Kreis Bad Duerkheim In Social Media glänzen
Für viele ist die Hochzeit der wichtigste Tag im Leben. Immer weniger Paare lassen sich aber kirchlich trauen, sie wollen ihren großen Moment individuell gestalten. Dann kommen Traurednerinnen wie die Eisenbergerin Nadine Osterholzer ins Spiel.
„Liebe Trauergäste!“ Für so manche Braut wäre diese missglückte Ansprache der Traurednerin an die Hochzeitsgäste im ersten Moment eine Katastrophe (und später vielleicht eine lustige Anekdote) gewesen. Für Nadine Osterholzer war es mehr. Sicher, auch sie konnte – damals wie heute – über das Missgeschick der Rednerin bei ihrer Hochzeit lachen, aber irgendwie inspirierte dieses Erlebnis die junge Eisenbergerin dazu, selbst freie Trauungen anzubieten. „Ich arbeite unter der Woche in einer Bank. Das macht zwar Spaß, fordert mich aber kreativ nicht heraus. Als Rednerin für freie Trauungen kann ich mich da ausleben“, sagt die 32-Jährige. Osterholzer hat sich dann über das Internet eine Traurednerin gesucht, bei der sie einen dreitägigen Kurs absolvierte und der sie über mehrere Monate bei der Arbeit über die Schulter schauen konnte. Ein richtiger Ausbildungsberuf ist es nämlich nicht, auf Hochzeiten oder gar Trauerfeiern zu reden. „Eigentlich kann das jeder machen“, sagt Osterholzer. Viele greifen daher auch auf Freunde oder Verwandte zurück. „Wer es aber stilvoller mag, sucht sich jemanden, der das eben professioneller macht.“ 22 bis 25 Stunden wende sie gewöhnlich für eine Hochzeit auf, Vorbereitung und Zeremonie sind da schon eingerechnet. „Ich treffe das Brautpaar, schaue, ob die Chemie stimmt. Und natürlich spreche ich auch mit Bekannten und Angehörigen. Meine Reden sind keine Lückentexte, in denen ich nur die Namen des Brautpaares austausche“, sagt Osterholzer. Dass es Bedarf für die Dienste von Menschen wie Nadine Osterholzer gibt, ist kein Zufall. Nach Angaben des Statistik-Portals „Statista“ steigt zwar seit 2005 bei den Deutschen wieder von Jahr zu Jahr die Heiratsbereitschaft. Gleichzeitig sinkt aber die Anzahl der kirchlichen Trauungen. Die Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland etwa fand heraus, dass 1953 noch 80 Prozent aller Trauungen mit einer kirchlichen Zeremonie verbunden wurden, 2015 waren es nur noch rund 20 Prozent. Der Trend ist seither weiterhin rückläufig und betrifft beide großen Konfessionen, und das, obwohl noch rund 60 Prozent der Deutschen einer der beiden christlichen Kirchen angehören. Will heißen: Selbst Kirchenmitglieder lassen sich nicht mehr unbedingt in ihrem Gotteshaus trauen. „Das Interesse an der kirchlichen Trauung geht zwar zurück, aber nur standesamtlich wollen die Leute auch nicht heiraten. Das ist ihnen dann doch zu unpersönlich. Und auf die Ritualisierung ihrer Liebe wollen sie nicht verzichten. Da kommen dann die Anbieter von freien Trauungen ins Spiel“, sagt Osterholzer, die in diesem Jahr schon 18 Trauungen absolviert hat. Buchungen liegen bereits bis ins Jahr 2020 vor, sagt sie. Zwar spielt das Thema Individualität bei freien Trauungen vom Grundsatz her eine große Rolle. Doch erstaunlicherweise laufen die Zeremonien dann doch recht ähnlich ab. „Klar, es gibt natürlich die klassischen Rituale, für die sich fast jeder entscheidet: das Ringetauschen, der Hochzeitskuss. Aber auch im Drumherum ähneln sich die Abläufe überraschenderweise doch ziemlich stark. Keine Hochzeit mehr ohne Fotobox! Und momentan hat auch gefühlt jeder Alpakas dabei“, sagt Osterholzer. Es sei offenbar immer wichtiger, dass die Hochzeit auf Instagram und sonstigen Social Media-Kanälen etwas hermache. Ob irgendwann aus dem Nebenjob ein Hauptjob wird? Osterholzer: „Ich glaube nicht. Dafür bin ich dann doch zu sehr der Sicherheitsmensch. Und außerdem ist das kein Job, den man macht, um damit Geld zu verdienen“, sagt Osterholzer. „Aber man kann damit Geld verdienen, wenn man es nicht als Job sieht.“