Gegenüber RHEINPFALZ Plus Artikel Inge Krebs trägt seit 50 Jahren die RHEINPFALZ in Wachenheim aus

Zwei, drei Jahre lang wollte Inge Krebs Zeitungen austragen – solange die Kinder klein waren. Daraus sind nun 50 Jahre geworden.
Zwei, drei Jahre lang wollte Inge Krebs Zeitungen austragen – solange die Kinder klein waren. Daraus sind nun 50 Jahre geworden.

Am 1. Februar 1972 hat Inge Krebs angefangen, die RHEINPFALZ in Wachenheim auszutragen. Sie tut das bis zum heutigen Tag. 50 Jahre lang an sechs Tagen der Woche vor vier Uhr morgens aufstehen und bei Wind und Wetter die Zeitung in den Briefkasten der Abonnenten stecken, darüber ist Inge Krebs inzwischen knapp 83 Jahre alt geworden.

Inge Krebs’ Revier ist das westliche Wachenheim. Hier verteilt sie etwa 120 Tageszeitungen und Fremdausgaben auf ihrem rund drei Kilometer langen Fußmarsch. Die 83-Jährige liebt ihre Arbeit, obwohl sie sie anfangs nur zwei, drei Jahre lang machen wollte – solange ihre zwei Kinder klein waren. „Da bist zu tagsüber zu Hause“, habe sie gedacht, als sie den Vertrag unterschrieb. So war sie von der Arbeit zurück, ehe ihr Mann um sieben selbst aufbrechen musste. Zuvor tranken sie zusammen Kaffee, inzwischen ist Krebs seit 26 Jahren Witwe.

Unterstützt wird sie von Tochter Gabi Brandenburger. Seit ihrer Jugendzeit hilft sie ihrer unglaublich rüstigen und viel jünger aussehenden Mutter beim Austragen – nicht unbedingt regelmäßig, aber immer dann, wenn sie gebraucht wird. Gut zwei Stunden dauert die Austrage-Tour. Ihre Zeitungen transportiert Krebs in einem alten Kinderwagen.

Frühmorgens, wenn nichts los ist, sind für sie und ihre Tochter die Straßen ihrer Stadt einfach schön. Kein Verkehr, da merke man erst wie Autos stinken, wenn einem trotzdem mal eins begegne, meint Krebs. Im Sommer zwitschern fröhlich die Vögel, und nach frischem Schneefall scheint die Umgebung wie blank geputzt, „einfach traumhaft“, beschreibt Krebs übereinstimmend mit ihrer Tochter.

Mit alten Socken gegen Blitzeis

Hin und wieder läuft den beiden auch ein Fuchs über den Weg. Hässlich und nicht ungefährlich ist in diesen frühen Morgenstunden winterliches Glatteis. Von ihrem Vorgänger hatte Krebs den Tipp bekommen, bei Blitzeis alte Socken über die Schuhe zu ziehen, es ist bis heute das Mittel ihrer Wahl. Hässliche Begegnungen mit zwielichtigen Gestalten hatte Inge Krebs in all den Jahren in den Stunden zwischen Nacht und Morgen nie. Einmal, erinnert sich die Wachenheimerin, habe sie plötzlich in der Dunkelheit einem Mann gegenüber gestanden. „Der war genauso erschrocken wie ich“, meint sie.

Gar nicht gut in Erinnerung hat die Austrägerin die Zeit, als die Bürklin-Wolf-Straße eine Baustelle war, weil das gewohnte „riwwer unn niwwer“ beim Austragen nicht möglich war. Wie viele Stunden sie im Lauf der Jahre in tiefer Nacht wartete, weil der Lkw mit den Zeitungen Verspätung hatte, kann sie nicht beziffern. Aber es waren etliche.

Anfangs musste sie noch monatlich das Abo-Geld an der Haustür kassieren. Als das abgeschafft wurde, gab es kein Trinkgeld mehr, der persönliche Kontakt mit den Abonnenten ging verloren. Geliebt hat Inge Krebs die gemeinsamen Ausflüge und bunten Nachmittage mit ihren Trägerkolleginnen und -kollegen. Zuletzt beschränkte es sich auf gemeinsame Essen.

Inge Krebs ist beim TuS aktiv, sie hat – vor Corona – mit den alten Leuten im Bürgerspital geturnt. Auch liebt sie die Gartenarbeit. Wie lange will sie noch die RHEINPFALZ austragen? „So lange mich meine Füße tragen“, meint sie lächelnd.

Info

Wer Interesse an einer Tätigkeit als Austräger hat, kann sich gerne melden: Telefon 06322 94500 oder per Mail an service-bad-duerkheim@pvg-pfalz.de.

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