahren. Sie wissen, dort wo die meisten Steine oder Knöpfe liegen, das hat gewonnen. Es gibt natürlich auch Regeln, wie wir miteinander umgehen, und dazu gehört, dass jeder seine Meinung sagen darf. Und sie sind nicht beleidigt, wenn die Gegenseite gewinnt? Nein, das klappt sehr gut. Wann und wie hat das Kinderparlament angefangen? 2015 haben wir darüber nachgedacht, dass wir unseren Kindern mehr zugestehen wollen. Sie verbringen einen Großteil ihres Tages hier im Haus, und wir wollten ihnen einfach mehr Beteiligungsmöglichkeiten bieten. Das fing an mit dem Hinterfragen von Regeln. 2017 haben wir die Verfassung erstellt. Was steht in der Kinderverfassung? Das sind die Paragrafen, die unseren Kindergartenalltag regeln. Zum Beispiel hat jedes Kind das Recht, sich den Erwachsenen auszusuchen, der es wickelt, zur Toilette begleitet oder umzieht. Jedes Kind hat das Recht, sich auszuruhen. Die Kinder haben das Recht auf einen sauberen Kindergarten, aber sie müssen selbst dazu beitragen. Sie müssen aufräumen? Ja, Rechte beinhalten auch Pflichten. Wie wurde das Kinderparlament gewählt? Elf Kinder sind im Parlament. Wir haben alle im Turnraum versammelt, dann haben sich diejenigen gemeldet, die sich aufstellen lassen wollten. Wir hatten Schuhkartons und haben auf jeden das Foto eines Kandidaten geklebt. Alle Kinder haben einen Knopf erhalten und in den Schuhkarton ihres Favoriten gesteckt. Wie funktioniert das Parlament? Sie treffen sich zweimal im Monat und besprechen, was ansteht. Einmal wöchentlich haben wir eine Kinderkonferenz in den Gruppen. Die Themen, die da besprochen werden, kommen ins Parlament. | Interview: Meike FrankDOPPELTERZEILENUMBRUCH